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Mindelheim

12.01.2021

Hat sich ein 84-Jähriger ausgerechnet im Mindelheimer Klinikum mit Corona angesteckt?

Wurde Frank A. im Krankenhaus Mindelheim darauf hingewiesen, dass sein guter Freund an Corona erkrankt war? Die Aussagen des Bad Wörishofers und der Mindelheimer Klinik widersprechen sich (Symbolbild).
Bild: Henning Kaiser/dpa

Plus Ein 84-Jähriger hält dem Mindelheimer Krankenhaus vor, ihn nicht ausdrücklich vor der Infektion eines Patienten gewarnt zu haben. Dieser war den Folgen der Virusinfektion erlegen.

Hat sich ausgerechnet im Klinikum Mindelheim ein älterer Herr mit dem Coronavirus infiziert, ohne dass er vor der Gefahr gewarnt worden wäre? Das jedenfalls sagt Frank A. aus Bad Wörishofen (Name der Redaktion bekannt). Entsprechend entsetzt ist der 84-Jährige, der selbst zur Risikogruppe gehört.

Seit ein paar Jahren betreut Frank A. einen alleinstehenden älteren Herrn. Dieser war am 13. Dezember im Krankenhaus aufgenommen worden. Woran der 90-Jährige litt, wusste A. nicht. Laut Klinikum Mindelheim wurde bei der Aufnahme des Patienten ein Antigen-Schnelltest vorgenommen. Dieser sei negativ ausgefallen. Am 15. Dezember erfolgte ein PCR-Abstrich wegen neu aufgetretenen Fiebers. An dem Tag wurde der 90-Jährige auf die Covid-Isolierstation verlegt. Am 16. Dezember wurde das positive Ergebnis bekannt. Das Krankenhaus habe das an das Gesundheitsamt gemeldet.

Frank A. sagt, das Krankenhaus habe ihn nicht auf die Infektionsgefahr hingewiesen

Frank A. hingegen sagt, er sei mit keinem Wort auf die Infektionsgefahr hingewiesen worden. Am 18. Dezember besuchte A. den Patienten zwei Stunden lang. Da saß er neben dem Patientenbett. Besuche dort sind nur nach vorheriger Absprache mit dem behandelnden Arzt möglich, teilt das Klinikum mit.

Der Besucher werde am Empfang abgeholt und auf die Nutzung von Schutzkleidung einschließlich das Tragen einer FFP-Maske hingewiesen. „Nach Rücksprache ist dies auch in diesem Fall erfolgt, der Besucher muss also über den Infektionsstatus informiert gewesen sein.“ Frank A. dagegen sagt: „Mit keiner Silbe wurde erwähnt, dass ich besonders vorsichtig sein sollte, geschweige, dass mein Bekannter mit Corona infiziert ist.“

Er sei eingekleidet worden, habe Haarschutz und Handschuhe erhalten sowie einen Umhang. Einen eigenen FFP2-Mund- und Nasenschutz hatte er selbst dabei. Laut Frank A. hatte ihn eine Pflegerin in das Zimmer geführt, wo der 90-Jährige lag. Auch sie habe ihn nicht darauf hingewiesen, dass der Patient mit einem hochansteckenden Virus infiziert sei. Der Besucher blieb zwei Stunden. In dieser Zeit streichelte er dem Todkranken Gesicht und Hände. Tags darauf war der 90-Jährige seiner Krankheit erlegen. An diesem 19. Dezember war Frank A. wieder am Bett, diesmal des Verstorbenen, wo er Abschied nahm. Erst am 21. Dezember erfuhr er dann vom Bestatter die Wahrheit. Sein Freund war an den Folgen der Corona-Virusinfektion gestorben.

Am 23. Dezember wurde Frank A. positiv auf Corona getestet

Tags darauf ließen er und seine Frau sich in Erkheim testen. Am 23. Dezember erfuhr Frank A. durch das Gesundheitsamt, dass er positiv auf Corona getestet wurde, seine Frau negativ. Beide mussten in häusliche Quarantäne. Bisher leidet Frank A. unter keinen schweren Symptomen.

Während Frank A. überzeugt ist, dass er sich im Klinikum angesteckt hat, hegt die Abteilung Krankenhaushygiene einen anderen Verdacht: Für die Klinikvertreter ist es am Wahrscheinlichsten, dass sich der Patient bei der Aufnahme in der Inkubationsphase befand und die Infektion mit ins Krankenhaus gebracht wurde. „Der behandelnde Arzt bestätigte, dass mit dem Betreuer und den Angehörigen telefonischer Kontakt über den schlechten Zustand und die Covid-Infektion des Patienten bestand.“ Frank A. will das so nicht stehen lassen. „Die glauben doch nicht allen Ernstes, dass ich alles ignoriere und mein Leben aufs Spiel setze.“ Er behält sich juristische Schritte vor.

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