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14.03.2009

"Hat der Gegner Sitzfleisch, spiele ich aggressiver"

Bad Wörishofen Nur knapp über 60 deutsche Großmeister gibt es weltweit. Einer davon ist der diplomierte Maschinenbauingenieur Henrik Teske (40), der auch in diesem Jahr beim Schachfestival in Bad Wörishofen teilgenommen hat. Im Interview mit der Mindelheimer Zeitung verrät der gebürtige Suhler (Thüringen), warum er Jahr für Jahr in die Kneippstadt kommt, und gibt Einblicke in seine Spielmethoden.

Herr Teske, derzeit läuft auch die Europameisterschaft in Montenegro. Was führt Sie nach Bad Wörishofen?

Teske: Ich war schon sehr oft hier - und in den letzten beiden Jahren sehr erfolgreich. Hier sind die Antrittskonditionen und die Spielbedingungen sehr gut, auch wenn der Termin nicht so günstig ist. Man trifft hier viele Freunde.

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Teske: Im letzten Jahr bin ich mit dem Fahrrad gekommen (Teske spielt für den SC Tegernsee, Anm. d. Red.). Da habe ich mir den Jachthafen und den Flugplatz angeschaut und natürlich kenne ich den Kurpark, da gehe ich oft vor den Spielen spazieren.

Wie und wann sind Sie denn zum Schach gekommen?

Teske: Mein Vater hat es mir mit vier Jahren beigebracht, er war auch mit meinem Bruder der erste Trainingspartner. Meine Motivation war, meinen Bruder zu schlagen. Mit sechs, sieben Jahren bin ich dann in Suhl in den Schachklub gegangen. Und seit elf Jahren trage ich nun den Titel des Großmeisters.

Wie bereiten Sie sich auf ein Match oder einen Gegner vor?

Teske: Unmittelbar vorher mache ich einen Spaziergang. Man kann auch zu viel tun und ist dann müde im Kopf. Es gibt zwar Datenbanken über die ehemaligen Spiele der Gegner im Internet, die nutze ich aber selten. Man schaut, wo der Gegner Schwächen hat oder Lücken im System, ich konzentriere mich eher auf allgemeine Eröffnungssysteme.

Wie richten Sie Ihre Taktik aus?

Teske: Man schaut schon einmal auf den Typ des Gegners. Ist er korpulenter und sieht so aus, als ob er viel Sitzfleisch hätte, spielt man etwas aggressiver. Gegen einen Jungen unterlässt man besser das Wettrechnen, da ist er im Vorteil, und spielt lieber die Erfahrung aus. Meine Eröffnung ist somit personenabhängig. Meine Konzepte wechseln, ich spiele nie das Gleiche. Beim Schach muss man aufpassen, mit einem Zug kann man die Arbeit von Stunden oder Tagen zunichtemachen.

Und wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?

Teske: Richtige Trainingsphasen habe ich nicht, dafür schalte ich aber auch nie richtig ab. Wenn ich für eine Zeitschrift über ein Turnier berichte, dann analysiere ich natürlich die Spiele und lerne so dabei. Auch wenn ich wie derzeit ein Schachbuch übersetze, schaue ich mir die Systeme genauer an (Teske spricht neben Deutsch fließend Englisch, Spanisch und Russisch, Anm. d. Red.).

Als Schachprofi ist man zugleich auch Schachtourist. Wo waren Sie denn schon überall?

Teske: Ich war schon in über 40 Ländern zwischen Kuba und Kirgisien, unter anderem auch auf Barbados als Schachtrainer. Da ist es schwierig mit einem Hauptwohnsitz. Ich wohne dann bei Freunden, so etwas wie Schach-Wohngemeinschaften. Vor der Wende war ich viel in Ungarn unterwegs, da konnte man ein Turnier gut mit Urlaub verbinden. Vermutlich werde ich - nachdem mein Klub nicht mehr in der Bundesliga antreten wird - nach Spanien ziehen.

Dann ist das hier Ihre letzte Teilnahme in Bad Wörishofen?

Teske: Nein, das glaube ich nicht. Bad Wörishofen werde ich immer im Terminkalender haben.

Erich Wörishofer

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