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Türkheim

26.06.2020

Hochwasserschutz: Über 200 Türkheimer Grundstücke betroffen

Die Wertach wurde Mitte des 19. Jahrhunderts begradigt und läuft wie ein Kanal durch die Landschaft. Nur Staustufen vermindern die Fließgeschwindigkeit. Für große Hochwasserereignisse braucht die Wertach aber Raum für Überschwemmungsgebiete.
Bild: Wilhelm Unfried

Plus Es geht um Überschwemmungsgebiete an der Wertach und um neue Festsetzungen des Landratsamtes und des Wasserwirtschaftsamtes betroffen. Was Grundeigentümer nun wissen müssen.

„Überschwemmungsgebiete sind in ihrer Funktion als Rückhalteflächen zu erhalten“, heißt es in einer Festsetzung des Landratsamtes in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt. Wie Bürgermeister Christian Kähler den Marktrat in der jüngsten Sitzung unterrichtete, gebe es im Ortsbereich insgesamt drei Bereiche und dabei seien immerhin 200 Grundstücke betroffen. Für die Eigentümer gelten nun Pflichten.

Ziel sei es, auch einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser gewappnet zu sein. Die Festsetzung habe für die Grundstücksbesitzer natürlich Folgen, denn um den schadlosen Hochwasserabfluss sicher zu stellen, kann die Kreisverwaltungsbehörde in einem Überschwemmungsgebiet gegenüber dem Eigentümer anordnen, Hindernisse zu beseitigen, Eintiefungen aufzufüllen, Maßnahmen zur Verhütung von Auflandungen zu treffen und die Grundstücke so zu bewirtschaften, dass ein Aufstau möglichst vermieden werden kann.“

Weiter Rückblick in die Geschichte der Wertach bei Türkheim

Und um dies alles zu verstehen, blickt das Wasserwirtschaftsamt weit zurück. Die Wertach sei bis in das 19. Jahrhundert ein naturbelassener Fluss gewesen, der von großem Feststofftransport und einem voralpinen Abflusscharakter geprägt gewesen sei. Im Unterallgäu habe sich das Gewässer in eine Vielzahl von Rinnen zergliedert, die bei jedem Hochwasser ihre Gestalt geändert hätten.


An vielen Stellen ist die Wertach heute aufgestaut. Keine Spur mehr von dem einst naturbelassenen Flussraum.
Bild: Wilhelm Unfried

Mit der Wassergesetzgebung im Jahre 1852 seien die Voraussetzungen für eine systematische Korrektion des Flusses geschaffen worden. Sämtliche bayerische Flüsse, die der Schiff- und Floßfahrt dienten, wurden zu „öffentlichen Flüssen“ erklärt. Die Finanzierung der durchgeführten Korrektion übernahm der Staat. Die Wertach wurde von der Mündung in den Lech bis zum Flusskilometer 61,7 zum öffentlichen Fluss aufgestuft und kanalartig ausgebaut. Aufgrund der Flussbegradigung habe sich die Wertach immer tiefer eingegraben. Um der fortschreitenden Sohlenerosion entgegen zu wirken, seien im 20. Jahrhundert dann massive Querbauwerke errichtet worden. Heute sei die Wertach im Unterallgäu durch eine Vielzahl an Wasserkraftwerken geprägt. Überschwemmungsgebiete gebe es auf Türkheimer Flur derer drei: Einmal bei der Kläranlage Türkheim im Norden, in Höhe der Firma Salamander und weiter südlich bei Irsingen.

Müssen Betroffene in Türkheim per Brief informiert werden - oder nicht?

Kähler wies nochmals darauf hin, dass die Gemeinde kein Mitspracherecht habe. Zweiter Bürgermeister Franz Haugg wollte wissen, wie die betroffenen Grundstückseigentümer zu den notwendigen Informationen kommen. Es seien doch nicht unerhebliche Eingriffe. Kähler antwortete, die Benachrichtigung erfolge auf den üblichen Wegen, also Aushang, Medien und Rathaus. Haugg meinte, eigentlich hätte man die Betroffenen anschreiben müssen, worauf der Bürgermeister antwortete, eine öffentliche Beteiligung sei nicht vorgesehen.

Es geht um die Rechtsfolgen der Entscheidung für Türkheimer Grundstückseigner

Dritte Bürgermeisterin Gudrun Kissinger-Schneider (Grüne) meinte, dass man sich schon um die Eigentümer kümmern müsse. Es gehe auch um die Rechtsfolgen dieser Festsetzung. Ähnlich äußerte sich auch Michaela Vaitl-Scherer. Es gehe um einen Berg von Fragen, wie etwa um jene, was bei einem Schadensfall passiere, um Versicherungsfragen und die Beseitigung der Schäden, wie anfallender Schlamm oder eventuelle Schadstoffe. Über Entschädigungen konnte der Bürgermeister nichts sagen. Aber die Gemeinde werde betroffene Grundstücksbesitzer sicher nicht im Regen stehen lassen und im Rahmen der Möglichkeiten, wie zum Beispiel mit der Feuerwehr helfen.

Das Gebiet um die Kläranlage Türkheim ist ein angedachtes Überschwemmungsgebiet auf Türkheimer Flur.
Bild: Wilhelm Unfried

Die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten dient laut Erlass dem Erhalt von Rückhalteflächen, der Bildung von Risikobewusstsein und der Gefahrenabwehr. Damit sollen insbesondere ein schadloser Hochwasserabfluss sicher gestellt werden, Gefahren deutlich gemacht werden sowie freie, unbebaute Flächen als Retentionsraum geschützt und erhalten werden. Ein weiteres Ziel ist es, in bebauten und beplanten Gebieten Schäden durch Hochwasser zu verringern oder zu vermeiden.

Der Hochwasserschutz und seine Folgen sind nicht das einzige heiße Thema in Türkheim, in dem die Wertach eine wichtige Rolle spielt:

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