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Türkheim

27.01.2020

Herzogfest: Aller guten Dinge sind drei

Ingrid und Franz Eimansberger wissen ganz genau, worauf es ankommt, wenn sie in die Rollen von Mauritia Febronia und Herzog Maximilian Philipp schlüpfen und gemeinsam mit ihren Türkheimer „Untertanen“ alle fünf Jahre das Herzogfest feiern.
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Ingrid und Franz Eimansberger wissen ganz genau, worauf es ankommt, wenn sie in die Rollen von Mauritia Febronia und Herzog Maximilian Philipp schlüpfen und gemeinsam mit ihren Türkheimer „Untertanen“ alle fünf Jahre das Herzogfest feiern.
Foto: Franz Issing

Ingrid und Franz Eimansberger schlüpfen beim barocken Herzogfest schon zum dritten Mal in Folge in die Hauptrollen.

Was wäre Türkheim ohne die Herrschaft von Herzog Maximilian Philipp und seiner Gemahlin Mauritia Febronia? „Bis heute ein unbedeutendes Dorf ohne Marktrechte“, ist sich Bürgermeister Christian Kähler da ganz sicher. Die Gemeinde hat dem Herzogpaar, das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Schloss residierte, viel zu verdanken.

Wortreich schwärmt der Rathauschef von der Verleihung der Marktrechte, vom Umbau des Schlosses in den Jahren 1682 bis 1686 und von der frommen Stiftung des Kapuzinerklosters. Für die Bürger hatten der Herzog und seine Frau immer ein offenes Ohr.

Sie gründeten in Türkheim vier Bruderschaften, ließen die Benno,- und die Loretokapelle bauen, stifteten das Kapuzinerkloster und gaben die Barockisierung der Pfarrkirche in Auftrag. Mauritia Febronia ließ ein Spital für Senioren errichten, holte die Englischen Fräulein nach Mindelheim und ließ anno 1685 das kleine Schloss bauen.

Dank Herzog Philipp, der auch viele Handwerker nach Türkheim holte und so zur Stärkung der Wirtschaftskraft beitrug, avancierte die Kommune damals zum politischen und kulturellen Mittelpunkt Mittelschwabens.

Für höfisches und wirtschaftliches Leben begann eine Blütezeit. Gut zu wissen, auch dass zu des Herzogs Zeit, die Frundsbergstadt Mindelheim von Türkheim aus regiert wurde.

Deshalb feiern die Türkheimer dieses Fest

Um das Andenken von Maximilian Philipp und seiner Ehefrau in Ehren zu halten, veranstalten die Türkheimer seit 2005 alle fünf Jahre ein großes, historisches Fest. „Ein Fest von den Bürgern für die Bürger, bei der sich auch die Schulen und Vereine einbringen“, informiert Rathauschef Kähler. Am Freitag, 28. Juni, dieses Jahr ist es wieder soweit. Dann drehen die Türkheimer ein Wochenende lang das Rad der Geschichte zurück in die Barockzeit.

Zum dritten Mal schlüpfen Ingrid und Franz Eimansberger in die Rollen der Herzogin Febronia und ihres Gatten Maximilian Philipp. Bei einem Interview erzählen die beiden Doubles, wie sie dazu kamen und was sie so alles über das berühmte Paar wissen.

„Vor zehn Jahren hat uns der damalige Bürgermeister Silverius Bihler verpflichtet, ihr seid für diesen Job genau die Richtigen fand er“, erinnert sich Franz Eimansberger. Und weil schon sein Vater Türkheims großen adeligen Gönner verkörperte, musste er nicht lange überlegen und sagte ja. Auch seine Frau Ingrid war solchem Ansinnen nicht abgeneigt.

Erinnern Sie sich noch an das Herzogfest 2015? Viele Bilder finden Sie hier:

Ganz Türkheim freut sich schon auf das Herzogfest von Freitag, 26., bis Sonntag, 28. Juni.
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Erinnerungen an das Türkheimer Herzogfest 2015
Foto: Franz Issing

„Herzogin und Herzog“ zu mimen, fiel dem Ehepaar anfangs nicht gerade leicht. „Wir mussten uns erst mal in die Geschichte einlesen und uns in Bibliotheken und Buchhandlungen in München schlau machen“, erzählt Eimansberger und fügt hinzu: „Auch in Sachen historische Mode haben wir viele Bücher und Bildbände gewälzt, schließlich sollte alles ja authentisch sein – die lange Lockenpracht und der Oberlippenbart ebenso wie die Kleider und Gewänder.

Fürsten, Herzöge und ihre Damen kleideten sich um 1700 in Seidenbrokat, was nicht gerade billig war. „Mein historisches Outfit war ein ganzes Stück teurer, als das meiner Frau“, verriet Eimansberger. „Dafür war mein Kleid um einige Kilo schwerer und ich musste ganz schön üben, um mich darin bewegen zu können“ meldete sich die „Herzogin“ des Jahres 2020 zu Wort.

In einem Bereich wurde es für den Hauptdarsteller knifflig

Recht knifflig gestaltete sich für den Doppelgänger von Herzog Maximilian die Suche nach passenden Schuhen. Schließlich führte ihn der Tipp eines Bekannten zu dem Motorradschuhe-Fabrikanten Daytenau in Oberfranken, der früher einmal Trachtenschuhe mit Absatz anfertigte. „Der Firmenchef holte ein paar alte Leisten aus seinem Keller, nahm Maß und schon hatte ich die perfekte Fußbekleidung“, berichtete Eimansberger. Die Modistin Tilly Schmidt aus Mindelau steuerte aus ihrem Fundus die passende Schließe bei und alles war in Butter.

Auch Türkheims Bürger mussten in Sachen Kleidung hinter den adligen Herrschaften nicht zurückstehen. Von Herzog Maximilian Philipp zu freien Bürgern erklärt, durften sie zum Kirchgang Dreispitz und Gehrock tragen, was exakt der damaligen Rangordnung entsprach. Herzöge trugen damals ihren Degen nicht mehr als Waffe, sondern nur zur Zierde.

Nach spaßigen Erlebnissen während seiner Regierungszeit im Jahre 2015 gefragt, erinnerte sich Eimansberger an so manche lustige Anekdote. Begeistert vom Tanz der Edelknaben im Schlosshof gab er als Herzog Maximilian Philipp den Buben für den nächsten Tag schulfrei. Über diese Zusage war die Rektorin der Grundschule gar nicht glücklich. Sie machte jedoch gute Mine zum schönen Spiel und erließ als Zugeständnis den Schülern die Hausaufgaben.

Und woran sich der hohe Herr noch gerne erinnert: „Als ein Kind mich während des Festes bat: „Herr Herzog können sie bitte um 15 Uhr zur TV-Halle kommen, dort habe ich einen tollen Auftritt“.

Sich einfach unters Volk zu mischen, die Maximilianstraße rauf und runter zu flanieren und dabei mit vielen „Untertanen“ ins Gespräch zu kommen, darauf freuen sich Franz Eimannsberger und seine Frau Ingrid beim Herzogfest ebenso, wie auf das Mitwirken der Kinder und Vereine, die alle an einem Strang ziehen.

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