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Kabarett

27.09.2013

Höherer Blödsinn im Braustadel

Der „Unlustknabe“ im Rampenlicht: Bei Mistcapala geht es zwischendurch auch freizügig zu.
Bild: Reinhard Stegen

Das Quartett Mistcapala fordert das Publikum gleich auf mehrere Weisen

Rammingen Der Kabarett-Tempel im Ramminger Braustadel bot diesmal die Kulisse für den Auftritt von Mistcapala. Der Begriff steht althochdeutsch für Mistgabel – und seit mehr als zehn Jahren auch für eine vierköpfige Boygroup mit eher altmodischen Instrumenten wie Kontrabass, Akkordeon, Bassmandoline, Drehleier, Harfe und Dudelsack.

Ursprünglich ein Folkensemble auf Mittelalter-Trip, entdeckte das Quartett bald auch seine komödiantischen Seiten und strickte aus überwiegend selbst komponierten Stücken und den sie verbindenden Einlagen ein ziemlich eigenwilliges Gesamtkunstwerk. Die Palette reicht von schlicht erheiternd, hintersinnig, abwegig bis leicht provokant, dabei springen die Landsberger Armin Federl, Vitus Fichtl, Tom Hake und Tobias Klug scheinbar beiläufig und zufällig von einer Anekdote zur nächsten – und immer wieder nach Landsberg.

Dort lebten nach der Umfrage einer Illustrierten die glücklichsten Menschen in Deutschland. „Was aber ist Glück“, fragt das Quartett und antwortet, frei nach Gottfried Benn: „Dumm sein und Arbeit haben“.

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Im Programm ging es weiter nach Dinkelsbühl zu Frau von Basedow, deren Schoßhündchen Pepita auf einer Hundeschau – Ironie des Schicksals – einem Kampfhund zum Opfer fiel. Ein Rentner steht In einem anderen Sketch im Mittelpunkt und die ihn plagenden musikalischen Etüden seiner Mitbewohner im Haus. „30 Jahre dasselbe Stück“, jammert er. Schräg ist die Assoziation zur Amputationsklinik nach dem Peter-Maffay-Titel „Wenn du gehst, geht nur ein Teil von dir“.

Bei ihren Gedankensprüngen schaffen es Mistcapala nach kurzer Anlaufzeit, das Publikum mitzunehmen, Kurs: „höherer Blödsinn“. Dabei hilft ihnen etwa der Bayerische Rundfunk, den sie tief überzeugend ankündigen, der an diesem Abend aber natürlich nicht kommt. Stattdessen stimmen sie das Publikum, wie bei solchen „Live-Sendungen“ üblich, schon mal auf das punktgenaue Applaudieren und „spontane“ Zwischenrufe ein.

Irgendwann taucht Tom Hake im grauen Arbeitskittel als Hausmeister auf, der einfach nur heim will, absperren, den Strom ausschalten. Der fällt dann auch tatsächlich einmal aus, gerade als Tom sich nach Besuch der Lack- und Lederabteilung als „Unlustknabe“ auf der Bühne präsentiert. Das Programm endet, wie zu erwarten war: Das Publikum will nicht mehr gehen und fordert eine Zugabe nach der nächsten. (stn)

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