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Buchtipp "Mordsgeschichten"

07.12.2020

Hochstapler beglückt Bad Wörishofer Hoteliers

Die illustre Gesellschaft in Wörishofen (im Bild sind Kurgäste aus den 1930er-Jahren) zog immer wieder Menschen an, die es weniger mit den Lehren von Sebastian Kneipp hielten. Nicht Wasserbäder hatten sie im Blick, sondern das Vermögen der betuchten Gäste.
Bild: Sammlung Czysz

„Doktor von Grund“ logierte gerne, ohne zu bezahlen. Zwei Knechte schlagen 1910 einen Kurgast nieder und müssen dafür ins Gefängnis. Diese und mehr spannende Geschichten gibt's jetzt in einem Buch.

Mit der Heillehre von Sebastian Kneipp zog eine illustre Gesellschaft ins dörflich geprägte Wörishofen ein: Adlige aus ganz Europa gaben sich die Klinke in die Hand, um sich mit den heilsamen Wechselbädern zu kurieren. Der Ort wuchs rasant. Das Geld der Gäste zog auch den einen oder anderen Kriminellen an. Einer von ihnen war ein gewisser Siegmund Grund, der um 1910 als Buch- und Kunsthändler in Hotels logierte. Seine wahre Profession war allerdings eine andere.

Siegmund Grund war ein Hochstapler. Und als solcher übernachtete er in Wörishofer Hotels, ohne am Ende dafür zu bezahlen. „Doktor von Grund“, wie er sich nannte, erfand windige Ausreden. Dann verduftete er und beglückte andere Hoteliers mit seiner Gegenwart. Dem Amtsgericht Türkheim wollte der Hochstapler weismachen, dass ihm jede betrügerische Absicht gefehlt habe. Das Gericht schenkte ihm aber keinen Glauben, sondern verurteilte ihn zu zwei Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von 200 Mark.

Eine russische Witwe wurde im Februar 1910 in Bad Wörishofen überfallen

Anderen Ärger gab es in Wörishofen im Februar 1910. Die russische Witwe eines Militäroberst namens Savorostschenko wurde nachts in Wörishofen überfallen und verletzt. Auch ihr Begleiter, der Dienstmann Berninger, trug Blessuren davon.

Drei Wochen später schnappte Wachtmeister Weppelmann die Täter. Die Mindelheimer Neuesten Nachrichten berichteten: „Die Rohlinge, welche kürzlich zur Nachtzeit zwei bejahrte Personen angriffen und verletzten, sind entdeckt worden. Am vergangenen Sonntag fand eine Konfrontation statt, und die Angegriffenen erkannten in den beiden Burschen sofort die Täter. Es sind dies zwei Knechte namens Albert Paul und Xaver Kraus. Beide leugnen, was ihnen aber nichts nützen wird. Alles Weitere wird die gerichtliche Verhandlung ergeben.“

Der Wörishofer Wasserdoktor Sebastian Kneipp hatte selbst einmal Ärger mit der Justiz: Ihm wurde Kurpfuscherei vorgeworfen.
Bild: Sammlung Czysz

Der Prozess fand dann im April statt. Nach den Ermittlungen des Gendarms waren die Knechte Albert Paul und Xaver Kraus, die beide in Wörishofen arbeiteten, betrunken nach Hause gewankt. Auf dem Weg trafen sie die Witwe und den Dienstmann, der die Seniorin sicher in ihre Unterkunft bringen sollte. Die Knechte, die ihren Übermut singend für jedermann hörbar machten, glaubten beim Vorbeigehen von der Witwe beleidigt worden zu sein. Also steuerten sie die feine Dame an. Doch die soll ihnen angeblich genauso wie ihr Dienstmann mit Gehstöcken den Weg gezeigt haben.

Die beiden Knechte wollten ihnen daraufhin die Stöcke abgenommen haben. So jedenfalls die Schilderung der Burschen. Tatsächlich fiel der Dienstmann bewusstlos zu Boden und die Witwe erlitt am Kopf mehrere stark blutende Wunden. Der Staatsanwalt beantragte für die Knechte Gefängnisstrafen von zwei Jahren und sechs Monaten sowie zwei Jahren und drei Monaten. Am Ende wurden Albert Paul und Xaver Kraus zu einer Gefängnisstrafe von je einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Mit einem Handwagen brachte ein Dieb Betten von Bad Wörishofen nach Türkheim

Ein anderer schräger Zeitgenosse hatte es im Januar 1909 auf das abgesehen, was Wörishofen Wohlstand brachte. Er schaffte etliche Betten der damals unbewohnten Park-Villa heimlich fort. Um sie zum Bahnhof Türkheim zu bringen, benutzte er einen Handwagen des Hotels Gary. Als „Passagiergut“ wurde die Beute auf die elektrische Lokalbahn verladen und dann nach Augsburg transportiert.

Wenige Tage später wurde bekannt, wer der Einbrecher war. Es handelte sich um Lorenz Häußler. Er bewohnte in Augsburg eine Privatwohnung, in der sich laut Zeitung „ein direktes Warenlager der verschiedenartigsten Sachen, die sämtliche von Diebstählen und Einbrüchen herrührten“, befand.

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