1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Humor mit Menstruationshintergrund

Kabarett

04.04.2012

Humor mit Menstruationshintergrund

In ihrem Soloprogramm „Pussyterror“ nahm Carolin Kebekus auch in Mindelheim kein Blatt vor den Mund.
Bild: asta

Die Kölner Komikerin Carolin Kebekus redet, pöbelt, rappt und singt im Mindelheimer Stadttheater

Mindelheim Carolin Kebekus, eine Frau, die nach eigenen Worten „im Stehen pinkeln kann“, ist direkt, selbstbewusst, laut und – dem ausgelassenen Lachen im Mindelheimer Stadttheater nach – auch richtig lustig.

Dass die zierliche junge Frau kein Blatt vor den Mund nimmt, merkt der Zuschauer gleich bei dem Rap zu Beginn ihres ersten Soloprogramms „Pussyterror“, in dem sie sich selbst thematisiert.

Carolin Kebekus kommt aus Köln, wo sie am falschen Rheinufer – „im Ghetto“ – aufwuchs. Das schlägt sich nicht nur in ihrem Humor und ihrer Sprache nieder; Geschichten über die nach eigener Aussage „hässlichste Stadt der Welt“ nehmen auch einen großen Teil ihres Programms ein.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Kebekus spricht über den Kölner Karneval, den 1. FC Köln – der ihrer Meinung nach statt Spieler mindestens ebenso effektive Rucksäcke in die gegnerische Hälfte stellen könnte – und über das eingestürzte Kölner Stadtarchiv. Sie erzählt von sich selbst und von ihrer Jugend im Kölner „Ghetto“. Sie imitiert die oberschlesische Oma, deren liebstes Hobby es ist, auf den Friedhof zu gehen, und spricht über ihren Vater mit der Praktiker-Goldkarte, der in seinem Sparwahn auch vier Stunden Autofahrt für eine gratis Grillwurst auf sich nimmt.

Daneben nimmt sich Carolin Kebekus gesellschaftlicher Themen an und kritisiert die Auswüchse des deutschen Fernsehens, die Doppelmoral der katholischen Kirche und Thilo Sarrazins Ansichten. Dass Multi-Kulti gescheitert sei, stimme so einfach nicht, sagt sie, sie sei schließlich damit aufgewachsen.

Immer wieder spielt Kebekus mit Geschlechterklischees. Sie mag lieber Bier als Prosecco, isst lieber Mettbrötchen anstatt sich mit Diättipps aus Frauenzeitschriften herumzuschlagen und hasst es, shoppen zu gehen – „manchmal frage ich mich, ob ich wirklich eine Frau bin“. Aber schließlich stellt sie fest, dass sie wohl doch „ein Mensch mit Menstruationshintergrund“ sei.

Als ebensolcher sorgt sie sich um eine Entwicklung bei vielen ihrer Geschlechtsgenossinnen. Sie fragt sich, warum junge Mädchen davon träumen, für den Playboy fotografiert zu werden und ob Exfrau wohl bald ein etabliertes Berufsbild sei.

Ob Sozialkritik oder Pubertätsgeschichten – Kebekus kommt mit ihrem frechen Humor und mit ihrer derben Sprache beim Mindelheimer Publikum an. Zu Ende entschuldigt sich die Komikerin in einem Lied für all die „schlimmen Worte“– nicht ohne diese noch einmal genüsslich zu wiederholen. „Dass Frauen nicht lustig sind, weiß doch jeder“, singt sie. Das Publikum widerlegt die Aussage der Gewinnerin des deutschen Comedy-Preises und des Prix Pantheon mit tosendem Beifall. (asta)

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20M%c3%a4rchen_Seniorenheim004.tif
Bad Wörishofen

Mit Märchen einer Demenz vorbeugen - geht das?

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen