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Apfeltrach

11.05.2019

Hubert Eisenschmid ist der Immer-Hilfsbereite

Hubert Eisenschmid aus Apfeltrach hilft in seinem Heimatdorf, wo er nur kann.
2 Bilder
Hubert Eisenschmid aus Apfeltrach hilft in seinem Heimatdorf, wo er nur kann.
Bild: Johann Stoll

Hubert Eisenschmid wollte eigentlich gar nicht in den Gemeinderat, hat sich aber überzeugen lassen. Heute sieht er, wie viel Gutes dort bewirkt werden kann.

Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wer aber sind diese Menschen, die sich für ihren Ort selbstlos einsetzen und jede Menge Freizeit für andere opfern? Die Mindelheimer Zeitung stellt in einer losen Reihe solche Vorbilder vor.

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Für Politik hat er sich nie sonderlich interessiert. Und dann meldete sie sich plötzlich. Die Bürgermeisterin war am Telefon. Karin Schmalholz fragte vor sechs Jahren, ob er sich vorstellen könne, für den Gemeinderat zu kandidieren. Die Antwort war kurz und eindeutig: Nein, kann er nicht. Damit hätte die Geschichte für Apfeltrach und Hubert Eisenschmid zu Ende sein können. War sie aber nicht. Denn Karin Schmalholz hatte noch eine Idee. Es wäre doch schön, wenn er zumindest zur Nominierungsversammlung vorbeischauen würde. Da müsste jemand Protokoll führen.

Hubert Eisenschmid fuhr bei der Wahl in Apfeltrach das zweitbeste Ergebnis ein

Darauf ließ sich der Familienvater ein. Und da hat er miterlebt, was für ein zähes Geschäft es doch sein kann, mindestens sechs Apfeltracher, zwei Köngetrieder und einen Saulengrainer zu finden, die bereit sind, für sechs Jahre ehrenamtlich im Gemeinderat mitzuarbeiten. Eisenschmid hat sich noch an dem Abend überreden lassen, seinen Namen auf die Liste setzen zu lassen. Er dachte ohnehin nicht, dass er gewählt wird. Er stammt schließlich aus Hausen und hat erst nach Apfeltrach geheiratet. Auch war er zehn Jahre lang für die Firma Grob auf Montage in Europa. Besonders gut hat es ihm in Schweden gefallen.

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Die Wahl ging dann aber anders aus, als Hubert Eisenschmid sich das vorstellen konnte. Er fuhr das zweitbeste Ergebnis ein. Von der Feuerwehr her kannten ihn wohl schon einige und wussten, auf ihn kann man sich verlassen. Und beim Krieger- und Soldatenverein ist er Zweiter Vorsitzender. Gut bekannt im 600 Seelen-Ort Apfeltrach war natürlich seine Frau Monika. Die Gemeinde selbst hat 930 Einwohner.

Die ersten fünf Jahre hat Hubert Eisenschmid nun im Gemeinderat gemeistert und er möchte die Erfahrung nicht mehr missen. Seniorenbeauftragter ist er schon bald geworden und hat über dieses Amt viele Ältere im Ort näher kennen- und schätzengelernt. Zu jedem Geburtstag schaut er gemeinsam mit der Bürgermeisterin bei den 70-Jährigen und älteren vorbei. Da kann er dann aus erster Hand hören, dass die allermeisten Apfeltracher mit ihrem Leben zufrieden sind.

Mit seiner Kamera dokumentiert Hubert Eisenschmid, wie sich Apfeltrach verändert

Eisenschmid weiß aber auch: Dass es in Apfeltrach ein Kochen mit Senioren gibt, oder Vorträge über Patientenverfügung, Gefahren im Straßenverkehr oder über Trickdiebstahl, hat auch mit drei Damen zu tun, die sich seit vielen Jahren für die Älteren einsetzen. „Die machen das wirklich gut“, lobt der 49-Jährige. Auch ein Ausflug an den Bodensee ist geplant.

Er selbst informiert sich auf Landkreisebene, was andere Gemeinden für Senioren bieten. Diese Treffen organisiert das Landratsamt viermal im Jahr. Er ist an allen guten Ideen interessiert, die für Apfeltrach übernommen werden können.

Auf seiner ersten Bürgerversammlung war der Wunsch aufgekommen, Fotos über das Dorfgeschehen zu zeigen. So etwas gab es bisher nur aus Saulengrain und Köngetried. Also hatte Hubert Eisenschmid eine neue Aufgabe. Seither dokumentiert er mit seiner Kamera alles, was sich im Dorf verändert.

Für die Kinder schlüpfte der Apfeltracher in die Rolle des Nikolauses

Dass er sich heute in Apfeltrach so wohlfühlt, hat viel mit dem guten Miteinander im Dorf zu tun. Das Straßenfest einmal im Jahr leistet dazu auch einen guten Beitrag. So etwas fördert den Zusammenhalt. Als vorigen Dezember allen Kindern in Apfeltrach gedroht hat, der Nikolauseinzug der Feuerwehr könnte ausfallen, weil der bisherige nicht mehr weitergemacht hat, ist Hubert Eisenschmid eben auch noch zum Heiligen Mann auf Zeit geworden. Eigentlich hat er schon genug zu tun, auch im Beruf bei der Mindelheimer Firma Grob, aber den Kindern zuliebe machte der zweifache Familienvater dann doch wieder eine Ausnahme. Und doch betont er im Gespräch wiederholt, dass andere im Ort mindestens genauso viel tun, wenn nicht sogar mehr.

Vor Kurzem ist Eisenschmid zum 66-Club gestoßen. Das hat ihm dann so gut gefallen, dass er gleich 19. Mitglied geworden ist. Zweimal im Monat kartelt er nun im Vereinsheim. Die Mitgliedschaft ist übrigens kostenlos. Nur wer nicht kommt, zahlt fünf Euro Strafgebühr.

Einen großen Ausgleich pflegt der Endvierziger schon seit Jahrzehnten: Er spielt Fußball. In Unterrieden ist er seit 40 Jahren Vereinsmitglied. Dort steht er immer noch als Rekordtorschütze in der Vereinschronik.

Vor zehn Jahren hat er seine aktive Zeit beendet. Jetzt spielt er bei den alten Herren in Dirlewang. Jeden Freitagabend schnürt er die Fußballschuhe. „Das ist mein Ausgleich zum Bürojob“.

Weitere Teile unserer Ehrenamts-Serie finden Sie hier:

Wie sich Franz Beggel für Tussenhausen einsetzt

Warum Armin Müller in Unterrieden unersetzlich ist

Warum Toni Riederle niemals Nein sagt

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