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Bad Wörishofen

19.07.2020

Historische Schätze auf Bad Wörishofens Friedhof bewahren

Werner Büchele zeigt auf dem Friedhof von Bad Wörishofen das historische Grabmal von Alfred Baumgarten.
Bild: Franz Issing

Plus Werner Büchele will die Zeugnisse der Kurstadt Bad Wörishofen erhalten. Davon gibt es auf dem Gottesacker der Kneippstadt reichlich – und Büchele hat schon einen konkreten Vorschlag.

Friedhofskultur im Umbruch. Die Lücken zwischen den Gräbern werden auch auf dem Gottesacker von Wörishofen größer. Die Gründe für diese Entwicklung liegen auf der Hand. Erdbestattungen werden immer seltener und Urnengräber liegen im Trend. Doch was passiert mit den alten, prunkvollen Ehren- und Familiengräbern, die Zeugnisse der Stadtgeschichte und Teil ihres kulturellen Erbes sind? Werner Büchele macht sich dafür stark, dass solch historische Ruhestätten für die Nachwelt erhalten bleiben. Er weiß auch, wie das funktionieren könnte.

Der frühere stellvertretende Kurdirektor erzählt bei Führungen nur zu gerne Geschichten, die sich um die historischen Grabdenkmäler ranken, die das Andenken an alteingesessene Familien und Persönlichkeiten ranken, die früher in Wörishofen gelebt und gewirkt haben. Schon anno 2011 hatte der frühere Stadtrat und Kirchenpfleger Martin Kistler angeregt, erhaltenswerte Grabsteine entlang der Friedhofsmauer aufzustellen. „Doch nichts ist passiert und sein Vorschlag scheint in Vergessenheit geraten zu sein“, sagt Büchele.

Es geht um die Ruhestätten bedeutender Personen von Bad Wörishofen

Büchele schlägt der Stadt vor, wie schon von mehr als 100 Heimatvereinen in Nordschwaben praktiziert, alle Ehrengräber fotografisch zu erfassen, sie zu katalogisieren und in einer Datei abzuspeichern. Im Rathaus sollte auch festgelegt werden, welche Ruhestätten bedeutender Personen, die sich um Wörishofen und Kneipp verdient gemacht haben, erhaltenswert sind. Büchele regt zudem an, besagte Datei auf der Homepage des städtischen Friedhofsamtes für jedermann einsehbar zu veröffentlichen. Vorstellen kann er sich aber auch, dass Absolventen der regionalen Fachhochschulen sein Kind „Kneipp und Begleiter“ im Rahmen eines Schulprojektes zum Laufen bringen. Würde es nach dem früheren Vizekurdirektor gehen, würden auf dem Friedhof Infotafeln aufgestellt, die Besucher in seine Geschichte einweihen und auch erzählen, wo einst der von Pfarrer Kneipp gestiftete Kreuzweg an der Friedhofsmauer verlief.

Eine prächtige Grabstelle erinnert an den Badearzt Wolfgang Scholz.
Bild: Franz Issing

Wie interessant die Geschichte und die Geschichten rund um den Friedhof von Bad Wörishofen sind, weiß Büchele ganz genau. Er hat auch durchaus Kurioses zu erzählen. Büchele weiß auch, dass das Gelände des anno 1895 eröffneten Gottesackers dem Kloster der Dominikanerinnen gehörte, die es an die Stadt mit der Maßgabe verkauften, dass den Schwestern für alle Zeiten die Grabgebühren erlassen werden und das Areal, in dem die Ordensfrauen beerdigt werden, Eigentum des Klosters bleibt. Bei privaten Rundgängen hat Büchele auch zwei Grabsteine entdeckt, die auf der Vorder- und Rückseite an verschiedene Verstorbene erinnern. „Die haben Leute, die nicht so betucht und froh waren, einen gebrauchten Gedenkstein zu ergattern, einfach umgedreht“, vermutet er.

Büchele kennt sie alle, die Ehrengräber namhafter Bürger und wichtiger Persönlichkeiten, die im Leben von Pfarrer Sebastian Kneipp und nach seinem Tod in Wörishofen eine Rolle gespielt haben. Zahlreiche frühere Promis sind auf dem städtischen Friedhof begraben. So auch Alfred Baumgarten, Kneipps ärztlicher Berater. Gleich in der Nähe auch die letzte Ruhestätte von Sanitätsrat Adolf Scholz, der 32 Jahre in Bad Wörishofen wirkte und einst Kneippianum, Kurpark-Sanatorium und Kinderasyl leitete. Nicht zu vergessen auch das Grab von Vera Waibel, der wortgewandten Dolmetscherin ,Propagandistin und treuen Begleiterin des „Wasserdoktors“. Natürlich findet sich auf dem Wörishofer Friedhof auch das Grab des Pfarrers Sebastian Kneipp. Nach diesem muss man allerdings nicht lange suchen, das Mausoleum steht im Zentrum der Anlage.

Kneipps Haus- und Hoffotograf hat in Bad Wörishofen seine letzte Ruhestätte

Wer einen Rundgang durch den Friedhof unternimmt, kommt nicht an der Ruhestätte von Fritz Grebmer vorbei, der als angestellter Haus- und Hoffotograf das Wirken des „Helfers der Menschheit“ stets ins rechte Licht rückte.

Das Grab von Fritz Grebmer.
Bild: Franz Issing

Und wer sich genauer umsieht, entdeckt auch die Grabstätten von Bonifaz Reile und Wörishofens Ehrenbürger Antanas Deksnys, den nach seinem Tod eine fromme Frau in seine Heimat überführen lassen wollte, sich aber vom Bischof der Exillitauer belehren lassen musste, der schon zu Lebzeiten wünschte, in Wörishofen beerdigt zu werden und gerne mit dem Spruch zitiert wird: „Mir ist es egal, wo ich auf die Auferstehung warte“. Schließlich hält ein Grabstein auch das Andenken an Ludwig Geromiller wach, der in der Historie des aufstrebenden Kurortes Wörishofen sich einen Namen machte. Er baute selbst ein Badehaus und wirkte maßgeblich an der Planung und am Bau des im Jahre 1891 eröffneten Sebastianeums mit. Die nach ihm benannte „Ludwig-Geromiller-Straße“ zeugt noch heute von seinen Leistungen für die Stadt. Verständlich, dass Werner Büchele bei der Wiederbelebung der Ehrengräber auf dem Wörishofer Friedhof dringenden Handlungsbedarf sieht. Mit Charles de Gaulle, dem früheren französischen Staatspräsidenten, der einmal sagte: „Die Kultur eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Toten umgeht“, geht er absolut einig.

Der Friedhof von Bad Wörishofen beschäftigt Bürger und Verantwortliche der Stadt regelmäßig - und er ist einen Besuch wert:

Auf Kneipps Spuren durch Bad Wörishofen

Diebe auf dem Bad Wörishofer Friedhof

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