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09.07.2010

"Hallo Fräulein, bitte zahlen!"

Bad Wörishofen Wie spricht man eine Kellnerin korrekt an? "Hallo, Frollein" gilt laut Knigge als unhöflich und überholt. Und "Frau Oberin"? Auch falsch. Damit ist nämlich die Vorsteherin eines Klosters gemeint. Jetzt suchen die Benimmexperten bundesweit nach einer passenden Anrede für die fleißigen "Heinzelmännchen" in der Gastronomie. Duzen, Siezen, Titulieren. Wie halten es damit die Gäste in den Wörishofer Lokalen?

Maria Amberger aus der Hallertau sitzt mit ihren Freundinnen im Café Matzberger am Denkmalplatz und lässt sich von einem Sonnenschirm gut beschattet einen Eiskaffee schmecken. Wie sie sich bemerkbar macht, wenn sie bezahlen will? "Hallo, Bedienung, rufe ich aus alter Gewohnheit." Welche Erfahrungen hat Saisonkellnerin Carina Apfel gemacht? "Wenn es ans Bezahlen geht, schnippen viele Leute mit den Fingern, andere winken mit dem Geldbeutel, die meisten zitieren mich und meine Kolleginnen mit "Fräulein zahlen", weiß sie zu berichten und auch dass eilige Gäste ungemütlich werden können.

Die Wenigsten bitten höflich um die Rechnung

Ein paar Tische weiter "brüten" Marietta Fink, Regina Mayer und Tamara Kolb über einer Getränkekarte. Die drei jungen Hotelfachfrauen plaudern aus dem Nähkästchen. Sie haben schon erlebt, dass Gäste, die bezahlen wollen, nach der Bedienung pfeifen oder ihr auf den Allerwertesten klopfen. "Wenn sie überhaupt was sagen", so die jungen Damen, ,,kommt ihnen vielleicht ein ,He, Sie' oder bestenfalls ,Entschuldigung, bitte zahlen' von den Lippen. "Die Wenigsten bitten höflich um die Rechnung." Mit Augenzwinkern, "il conto per favore" oder nur mit "bagare" rufen die Gäste der Eisboutique nach dem Chef, wenn sie ihren Cappuccino begleichen wollen. "Meine Kunden waren alle schon mal in Italien, bei mir können sie ihre Sprachkenntnisse wieder auffrischen", scherzt Valder Berlanda, mehrere Eisbecher durch die Tische jonglierend.

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Schade, wenn das Gespräch zum Handzeichen verkümmert

Betont freundlich geht Barbara Fröhlich auf ihre Gäste zu. "Was darf ich Ihnen bringen oder womit kann ich ihnen etwas Gutes tun?", animiert sie zur Bestellung. Nicht immer wird ihre Höflichkeit erwidert. Bei Dauerregen haben auch die Gäste im Kurcafé schlechte Laune. "Wenn sie gehen wollen, schnippen sie meist nur mit den Fingern oder rufen kurz ,Bitte bezahlen', erzählt die Aushilfsbedienung. Sie bedauert: "Schade, wenn das Gespräch zum Handzeichen verkümmert".

"Hallo, Sie? Was ist denn das für ein Benehmen und wer möchte schon mit Hallo angesprochen werden", entrüstet sich ein älterer Herr im Café Schwermer. "Damen über 18" gibt er vor, spreche ich grundsätzlich nicht mit Fräulein an". Woher er ihr Alter weiß? "Im Schätzen bin ich sehr gut", gibt er sich selbstbewusst. Regina Fischer aus Mannheim will bei "Fräulein, bitte zahlen" bleiben. Weil ich es so gewohnt bin", ihre Begründung. An einem anderen Tisch winken die Gäste ihrer Bedienung mit einem Geldschein. Die steuert eilends auf sie zu und erzählt, dass sie von Stammgästen meist mit Namen angesprochen wird. Ein Schild an ihrer Weste verrät: "Hier bedient Marlene Zaunberger."

Ortswechsel. Im Hartenthaler Hof serviert Juniorchefin Stefanie Bairlein gerade die Spezialität des Hauses, einen Riesenwindbeutel. Obwohl man in diesem Lokal das "Fräulein" schon längst in Pension geschickt hat, rufen doch noch 99 Prozent aller Gäste nach ihr.

"Man sollte einfach gehen, wenn Kellnerin oder Ober zu beschäftigt sind", scherzt ein junger Mann. "Dann holen die sich ihr Geld ganz schnell", glaubt er. Ausprobiert hat er diese Methode jedoch noch nicht.

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