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Bad Wörishofen

16.01.2021

Hilft „Click & Collect“ dem Wörishofer Handel?

Mit Hinweisschildern machen Händler in Bad Wörishofens Innenstadt Passanten auf die neuen Möglichkeiten des Einkaufs in eigentlich geschlossenen Geschäften aufmerksam.
Foto: Markus Heinrich

Plus Einkaufen in eigentlich geschlossenen Läden geht seit dem Wochenbeginn etwas einfacher. Aber nutzen die Kunden das auch? Händler aus Bad Wörishofen berichten über die ersten Erfahrungen – und neue Probleme.

Eine Woche „Click & Collect“ liegt hinter Bad Wörishofens Einzelhändlern. Waren dürfen seither nicht mehr nur auf Bestellung ausgeliefert sondern unter Hygieneauflagen auch abgeholt werden. Hilft das den Händlern der Kneippstadt in der Corona-Krise? Oder ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Fritz Barth, der Vorsitzende der Organisation „Die Aktiven Einzelhändler“, sagt, er schätze auf jeden Fall den guten Willen, der hinter der Aktion stecke. Barth findet es gut, dass die Menschen sich jetzt im Schaufenster Sachen aussuchen und danach in den eigentlich geschlossenen Geschäften auch abholen können. Die Händler böten diesen zusätzlichen Service im Lockdown gerne an, um den Winter und das Frühjahr noch einigermaßen zu überstehen. Dazu verweist Barth auf die guten Hygiene-Konzepte, die erarbeitet worden waren, die aber das Schließen der Geschäfte nicht verhindert hätten.

Die Mitarbeiter sind teils sei vier Monaten zuhause

Von den neuerlichen Schließungen in der Corona-Krise seien auch die Mitarbeiter betroffen, die nun zum Teil schon vier Monate zu Hause seien. „Ich wünsche der Politik vor allem ein gutes Händchen zwischen der Hilfe für die Wirtschaft und der Gesundheit der Menschen“, sagt Barth.

Auch Petra Gast vom Glas- und Porzellangeschäft in der Kathreinerstraße stuft das Angebot als positiv ein. „Es kommen jetzt schon verstärkt Anrufe mit Bestellungen herein, mit Dingen, die im Schaufenster zu sehen waren“, berichtet sie. „Mit dem richtigen Geschäft ist das natürlich nicht zu vergleichen, es ist eher ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Darüber hinaus schätzt Gast aber auch, dass wieder mehr Kontakt mit den Kunden entsteht. Gast ist per Handy erreichbar, macht dann Termine aus, zu denen ihre Kunden die Waren abholen können. „Es sind auch wieder viele Stammkunden dabei, die mich glücklicherweise nicht im Stich lassen.“

Vor allem Stammkunden nutzen offenbar das Angebot in Bad Wörishofen

Waltraud Scharpf vom gleichnamigen Schuhgeschäft in der Kneippstraße sieht es ähnlich: „Es ist auf alle Fälle besser als nichts und die Leute trauen sich jetzt eher, sich zu melden“, berichtet sie. „Wir können Reparaturen besser annehmen und liefern gewünschte Sachen dann aus. Aber das Ausliefern machten wir auch schon davor.“ Dennoch betont sie die bestehende Unsicherheit, ist ebenfalls froh um die Stammkunden und dass wieder mehr Kontakt zu den Leuten bestehe. Hart getroffen wurde auch die Modebranche, die beklagt, dass ihre eingelagerte Ware ja nicht ohne Weiteres im nächsten Jahr verkauft werden könne. Für Jasna Steiner vom Modegeschäft Muzjak, jetzt in der Bürgermeister-Stöckle-Straße von Bad Wörishofen, ist „Click & Collect“ deshalb auf jeden Fall ein Fortschritt. „So geht wenigstens ein bisschen etwas. So drei bis vier Bestellungen gab es diese Woche schon“, berichtet sie. „Wir haben auch Hinweise in den Schaufenstern, die wir gerade neu gestalten und bereiten uns auf das Frühjahr vor. Für die Wintermode bieten wir eben Corona-Preise an.“

So geht es den Blumengeschäften in Bad Wörishofen

Nicht leicht haben es auch die Blumengeschäfte, wie Hermann Specht sagt. „Uns hat die Woche vor Weihnachten sehr weh getan, weil da besonders viel Nachfrage besteht. Es hat sich jetzt aber nicht so viel geändert, weil wir auf entsprechende Anrufe eben schon auch zuvor ausgeliefert haben. Natürlich ist das nicht so wie sonst, deshalb haben wir das Geschäft in der Bahnhofstraße geschlossen. Etwas abholen kann man jetzt nun allerdings in unserem Gärtnereibetrieb vom Wiesenweg aus.“

„Es ist auf alle Fälle besser als gar nichts“, betont auch Thomas Riedl vom Elektrogeschäft Riedl in der Hochstraße. Für ihn ist „Click & Collect“ aber etwas zu kurzfristig angelaufen, um definitiv etwas zu sagen. Dennoch gibt es auch bei ihm schon mehr Anrufe als zuvor. „Wir beraten dabei gründlich, nehmen Bestellungen telefonisch an, machen ein Zeitfenster aus, zu dem die Waren kontaktlos abgeholt werden können“, schildert er. Es seien meist kleinere Sachen des täglichen Bedarfs, die auf diese Weise verkauft würden. Größere Gegenstände habe man auch bisher schon ausgeliefert. Thomas Riedl betont, dass die Leute durch die vielen Änderungen jedoch auch etwas verunsichert und dass ihm gerade jetzt die Stammkunden sehr wichtig seien. Außerdem spricht er auch die Thematik mit den Fachabteilungen in den Supermärkten an. „Während wir geschlossen halten müssen, können dort die Waren, die wir auch anbieten, verkauft werden.“ Gerecht sei das nicht.

Spielwaren sind in Bad Wörishofen gefragt

Bärbel Schnegg betreibt schon seit vielen Jahren das beliebte Spielwarengeschäft bei der einstigen Löwenbrauerei. Sie ist von der neuen Möglichkeit sehr angetan. „Das wird bei uns bereits gut angenommen und ist schon eine große Hilfe“, berichtet sie. „Wir nehmen die Bestellungen über Homepage, E-Mail oder Telefon entgegen, richten die Sachen dann her und lassen sie täglich zwischen 10 und 13 Uhr am Geschäft abholen“, erläutert sie das Prozedere.

Ulrich Waibel sagt, er sei immer auf seiner Handynummer erreichbar. „Es ist zwar nicht der große Hit, aber wir sind ja froh um jeden Euro“, sagt er. In seinen großen Schaufenstern in der Kneippstraße können Kunden Geschenkartikel aussuchen, die dann kostenlos geliefert werden oder jetzt eben nach Rücksprache abgeholt werden können. Eine Beeinträchtigung sieht Waibel allerdings durch die 15-km-Regel. Auswärtige Kunden könne dies von einem Besuch in Bad Wörishofen abhalten, fürchtet Waibel. Die Regel gilt für Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200. Auch das Unterallgäu gehört derzeit dazu. Auch große Märkte und die Konkurrenz durch Internet-Anbieter machten es den Einzelhändlern und Fachgeschäften nicht leichter.

Fritz Barth stellt die Frage, wie es in den Stadtzentren wohl aussehen würde, wenn der Einzelhandel mehr und mehr zurückgeht. Tote Innenstädte wünsche sich eigentlich niemand, doch das einzige Mittel dagegen seien Kunden, die die Angebote auch wirklich wahrnehmen.

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