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29.01.2009

Hoffnungsvoller Neustart für Grob Aerospace

Mattsies Nicht gerade hoffnungsvoll war die Stimmung gestern auf dem Grob-Flugplatz: Produktionsanlagen und die Landebahn lagen im Januar-Nebel. Der Tower war verwaist. Und plötzlich gingen im Verwaltungsgebäude in der obersten Etage symbolisch Lichter an: Finanz-Staatssekretär Franz Pschierer, Landrat Hans-Joachim Weirather sowie der neue Besitzer waren gekommen, um mitzuteilen, dass der Flugzeugbau im Unterallgäu unter dem Schild einer neuen Aktiengesellschaft eine Zukunft hat.

Die Zukunft sieht nach Worten von Direktor Johann Heitzmann von der H3 Aerospace aus München vor, Grob Aerospace AG auf ein breiteres Fundament zu stellen:

l Einmal soll das Geschäft mit den Trainingsflugzeugen nicht nur weiter geführt, sondern entwickelt werden. Schließlich, so Heitzmann, sei Grob hier Weltmarktführer.

l Hinzu komme die Entwicklung von leichten Transport- und Verbindungsflugzeugen (Utilitiy Aircrafts). Johann Heitzmann, der von der EADS kommt und beste Verbindungen hat: "Dieser Markt ist im Kommen." Heitzmann verweist auf die weiten Transportwege in den USA und in der Dritten Welt.

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l Und schließlich wolle man in Mattsies auch einen Reparaturbetrieb für Flugzeuge einrichten. Deshalb würden in Mattsies in Zukunft auch Flugzeuge aus "Blech" und nicht nur aus Glasfaser zu finden sein.

l Weiter soll in Mattsies auch ein Center für Ingenieursdienstleistungen entstehen.

Zunächst würde der Betrieb am 1. Februar mit 100 der bisher 350 Beschäftigten wieder aufgenommen. "Es wird aber zwei Monate brauchen, bevor hier wieder alles rund läuft", meinte der neue Eigentümer.

Grob Aerospace hatte, wie berichtet, im vergangenen Sommer nach Rückzug eines irischen Finanzinvestors Insolvenz anmelden müssen. Mit ein Grund für das Ausscheiden war, dass sich die Entwicklung des Business-Jet SPn in die Länge gezogen hatte. Obwohl mit Rechtsanwalt Dr. Michael Jaffé ein versierter Insolvenzverwalter gefunden wurde, war die Abwicklung aufgrund der komplizierten Eigentumsrechte und Insolvenzenverfahren in Deutschland und der Schweiz nicht einfach.

Deshalb verzögerte sich die Übernahme. "Wir hatten zum 31. Dezember alle Verträge und die Finanzierung unter Dach", sagte Finanz-Staatssekretär Franz Pschierer, der zur Rettung der Arbeitsplätze die Landesbank für Aufbau (LfA) und die Sparkasse Memmingen-Lindau-Mindelheim mit ins Boot geholt hatte. Pschierer verwies auf die Bündelung von Flugzeug-Know-How in Schwaben. Und Grob passe gut dazu.

Landrat Hans-Joachim Weirather zeigte sich ebenfalls erleichtert. "Das vorgelegte Geschäftsmodell überzeugt mich", sagte der Landrat. Er freue sich weiter, dass nun zumindest ein Teil der Arbeitsplätze, der Name Grob und die Technologie im Landkreis erhalten werden konnte.

Und mit Blick darauf, dass auch eine "chinesische" Lösung möglich gewesen wäre, meinte der Landrat: "Da backen wir lieber kleinere Brötchen." Auch Bürgermeister Johannes Ruf (Tussenhausen) war erleichtert: "Mich hat dieses Thema gleich zum Amtsantritt in Atem gehalten. Und ich habe mir ernste Sorgen um die Familien der Mitarbeiter gemacht". Er bot dem Unternehmen eine gute Zusammenarbeit an.

Direktor Johann Heitzmann kündigte an, dass man in den kommenden zwei Jahren sechs bis acht Millionen Euro in die Firma investieren werde, um weitere Produkte im Flugzeugbau zu entwickeln. Derzeit verfüge Grob über drei Baureihen von Trainingsflugzeugen, eine vierte Baureihe habe bereits erste Flugerprobungen bestanden. Auch diese Baureihe solle zum Erfolg des neuen Unternehmens führen.

Unterschwellig ließ er anklingen, dass Grob im großen Konzert der Flugzeugbauer und Kunden etwas isoliert operiert habe. Dies soll sich nun ändern. Man werde auch großen Wert darauf legen, dass die Forschung in die Produktion mündet.

Den Weg für das neue Konzept hatte eine Gläubigerversammlung freigemacht, wie der Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé erklärte.

"Vor allem die komplexe Rechte-inhaberschaft sowie die Pfandsicherung für die, für die Fortführung des Betriebes notwendigen Vermögensgegenstände hätten eine Fülle von Fragen aufgeworfen. Jaffé zeigte sich in einer Erklärung überzeugt, dass man die beste Lösung für die Gläubiger und für die Zukunftssicherung des Standortes gefunden habe.

Es gebe sogar gute Perspektiven für die Schaffung weiterer Arbeitsplätze.Anscheinend wurde die Zukunft des Business-Jets SPn aus dem Deal herausgenommen, weil sich hier die Urheberrechte als besonders schwierig erwiesen. Hier habe man es, so Heitzmann, mit deutschem und Schweizer Insolvenzrecht zu tun.

Deshalb werde der SPn Business Jet von einem Hauptgläubiger von Grob Aerospace GmbH übernommen, der es zusammen mit anderen Investoren, so Jaffé, zum erfolgreichen Abschluss bringen will. Diese Entwicklung könne auch im Unterallgäu angesiedelt und fortgeführt werden.

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