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Bad Wörishofen

25.05.2020

Hochzeit in Corona-Zeiten: Mit Mundschutz zum Ja-Wort in Bad Wörishofen

Vereint hinter Mundschutz: Die Hochzeitsgesellschaft im Rathaus von Bad Wörishofen ist in Corona-Zeiten gezwungenermaßen klein. Die Regeln zum Infektionsschutz gelten auch dort.

Plus Heiraten in der Corona-Pandemie – das bringt ungeahnte Hürden und Herausforderungen mit sich. Ein junges Paar aus Bad Wörishofen hat sich davon nicht schrecken lassen.

Keine Feiern erlaubt, keine Partys, bis vor ein paar Tagen auch keine Gottesdienste mit Besuchern: Wer in diesen Corona-Wochen heiraten wollte, hatte plötzlich ein ziemlich großes Problem. Absagen waren die Folge. In Bad Wörishofen hat aber mindestens in einem Fall die Liebe über Corona gesiegt. „Wir wollten uns diesen Tag mit unserem ausgewählten Datum nicht durch Corona nehmen lassen“, sagt Sebastian Rindle, seit Samstag glücklich verheiratet mit Rebecca Rindle-Parthum. Für dieses Ja-Wort musste das Paar aber so Einiges auf sich nehmen – und so manche Hürde meistern, bis zuletzt.

Geplant war eigentlich eine Hochzeitsfeier, bei der es an nichts fehlen sollte. „Insgesamt sollten es etwa 60 Gäste sein“, sagt Rindle. Nun waren es Brautpaar, Trauzeugen und Kinder, die gemeinsam vor den Standesbeamten traten. Denn die Corona-Vorschriften halten auch so manchen Fallstrick für die Gästeliste bereit. Seit dem vergangenen Herbst planten die nun frisch Verheirateten ihren großen Tag. Und plötzlich war alles anders. „Es sollte eigentlich eine Hochzeitsparty nach der standesamtlichen Trauung im Kneipp Museum Bad Wörishofen geben“, sagt der 31-jährige Rindle. Durch den Feiertag zwei Tage vor der Trauung sollten die Vorbereitungen ohne Hektik möglich sein. Sogar für das an diesem Tag geplante DFB-Pokal-Finale sollte extra ein Fernseher aufgestellt werden, aber nur, falls der FC Bayern das Finale erreicht hätte. „Dies war der Wunsch des Bräutigams“, sagt Rebecca Rindle-Parthum mit einem Schmunzeln.

Die Einladungen wurden schon Weihnachten 2019 verschickt

Schon an Weihnachten 2019 hatte das Paar die Einladungen an alle Gäste verschickt, selbst gestaltet, mit Liebe fürs Detail. Das Kneipp Museum war reserviert, das Hochzeitsmahl ausgewählt, der Fotograf gebucht und die Musik bestellt. Der DJ wusste, was gewünscht ist, die Deko war besorgt, die Hochzeitstorte gestaltet. Das Paar buchte Zimmer für weit anreisende Gäste, es konnte losgehen. Doch stattdessen ging nichts mehr.

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„Nach jetzigem Stand dürfen ins Standesamt Bad Wörishofen zehn Personen und der Standesbeamte“, sagt Rindle. Das stellte das Paar vor ungeahnte Schwierigkeiten. „Wenn wir unsere beiden Kinder und unsere Trauzeugen dabei haben wollen, ist nicht mehr genug Platz für den Rest der Familie“, sagt Rindle. Eine Lösung musste her, möglichst eine, die bei allen auf Verständnis stößt. „Wir wollten aber auch nicht die Entscheidung treffen, den einen Teil der Familie mit ins Standesamt zu nehmen und den anderen nicht, denn vier freie Plätze wären ja noch da“, sagt Rindle. „So haben wir beschlossen, mit der Familie später an diesem Tag eine kleine Feier im engsten Familienkreis zu machen.“ Für das Paar ist klar: „Man muss irgendwie das Beste draus machen.“

Die Verwandten der Wörishofer hatten großes Verständnis

Dankbar sind die Eheleute dafür, dass die Entscheidungen in der Verwandtschaft auf großes Verständnis stießen.

Auch andere Paare wollen diesen wichtigen Schritt in Bad Wörishofen im Mai noch gehen. Fünf Trauungen werde es insgesamt geben, teilt das Rathaus mit. Drei vereinbarte Trauungen finden aber nicht statt. Bei der Familie Rindle-Parthum soll es irgendwann noch eine große Feier geben. Also umbuchen; DJ, Zimmer, eben alles, was man eigentlich schon hatte. Und hoffen, dass es mit Corona irgendwann ein Ende hat.

Wer in Corona-Zeiten heiratet, hat aber noch andere Herausforderungen zu bewältigen. „Wir wissen noch nicht, ob wir da tatsächlich mit Mundschutz sitzen müssen“, sagte Rindle noch wenige Tage vor der Trauung.

Auch das Thema Trauringe sorgte noch für ungewollte Spannung. Schließlich mussten auch die Juweliere schließen. Ohne Trauringe, das geht natürlich nicht. Und so fand das junge Paar auch hierfür eine Lösung. Mit der Lieferung wurde es zeitlich allerdings knapp. Drei Tage vor der Trauung machte sich leichte Nervosität bemerkbar.

Für den wichtigsten Teil der Zeremonie darf der Mundschutz fallen

Als das Paar am Samstag vor dem Standesbeamten stand, war aber alles da: Trauzeugen, Trauringe – und auch der Mundschutz. Vorschrift. Für den Gang durchs Rathaus musste ihn jeder tragen. Für den offiziellen Teil mit Ansprache und Eheversprechen durfte die kleine Hochzeitsgesellschaft die bunten Stoffe aber ablegen. Deshalb gibt es zur Freude des Paares nun auch Fotos von der Trauungszeremonie, auf denen das Brautpaar auch zu erkennen ist.

Gelohnt hat sich auf jeden Fall, dass Braut Rebecca schon frühzeitig dafür gesorgt hatte, dass das Wunsch-Hochzeitskleid im Schrank hängt. „Sie hat es schon seit Januar“, sagt Sebastian Rindle. Das hätte sonst noch ein richtiges Problem werden können. Denn der Bräutigam, der trotz mehrfacher Erinnerung der Gattin bei der Bekleidungswahl weniger flott war, konnte seinen Hochzeitsanzug am Ende nur noch online bestellen. Aber auch das hat geklappt. Echte Liebe meistert eben jede Hürde.


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