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Tourismus

23.05.2019

Hotelier vermisst die Wertschätzung

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Wer in einem schönen Hotel die Seele baumeln lassen kann, der kann seinen Urlaub genießen. Hinter den Kulissen sorgen unzählige fleißige Hände dafür, dass es den Gästen an nichts fehlt. Diese Leistungen werden von manchen Gästen nicht entsprechend gewürdigt, sagt Hotelsprecher Hubertus Holzbock.
Bild: Oliver Berg/dpa, heb

Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel macht Hubertus Holzbock vom Hotel- und Gaststättenverband Sorgen. Die Krise in der Gastronomie könnten die Kunden bald auch am eigenen Geldbeutel zu spüren bekommen

Hubertus Holzbock macht sich Sorgen um seinen Berufsstand – nicht nur als Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes im Unterallgäu sowie Fachbeirat für Hotellerie und Bäderwesen auf bayerischer Ebene des Verbandes, sondern auch als selbstständiger Hotelier und Chef des „Fontenay“. In der Region ist der Wörishofer fraglos einer der kompetentesten Fachleute im Gastronomiewesen.

Sein wichtigstes Anliegen ist der Nachwuchsmangel: „Die Gastronomie und Hotellerie sind hochinteressante und wertvolle Berufszweige. Gerade für junge Leute besteht die Möglichkeit, die Welt kennenzulernen und Kontakt zu Leuten zu erhalten, die man sonst nur im Urlaub trifft. Das muss nicht einmal nur die Tätigkeit auf einem Kreuzfahrtschiff als besonderes Highlight sein“, so der Hotelier.

Natürlich sieht auch Holzbock die Probleme, die derzeit das Berufsbild und der Fachkräftemangel in der Branche aufwerfen. Zu spüren bekommen dies ja auch die Gaststätten. Zuletzt suchte der Gasthof Rössle nach Ersatz für drei Servicekräften, die sich fast gleichzeitig über eine Schwangerschaft freuen. Doch die Resonanz auf das Job-Angebot war eher gering, wie Franziska Wendorf bestätigte: „Wir haben zwar drei Anfragen bekommen, haben aber durchaus mehr erwartet.“

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Den Hauptgrund dafür sieht Holzbock jedoch wesentlich differenzierter: „Der Fachkräftemangel hängt aus meiner Sicht doch auch damit zusammen, dass die Berufe in unserer Branche lange Zeit schlecht geredet wurden. Da nehme ich auch die Berufsberatungsstellen und die Arbeitsagenturen nicht aus. Auch bei ihnen standen diese Berufe in der Gastronomie nicht immer auf der Empfehlungsliste.“

Dass die Abbrecherquote im Gastrobereich ebenfalls recht hoch sei, lässt Holzbock nicht unwidersprochen. „Das stimmt zwar schon, aber dabei muss man berücksichtigen, dass dies auch in anderen Berufen ähnlich ist. Und doch wird bei diesem Thema meistens die Gastronomie zitiert“, so seine Einschätzung. Einen weiteren Grund, warum doch viele „hinschmeißen“, sieht Holzbock auch in der Ungeduld vieler Gäste, die es den Servicekräften oft nicht leicht machten, ihren Beruf so auszuüben, wie sie es gerne möchten. Er vermisst die Wertschätzung gegenüber seinem Berufsstand, die im Ausland deutlich höher sei.

Probleme bereiteten der Branche jedoch auch die überbordende Bürokratie und die Arbeitsschutzgesetze, die die Arbeitszeiten oft so festlegen, dass Schwierigkeiten bei der Umsetzung unausweichlich seien. Auch bei der Bezahlung sieht Holzbock oft eine falsche Darstellung: „Bei dem akuten Arbeitskräftemangel bekommt man heute allein mit dem Mindestlohn ohnehin keine Mitarbeiter mehr“, versucht er, dieses Bild zurechtzurücken.

Einen Schülerrückgang und Nachwuchssorgen sieht Holzbock auch im Hotelfach. In Garmisch wurde zuletzt eine Hotelfachschule mangels Bewerbern sogar geschlossen und auch bei der Hotelfachschule in Bad Wörishofen sind die Zahlen rückläufig. Schulleiter Storch bestätigte: „Wir sind von zwei Klassen nun auf eine zurückgegangen, aber diesen Rückgang gibt es ja in vielen anderen Bereichen auch. Allerdings sind die jetzigen Schüler qualitativ sehr hochwertig, weil es genau die sind, die wirklich in diese Berufe wollen. Auch ist die Abbrecherquote deshalb entsprechend gering.“

Dennoch hält Holzbock die Berufe in dieser Branche für erstrebenswert: „Es lohnt sich auf alle Fälle im Gastronomiebereich tätig zu sein“, so sein Appell, „Wir verkaufen Dienstleistung, Atmosphäre und Stimmung und schätzen den Umgang mit Menschen. Allerdings müssen unsere Mitarbeiter dann auch entsprechend bezahlt werden.“

Deshalb wirbt Holzbock um Verständnis, wenn es künftig wohl dahin kommen dürfte, dass zu Spitzenzeiten wie an Festtagen oder anderen besonderen Anlässen, die Preise für die Gäste angehoben werden müssten. Dieser Vorschlag sei bei der jüngsten Versammlung des BGH, an der der Hotelier teilnahm, auf offene Ohren gestoßen. In anderen Branchen müsse man inzwischen an Wochenenden ebenfalls schon Zuschläge bezahlen.

Für die Kneippstadt Bad Wörishofen spielt das Hotelwesen natürlich ebenfalls eine große Rolle. Deshalb hat Hubertus Holzbock auch dazu und speziell zur Kneippkur eine Meinung. Dabei bedauert er besonders den Rückgang bei den offenen Badekuren und erläutert dies genau: „Damals wurden Anwendungen, Arztkosten, Kurtaxe bezahlt und es gab für das Quartier einen Zuschuss von 25 D-Mark. Allerdings ging die Zeit vom Urlaub weg“.

Danach habe Gesundheitsminister Ehrenberg die Stationäre Badekur eingeführt, so Holzbock. Diese konnte vier Wochen gemacht werden und wurde nicht auf den Urlaub angerechnet. Dazu gab es elf D-Mark täglich als Eigenanteil. Die Kurorte boomten danach natürlich, erinnert sich der Hotelier, und es kam der bekannte Satz von „Morgens Fango, abends Tango“ auf. Als dies überhand nahm, wurde das Kurwesen unter Seehofer rigoros eingeschränkt, obwohl gerade die Kneippkur zur Prävention ideal wäre, um Krankheiten vorzubeugen.“

Heute seien die Kassen so sehr dagegen, dass man schon hartnäckig sein müsse, um eine Kur bewilligt zu bekommen. So sei es verständlich, dass der Rückgang im Kurwesen die Kurorte und damit auch Bad Wörishofen mit voller Wucht getroffen habe, so Holzbock.

Den Abstieg in der Kneippstadt sieht Holzbock allerdings zusätzlich noch darin, dass sich bei Hotels mit 30 Betten ein Umbau kaum gelohnt hätte und dass auch bei vielen Häusern der Nachwuchs kein Interesse daran gehabt hätte. Zusätzlich habe die Stadt, so Holzbock, durch den Rückgang zu sehr auf die Therme als Alternative gesetzt, statt mit den hohen Kosten, die dafür aufgewendet wurden, die Kneippkur intensiver zu bewerben.

Doch trotz aller Probleme und der augenzwinkernden Aussage, dass „Hotelbetrieb in Wörishofen schon fast ein teures Hobby sei“, spürt man bei Hubertus Holzbock, dass er für diesen Berufszweig nach wie vor brennt und er sich dafür einsetzt. Wie er erzählt, war für ihn schon als kleiner Bub in Dillingen, wo er zu Hause war und früh mit Kneipp in Berührung kam, klar, dass er einmal Hotelier werden würde.

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