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Herzogfest

11.04.2015

Hand in Hand auf Zeitreise

Sich einfach unters Volk zu mischen, die Maximilian-Philipp-Straße rauf und runter zu flanieren – das sind die Momente, auf die sich Ingrid und Franz Eimansberger auch heuer beim Herzogfest sehr freuen.
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Sich einfach unters Volk zu mischen, die Maximilian-Philipp-Straße rauf und runter zu flanieren – das sind die Momente, auf die sich Ingrid und Franz Eimansberger auch heuer beim Herzogfest sehr freuen.

Wenn Ingrid und Franz Eimansberger in die Rollen von Herzogin Mauritia Febronia und Herzog Maximilian Philipp schlüpfen, freuen sie sich auf viele Begegnungen

Wie Türkheim heute aussehen würde ohne die Herrschaft des Herzogs Maximilian Philipp und seiner Gemahlin Mauritia Febronia, will sich in der Marktgemeinde niemand vorstellen. So ist es natürlich für Ingrid und Franz Eimansberger eine Ehre, heuer beim Herzogfest zum zweiten Mal in die Rollen des berühmten Paares schlüpfen zu dürfen und eine Zeitreise ins Barock anzutreten. Beim Interview mit der Mindelheimer Zeitung zeigt sich, dass beide viel über das berühmte Herzogpaar wissen.

Mussten Sie sich für die Rollen des Herzogpaares bewerben?

Nein. Vor fünf Jahren hat uns der damalige Bürgermeister Silverius Bihler angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, das Herzogpaar zu spielen. 1950 hatte bereits schon einmal mein Vater Herzog Maximilian verkörpert und so musste ich nicht lange überlegen. Auch meine Frau sagte nicht nein und wir haben es nicht bereut. Besonders natürlich nicht, da es für uns vor fünf Jahren mehrere Feste zu feiern gab, unter anderem unsere Silberhochzeit und meinen 50. Geburtstag.

Jetzt ist es aber auch eine sehr kostspielige Sache, oder?

Ja, meine Einkleidung war sogar noch teuerer als das Kleid meiner Frau. Schneiderin Tilly Schmidt und wir haben viele Bücher gewälzt, alles sollte möglichst authentisch sein, in die Zeit passen. Eine knifflige Angelegenheit waren zum Beispiel meine Absatzschuhe. Wo sollte ich solche herbekommen? Ein Tipp führte mich zu einem großen Motorradhersteller, der früher Trachtenschuhe mit Absatz angefertigt haben soll. Der Chef der Firma holte ein Paar alte Leisten aus seinem Keller und so kam ich zu meinen Herzogschuhen. Tilly Schmidt hatte noch eine passende Schließe in ihrem Fundus – alles ist jetzt einfach perfekt.

Was für ein Gefühl war es, erstmals in die seidenen Kleider eines Herzogpaares zu schlüpfen?

Ein sehr schönes. Doch mein Kleid ist auch einige Kilogramm schwer und ich musste schon erst üben, mich darin zu bewegen. Als ich meinen Mann dann anschaute mit langer Lockenpracht und Oberlippenbart, verstärkt noch mit Wimperntusche, war das schon sehr ungewohnt. (Sie lacht herzlich)

Haben Sie bei Ihren Auftritten auch viel Text zu sprechen?

Es geht. Heuer werden wir ja nicht das eigens für’s das Herzogfest von Alois Epple geschriebene, historische Stück aufführen, sondern den Prolog von Joseph Bernhart. Zudem haben wir eine Gesangsgruppe ins Leben gerufen – das Rassoensemble. Wir vier wollen dann im Schloss auftreten, diese Wohnstätte des Herzogpaares miteinbeziehen.

Was fasziniert Sie besonders an Herzog Maximilian Philipp?

Wie bedeutend er war, zeigt sich allein darin, dass er einen alten Kurfürsten zum Vater, eine junge Kaisertochter zur Mutter und Kaiser Ferdinand III. zum Paten hatte. Auch Maurita Febronia zählte damals auf dem Heiratsmarkt zur Crème de la Crème Europas. In München wohnte das Paar feudal mit rund 40 Bediensteten in der Maxburg. Ein Jahr regierte Maximilian Philipp dort nach dem Tod seines Vaters und älteren Bruders auch sehr geschickt, bis sein Neffe Emanuel volljährig wurde und die Regierungsgeschäfte übernahm. Dann ging das Paar 1683 nach Türkheim und herrschte hier über ein ansehnliches Gebiet in Schwaben. Doch mich beeindruckt stark, wie Herzog Maximilian Philipp hier die Wirtschaft stärkte, Türkheim zum Markt erhob und viele Handwerkerfamilien herholte. So ist zum Beispiel auch die berühmte Schreinerfamilie Bergmüller nach Türkheim gezogen. Türkheim war Ende des 17. Jahrhunderts und das ganze 18. Jahrhundert, wie Alois Epple in seinem Büchlein über das Herzogpaar auch vermerkte, der politische und kulturelle Mittelpunkt Mittelschwabens.

Und was zeichnete Mauritia Febronia aus?

Allen voran ihre Frömmigkeit. Das Herzogpaar lebte hier in Türkheim nicht protzig, beide hatten für die Bürger stets ein offenes Ohr und sie wollten das Bestmögliche für sie. Das Herzogpaar gründete allein in Türkheim vier Bruderschaften und ließ die Bennokkapelle und die Loretokapelle neu bauen sowie die Pfarrkirche und die Leonhardkapelle barockisieren. Auch holten sie die Kauziner nach Türkheim. Mauritia Febronia ließ ein Spital für die Alten ebenso errichten wie ein Theater und holte die Englischen Fräulein nach Mindelheim. Der unerfüllte Kinderwunsch belastete das Paar aber wohl schwer.

Wissen Sie eigentlich, wo das Herzogpaar seine letzte Ruhestätte gefunden hat?

Aber natürlich – in der Michaelskirche in München. Gleich schräg gegenüber vom Sarg Ludwig II. sind die beiden einfachen Särge des Herzogpaares in der Gruft zu sehen. Wir standen, wenn sie so wollen, schon oft vor unseren Särgen.

Was zeichnet das Herzogfest gegenüber dem Frundsbergfest in Mindelheim aus?

Es präsentiert sich beim Herzogfest in Türkheim keine Hauruckgesellschaft, sondern wir befinden uns dann wieder in der Barockzeit. Der Herzog trägt seinen Degen nicht als Waffe, sondern als Zierart. Die Adelsleute tragen feine Stoffe und die Musik ist natürlich eine ganz andere. Die Bürger sind keine Leibeignen mehr, tragen beim Kirchgang auch Dreispitz und Gehrock. Sicher war in der Barockzeit auch nicht alles Gold, was glänzte, doch es war auch eine sehr kunstsinnige Zeit.

Was wünschen Sie sich diesmal zum Herzogfest?

Vor allem schöneres Wetter! Vor fünf Jahren hat es beim damaligen Herzogfest viel geregnet und es war sehr kalt. Dann freut es uns ganz besonders, dass wieder alle Vereine an einem Strang ziehen und so sicher ein schönes Miteinander in der Marktgemeinde gegeben ist. Mein Mann und ich werden uns auch öfters ganz einfach unter die Leute mischen, die Maximilian Philipp-Straße, an der wir ja auch echt wohnen, rauf und runter flanieren und das Flair beim Herzogfest einfach mit allen Bürgern gemeinsam genießen.

in Türkheim findet vom Freitag, 12., bis Sonntag, 14. Juni, im Schlosshof und in der Maximilian-Philipp-Straße statt.

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