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08.01.2018

Historischer Schmuck ist ihre Leidenschaft

Prunkvoll wirken die Arbeiten von Gerhild Dünker.
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Prunkvoll wirken die Arbeiten von Gerhild Dünker.
Bild: Manuela Frieß

Für die Mindelheimer Geschmeidemacherin Gerhild Dünker hat sich 2017 einiges verändert. Der nächste Höhepunkt naht bereits.

Ihren Schmuck konnte man im vergangenen Jahr in Medien in der ganzen Welt sehen – was die Mindelheimerin Gerhild Dünker zu Recht stolz macht –, und zwar auf den Bildern vom Besuch des japanischen Kronprinzen Naruhito auf Schloss Kronborg in Dänemark. Dort wurde der Kronprinz von den Schauspielern begrüßt, die Shakespeares Drama Hamlet aufführten, das auf diesem Schloss spielt – und diese Darsteller trugen die Kreationen der Mindelheimerin. Dünker hatte originalgetreuen Renaissanceschmuck nach historischen Vorbildern für die Hamlet-Produktion entworfen und gefertigt: lange Prunkketten, sogenannte Collanen, Ringe, Fächer und eine Krone.

Das vergangene Jahr hielt jedoch nicht nur den Auftrag des dänischen Nationalmuseums für sie bereit. Auch ihren Arbeitsplatz hat die 60-Jährige quasi verlegt. Mit der Eröffnung des Werkstattladens in der Maximilianstraße durfte die geschichtsbegeisterte Mindelheimerin ihren Tisch samt den Utensilien und dem fertigen Schmuck ebenfalls dorthin verlegen. „Zwischen den anderen Kunsthandwerkerinnen fühle ich mich richtig wohl“, gesteht sie. Und obwohl sie dort mehr Ruhe hat als bisher, kommen trotzdem immer wieder interessierte Kunden bei ihr vorbei und tauschen sich mit ihr über die ausgestellten Schmuckstücke und ihre Arbeit aus.

Ihr Traum zerplatzte

Historischer Schmuck ist ihre Leidenschaft

Schon seit frühester Kindheit bastelte Dünker mit Draht und Perlen. Deshalb stand für die Mindelheimerin von vornherein fest, dass es für sie nur einen Traumberuf geben könne: Goldschmiedin! Dieser zerplatzte jedoch wegen gesundheitlicher Probleme. Nach anderthalb Jahren auf der Fachschule in Kaufbeuren riet ihr der Arzt, sich einen anderen Beruf zu suchen. „Das Hämmern und Treiben hat mir eine solche massive Sehnenscheidenentzündung beschert, dass ich die Ausbildung nicht zu Ende machen konnte“, erzählt sie. Im gleichen Jahr begann dafür ihre Leidenschaft für historische Feste und den dazugehörigen Schmuck. Denn beim Frundsbergfest 1979 durfte sie eines der historischen Kleider tragen. Passend dazu fertigte sie sich ihren eigenen Schmuck. „Damals hatten die Darsteller entweder gar keine Ketten oder aber ganz unpassende Dinge um den Hals“, erinnert sie sich. Um die Probleme mit dem entzündeten Handgelenk zu umgehen, entwickelte sie ihre eigene Nähdrahttechnik, mit der sie fortan ihre Kreationen und Nachbildungen fertigte. Zwar arbeitete sie zunächst als kaufmännische Angestellte, aber 2005 machte sie sich dann als Geschmeidemacherin selbstständig. Die frühesten Vorbilder fand sie damals übrigens in einem Musterbuch für Stickmuster aus der Renaissance, das ihr in die Hände fiel. Über die Jahre hinweg hat sie jedoch ein enormes kunsthistorisches Wissen angesammelt und kann präzise erklären, wie eine Kette aus der Tudorzeit aussieht oder was es genau mit der Nürnberger Stückleinskette auf sich hat. Inspiration holt sich Dünker außerdem gerne in Museen, zum Beispiel in Stuttgart: Dort habe sie die Württemberger Staatskrone betrachtet und entdeckt, dass auch diese nicht, wie in Filmen oft dargestellt, geschmiedet, sondern ebenfalls mit einer Drahtnähtechnik gefertigt wurde. „Das hat mir enormen Auftrieb gegeben!“

Sie sucht sich immer wieder Vorbilder

Je nach Auftrag kann sie sich dank des Internets aber auch unglaublich viele Gemälde und Bilder aus dem Louvre oder dem Grünen Gewölbe ins eigene Wohnzimmer holen und so den Schmuck und die weiteren Kostbarkeiten der adligen Damen und hohen Herren studieren. Dabei ist ihr Lieblingsmaler Lucas Cranach der Ältere: „Wahrscheinlich auch, weil er wie viele andere in seiner Zeit zuerst eine Ausbildung zum Goldschmied gemacht hat, bevor er als Maler gearbeitet hat“, meint sie und schmunzelt.

Die Mindelheimer kennen Gerhild Dünker schon seit vielen Jahren als Geschmeidemacherin auf dem Frundsbergfest, doch auch bei anderen historischen Festen kommt ihr Schmuck zur Geltung. Die Landshuter Hochzeit ist solch ein Anlass oder aber die Luther-Hochzeit in Wittenberg. „Da bin ich auch als Handwerkerin auf dem Fest und habe schon einige der Ordensketten für die Darsteller des Adels dort gemacht.“

Trotzdem wird 2018 wieder ein Höhepunkt für sie: Frundsbergfest! Drei größere Aufträge für Mitwirkende sind schon in Arbeit. Denn schließlich sollen die Schmuckstücke nicht nur in die Zeit, sondern auch zum Stoff und zu Verzierungen passen.

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