Buchvorstellung

10.12.2011

Heimatlos, doch frei

Nach ihrer „Odyssee“ durch viele deutsche Städte lebt Katerina Metallinou-Kiess heute gerne in Bad Wörishofen.
Bild: Foto: Barbara Knoll

Ihren europäischen Lebensweg schrieb Katerina Metallinou-Kiess für ihre Enkelkinder auf

Bad Wörishofen/Korfu In den Sechziger Jahren kamen tausende von Griechen nach Deutschland um ihr Glück zu suchen und ihre Lebensumstände zu verbessern. So auch Katerina Metallinou-Kiess, die heute nach Stationen in Korfu, Athen, Thessaloniki, Davos, Interlaken, Basel, Berlin, Bad Homburg, Bizerta, Djerba, Frankfurt am Main und Braunschweig mit ihrem zweiten Mann seit zwölf Jahren in Bad Wörishofen lebt und einen kleinen Zweitwohnsitz auf Korfu hat. Ihr Kreis hat sich also geschlossen, doch eine wahre Heimat besitze sie nach eigener Aussage nicht mehr.

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„Wenn ein Grieche seine Heimat mit dem strahlenden Licht, dem nach Thymian duftenden Wind und den wilden Bergen, umgeben vom tiefblauen Meer verlässt, muss er einen triftigen Grund dafür haben“, erklärt Katerina Metallinou-Kiess und verweist auf die damalige große Armut in Griechenland. Sie hatte sich in einem Luxushotel in ihrer Heimatstadt Korfu in einen Hotelmanager verliebt, unterbrach ihr Physikstudium nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen, heiratete und folgte ihrem Mann zuerst in die Schweiz, dann nach Deutschland um eine sichere Existenz aufzubauen. Nach der griechischen Gesetzgebung verlor sie bei der Hochzeit mit einem Ausländer die griechische Staatsbürgerschaft. „Als ich die Heiratsurkunde unterschrieb, hatte ich das Gefühl eine strafbare Handlung zu begehen“, so Katerina Metallinou-Kiess.

Mit einem Koffer als Mitgift und einem Herzen voll beladen mit Liebe, Hoffnung und Glauben sei sie ihr großes Lebensabenteuer angetreten. Daheim sei sie allerdings seitdem im Nirgendwo – so auch der Titel ihres ersten Buches, das sie auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorgestellt hat. Sie hat es ihren Enkelkindern gewidmet, „sie sollen ihre Wurzeln kennenlernen“.

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Ihre wahren Ressourcen sind Bildung und Persönlichkeit

„Allen widrigen Umständen zum Trotz habe ich wohl das Beste aus meinem Schicksal gemacht“, bilanziert Katerina Metallinou-Kiess. Wenn die gebürtige Griechin erzählt, relativiert sich der eher traurige Buchtitel. Sicher habe sie sich anfangs in Deutschland als Mensch zweiter Klasse gefühlt. Lediglich niedrige Putzarbeiten konnte sie aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse verrichten. Ihren ersten Mann beschreibt sie als fleißig, sparsam, ordentlich und sehr konsequent. Durchaus gute Tugenden, doch ihre Herzenssehnsucht konnte er nicht stillen. In Frankfurt am Main sei dann 1967 ihre einzige Tochter geboren worden. Nach vielen Lebensprüfungen habe sie erkannt, dass ihre wahren Ressourcen Bildung und Persönlichkeit sind. Sie hat ihr Studium wieder aufgenommen und viele Jahre in Braunschweig als Physiklehrerin gearbeitet.

Doch obwohl sie schon sagen kann, erfolgreich die Karriereleiter erklommen zu haben, als pensionierte Staatsbedienstete gerne Porträts malt, bleibt, auch wenn sie immer mal wieder nach Griechenland zurückkehrt, eine gewisse Sehnsucht. Sie umschreibt dieses Gefühl mit „heimatlos frei“. Denn auch wenn sie viel Schmerz erlebt habe, könne sie heute auf ihre Stärke bauen und habe keine Angst mehr vor nichts und niemanden. Freiheit ist ihr wichtiger als Heimat. (ara)

Das Buch von Katerina Metallinou-Kiess „Daheim im Nirgendwo“ ist im Buchhandel unter der ISBN–Nummer 978-3-942223-05-8 erhältlich.

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