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Markt Wald

28.09.2018

Hausarzt in Markt Wald gesucht

Seit fast zwei Jahren sucht Dr. Bruno Flach schon einen Nachfolger. Er ist überzeugt, dass das Hausarztdasein auf dem Land viele Vorteile bietet – und längst nicht so schlecht ist, wie es oft dargestellt wird. 	<b>Foto: Kienle und Bühler</b>
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Seit fast zwei Jahren sucht Dr. Bruno Flach schon einen Nachfolger. Er ist überzeugt, dass das Hausarztdasein auf dem Land viele Vorteile bietet – und längst nicht so schlecht ist, wie es oft dargestellt wird. <b>Foto: Kienle und Bühler</b>
Bild: Kienle und Bühler

Dr. Bruno Flach sucht mit einer außergewöhnlichen Aktion einen Nachfolger für seine Praxis in Markt Wald.

Seit fast zwei Jahren ist Dr. Bruno Flach jetzt schon auf der Suche. Und zwar nach einem Nachfolger für seine Hausarztpraxis in Markt Wald. Er hat sich auf Praxisbörsen registriert, mit dem Arbeitskreis „Hausarzt“ der Gemeinde einen Flyer zusammengestellt und diesen an Weiterbildungsverbände und Kliniken verteilt. Darauf gab es zwar einige Rückmeldungen, geworden ist es aber bislang nichts mit der Praxisübergabe.

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Deshalb hat sich Bruno Flach etwas Neues einfallen lassen. „Mal was Anderes, Pfiffiges“ sollte es sein. Und jetzt gibt es da dieses Video, gedreht von Ulla Gutmann, knackige zwei Minuten und 41 Sekunden kurz, das sich im Internet rasend schnell verbreitet hat. Der 67-Jährige spielt darin mit einem großen Augenzwinkern sich selbst. Er schwingt sich auf sein grünes Motorrad, knattert damit für die Hausbesuche durch die idyllische Landschaft, begrüßt Patienten, zeigt einen entspannten Praxisalltag, vor allem aber eines: Es ist schön, hier auf dem Land Hausarzt zu sein.

Video: Ulla Gutmann

Hausarzt in Markt Wald - ein angenehmer Job

Für Bruno Flach ist das keine Werbebotschaft, sondern Realität. Er ist Hausarzt aus Überzeugung und mit großer Leidenschaft, seit 26 Jahren schon. Als Assistenzarzt an der Kreisklinik Mindelheim hat er sich überlegt, ob er an der Klinik bleiben soll und sich dann – das Bild seines eigenen Hausarztes aus Kindertagen vor Augen – doch für die Niederlassung entschieden. „Und ich hab’s nicht bereut“, sagt er.

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Seine Hausarzttätigkeit sei auf jeden Fall entspannter als der Klinik-Alltag, der in den vergangenen Jahren „noch knochenhärter“ geworden sei. „Es gibt unterschiedliche Vorstellungen, wie man arbeiten will. Aber ich find’s nimmer schön.“ Er schätzt den Gestaltungsspielraum, den ihm die eigene Praxis bietet, sowohl, was die Arbeitsabläufe betrifft als auch den Umgang mit Patienten und Personal. An der Klinik sei man deutlich weisungsgebundener und als Angestellter in einem Medizinischen Versorgungszentrum eher ein neutraler Dienstleister.

Er mag die "bodenständigen" Unterallgäuer

In der Hausarztpraxis auf dem Land sei der Umgang mit den Menschen dagegen familiärer. „Man hat mit bodenständigen, freundlichen Leuten zu tun, zu denen sehr persönliche Kontakte entstehen können“, sagt der 67-Jährige. Und das wiederum erleichtere die Arbeit: Er kann den Patienten in seiner Gesamtsituation sehen, die Leute annehmen und sie, wenn er eine schlechte Diagnose überbringen muss, eher auffangen. „Bei Fremden ist das schwieriger.“ Er interessiert sich deshalb nicht nur für die Schmerzen seiner Patienten in, sondern hat auch ein offenes Ohr, wenn ein Patient beispielsweise Probleme am Arbeitsplatz anspricht.

Manchmal wird der Arzt auch in seiner Freizeit um Rat gefragt, aber das stört ihn nicht. „Es gibt keine so strikte Trennung zwischen Arbeits- und Berufsleben, das stimmt schon. Aber es ist wirklich sehr, sehr selten, dass jemand bei mir daheim an der Tür klingelt. Und dann ist es ja eigentlich auch schön zu sehen, dass sich die Leute woanders offenbar nicht so aufgehoben fühlen.“

Für Bruno Flach heißt das allerdings nicht, rund um die Uhr im Dienst zu sein. „Das war früher mal so, ist heute aber wesentlich lockerer.“ Nach 18 Uhr habe er jetzt seine Ruhe und der Bereitschaftsdienst lasse sich im Laufe eines Jahres auch unterbringen. Er jedenfalls singt im Regenbogenchor mit und ist begeisterter Heimwerker.

Drogen und Aids sind keine Probleme auf dem Land

Natürlich müsse man der Typ für ein Leben auf dem Land sein, aber andererseits: Ist es in der Stadt wirklich so viel besser? Klar ist etwa das kulturelle Angebot dort größer als in einem kleinen Dorf. Aber nutzt man es wirklich so häufig? Bruno Flach jedenfalls vermisst es nicht. Für ihn überwiegen die Vorteile. Die Belastungen seien hier nicht so groß. Mit Krankheiten wie Aids habe er zum Beispiel in der Regel nichts zu tun, mit Drogensüchtigen auch nicht. „Auf dem Land ist keine heile Welt. Aber es ist noch mehr in Ordnung“, findet er. Man kennt und hilft sich: „Es ist halt einfach nicht anonym.“ Als die Klangwerkstatt von seiner Nachfolgersuche erfuhr, hat sie sie in ihrem Programm veröffentlicht und als er Statisten für den Film suchte, waren die Markt Walder sofort dabei.

Seinem potenziellen Nachfolger legt Bruno Flach außerdem seine fünf Mitarbeiterinnen ans Herz: „Das Schöne ist, dass sie mit dem Ort und den Menschen hier verbunden sind. Das ist eine wesentliche Stütze.“ Sie könnten sehr gut einschätzen, ob es sich um einen dringenden Fall handelt und wissen zum Beispiel, ob der Patient zur Arbeit muss, er selbst kommen kann oder auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen ist. Auch das Verhältnis zu den Kollegen in den Nachbarorten sei sehr gut: „Wir vertreten uns gegenseitig und sprechen die Urlaubszeiten miteinander ab, damit nicht alle gleichzeitig weg sind.“

Markt Wald hat schon eine Ärztin verloren

Für ihn ist der Arzt am Ort so wichtig wie der Dorfladen, die Bank oder die Schule. Schon deshalb will er einen Nachfolger finden. Ist die Stelle nämlich ein halbes Jahr lang nicht besetzt, ist der Arztsitz für diesen Planungsbereich weg. Das hat Markt Wald vor rund zwei Jahren schon einmal scherzhaft erfahren müssen, als Dr. Beatrix von Stransky ihre Praxis schloss. Haben die Patienten sich aber erst einmal andere Ärzte gesucht, wird es noch unwahrscheinlicher, wieder einen Arzt für den Ort zu finden.

Und außerdem hängt Bruno Flach an der Praxis, in die er zunächst als Teilhaber eingestiegen ist und die er dann vor 15 Jahren übernommen hat. „Es ist kein Lebenswerk, aber doch was, was man gestaltet hat. Es wäre verdammt bitter – für mich und auch fürs Personal. Und ich werde ja auch älter. Da wär’s schon schön, wenn ich einen Arzt am Ort hätte.“

Dafür, dass sich seine Suche so schwierig gestaltet, gibt es in seinen Augen mehrere Gründe: „Die Medizin ist sehr weiblich geworden.“ Die Ärztinnen hätten jedoch häufig kein Interesse an der Selbstständigkeit, weil die sich schwerer mit einer eigenen Familie in Einklang bringen lasse als geregelte Arbeitszeiten als Angestellte. „Außerdem ist die Nachwuchsarbeit einfach vernachlässigt worden. Und so trifft eine geringe Zahl von Absolventen auf eine große Zahl offener Stellen.“ Hinzu komme, dass die ärztliche Arbeit von vielen Stellen schlechtgeredet werde. „Wenn man immer nur jammert, haben die Jungen auch kein Vorbild“, findet er und hofft, mit seinem Film das Gegenteil zu bewirken. In spätestens drei Jahren möchte er in Rente gehen und die Praxis übergeben haben. Auch wenn er zugibt, dass ihm das schwerfallen wird. „Weil ich ja gerne arbeite. Das ist eine erfüllende Tätigkeit – auch wenn’s hochgestochen klingt.“

Auch 2017 hat die Mindelheimer Zeitung schon mit Ärzten gesprochen: Weshalb ist es so schwer, Allgemeinärzte zu finden?

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