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Babenhausen

03.09.2018

„Haus zur Geschichte“ nimmt Gestalt an

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4 Bilder
Christo lässt grüßen: Derzeit ist das denkmalgeschützte Meisingerhaus an der Tiroler Straße in Babenhausen verhüllt – und ähnelt damit beinahe einem Werk des bekannten Künstlers.
Bild: Fritz Settele

Die Sanierung des historischen Meisingerhauses  in Babenhausen schreitet voran. Ehrenamtliche packen mit an – und stoßen dabei auf so manche Überraschung.

Einige Jahre lang war es still geworden um das sogenannte Meisingerhaus an der Tiroler Straße in Babenhausen. Dann kam Bewegung in die Sanierungsarbeiten. So wurde das Gebäude in diesem Jahr entkernt, sprich: Die Einrichtung ohne historischen Bezug wurde entfernt. Das ehrgeizige Ziel des Historischen Vereins ist es nun, die Außenhülle noch heuer zu schließen.

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Mit den vorbereitenden Arbeiten hatte der Verein vor knapp zwei Jahren begonnen. Dies war den intensiven Bemühungen der Vorsitzenden Barbara Kreuzpointner um Spenden und Zuschüsse zu verdanken. In einiger Eigenleistung sind die modernen An- und Einbauten entfernt worden. Nach der Klärung statischer Fragen, so erklärt es Johann Kreuzpointner, konnten die Zimmerleute mit den Ausbesserungsarbeiten im Anbau und mit dessen Neueindeckung starten. Diese Arbeiten sind inzwischen weit fortgeschritten, sodass sie voraussichtlich nächsten Monat zum Abschluss kommen.

Der Sommer war für die Verantwortlichen in Babenhausen ideal

Für die Sanierung des Dachstuhls bot nicht zuletzt der trockene Sommer ideale Voraussetzungen. Dabei haben die Verantwortlichen darauf geachtet, einen möglichst großen Teil des ursprünglichen Gebälks zu erhalten. Dazu passt auch, dass eine alte Handwerkstechnik für die Verbindung der bestehenden und neuen Holzteile genutzt wird: Holznägel finden ihren Platz.

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Eine Fachfirma kümmert sich indes um die Sicherung der Fundamente und des Mauerwerks. Hinzu kommt, dass die zum Teil verloren gegangenen Gefache – Zwischenräume der Fachwerkbalken – wiederhergestellt und fachgerecht mit Lehmsteinen befüllt werden.

Nicht nur dabei packen Vereinsmitglieder nach Kräften mit an. Sie helfen etwa auch, den Bauschutt zu beseitigen. Johann Kreuzpointner hat bereits rund 300 Stunden ehrenamtlich geleistet – und ist damit der „Stundenkönig“. Er freut sich zudem über die Unterstützung „einer kleinen, aber tatkräftigen Rentner-Truppe, die auf Zuruf jedes Mal bereitsteht“. Dieser gehören in erster Linie Gernot Baur, Hans-Peter Frank und Leonhard Müller an.

Auch ein studierter Restaurator hilft in Babenhausen ehrenamtlich mit

Mit Julian Stiller hilft auch ein studierter Restaurator, der gerade seine Masterarbeit abgeschlossen hat, ehrenamtlich mit. Besonders fasziniert ihn, dass das alltägliche Leben der „kleinen Bürger“ anhand der Baustruktur dokumentiert ist. Schließlich, so Stiller, sei in Babenhausen „nicht alles Fugger“ gewesen. Gerade das gemeinsame Leben auf engstem Raum könne man sich heute nicht mehr vorstellen. Stiller hat sich darauf konzentriert, die Lehmwände wiederherzustellen.

Barbara und Johann Kreuzpointner freuen sich darüber, dass die Arbeiten derzeit zügig voranschreiten – obwohl bei derartigen Bauwerken immer wieder unerwartete Überraschungen auftauchen können. Zu den positiven Entdeckungen gehören Fundstücke wie ein Schraubstock aus dem späten 18. Jahrhundert oder ein Vorderlader aus der Zeit vor 1870. Freudig erzählen sie zudem, dass hinter der Küchenverkleidung eine noch vollständig erhaltene Lehmwand samt uralter Balken zum Vorschein kam.

Das kleine Haus in Babenhausen hat alle Stürme der Zeit überstanden

Überhaupt werde im Meisingerhaus die Handwerkergeschichte der vergangenen 450 Jahre deutlich. „Dadurch schafft der Historische Verein Heimat und stiftet gleichzeitig Identität“, sagt Kreuzpointner. Und obwohl das kleine Handwerkerhaus einst mit einfachsten Mitteln errichtet wurde, so habe es doch alle Stürme der Zeit überstanden – und sei damit „einzigartig im gesamten schwäbischen Raum“. Die Zusammenarbeit zwischen Fachleuten und Ehrenamtlichen funktioniert laut Kreuzpointner mustergültig.

Den einen oder anderen Helfer könne man aber noch gebrauchen. Das gelte auch für Spenden, damit man sich im kommenden Jahr dem Innenausbau widmen kann. Aber zunächst, noch vor dem Jahresende, will der Verein die Außenhülle samt Dach, Fenstern und Türen fertigstellen.

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