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Tierheim

07.07.2020

Hund, Katze, Maus: alle heiß begehrt

Vier, die sich ganz offensichtlich richtig gut verstehen: Elisabeth Leiß (links) und Lavinia Weber kümmern sich im Tierheim Beckstetten um Aras und Artesch, zwei türkische Kangals, Herdenschutzhunde also.
Bild: Mathias Wild

Plus Die Nachfrage nach Fundtieren ist in Corona-Zeiten deutlich gestiegen. Doch im Tierheim, das auch Bad Wörishofen versorgt, kommt bei Weitem nicht jeder Interessent zum Zug.

Lisa Hölzel, das merkt man sofort, brennt für ihre Sache. Ihre Sache, das sind die Tiere, das ist der Tierschutz. Seit 2019 ist die 23-Jährige nun Leiterin des Tierheims in Beckstetten, welches die Stadt Bad Wörishofen jährlich mit 15000 Euro unterstützt. Beckstetten nimmt aber nicht nur Tiere aus Bad Wörishofen auf, sondern auch aus weiten Teilen des Unterallgäus. Sehr bald nach der Übernahme des Jobs musste Lisa Hölzel erfahren, dass ein Virus wie Corona auch deutliche Auswirkungen auf ihre Arbeit mit den Tieren hat.

Ganz praktische Auswirkungen wie den reglementierten Zugang zum Tierheim erst nach telefonischer Voranmeldung. Aber auch ganz besondere: In den Zeiten von Corona, in denen viele Menschen plötzlich viel mehr Zeit als sonst üblich haben, ist die Nachfrage nach Tierheim-Zöglingen sprunghaft angestiegen.

Doch wer sich etwa für einen Hund interessierte, weil er wegen Kurzarbeit nun ganz unvermutet die Luft hatte, mit einem vierbeinigen Freund Gassi zu gehen, erhielt meist eine Absage. Denn: „Wir denken immer auch an die Zeit nach Corona. Und wenn da dann der Hund plötzlich acht Stunden alleine daheim eingesperrt wäre, bis alle wieder von der Arbeit zurückkommen, wäre das wirklich nicht im Sinne des Tieres“, sagt die gelernte Tierpflegerin.

So kam die Leiterin des Tierheimes zu ihrem Traumberuf

Drei Jahre dauert übrigens die Ausbildung, ehe man sich Tierpfleger nennen darf. Drei Fachrichtungen gibt es: Tierpfleger für Tierheime und -pensionen, solche, die in Forschung und Kliniken tätig sind und dann noch die, die im Zoo arbeiten.

Die Tierheim-Leiterin Lisa Hölzel.
Bild: Mathias Wild

Lisa Hölzels große Liebe galt von frühester Kindheit an den Tieren. Doch lange Zeit sah alles danach aus, als würde diese Liebe eine unerfüllte bleiben. Lisa Hölzel litt an einer Tierhaarallergie – die dann allerdings und Gott sei Dank von selbst verschwand. Zwei eigene Katzen und einen Hund hat die junge Frau heute, zudem sind fast immer Fundtiere wie Katzenbabys bei ihr zuhause untergebracht, ehe die dann im Alter von acht Wochen ins Tierheim wechseln können. Ob dieses ständige Abschiednehmen von kleinen Kreaturen, die einem arg schnell ans Herz wachsen, nicht immer wieder schwer fällt? „Leicht ist das natürlich nie“, gibt Lisa Hölzel zu, „aber das muss man halt professionell handeln.“

Welche Tiere in der Corona-Krise besonders häufig vermittelt wurden

Professionell gehen Hölzel und ihre sieben Mitarbeiterinnen, darunter zwei, die den Bundesfreiwilligendienst leisten, auch immer mit Nachfragen nach Tierheim-Tieren um. Schon am Telefon wird ausgelotet, ob das jeweils ausgeguckte Tier, ob nun Hund, Katze oder auch Mäuse und Chinchillas, grundsätzlich zum jeweiligen Interessenten passen könnte. Da wird nicht nur die jeweilige Wohnsituation abgeklopft, da wird auch deutlich darauf abgehoben, dass im Fall der Fälle und wann auch immer Tierarztkosten auf die Halter zukommen können, die die in der Anfangseuphorie oft gar nicht mit einkalkulieren.

Bild: Mathias Wild

In den vergangenen Wochen wurden zwar nicht mehr Hunde, dafür aber deutlich mehr Katzen und Kleintiere vermittelt: „Die sind ja auch pflegeleichter, wenn die Leute später einmal wieder weniger Zeit haben werden“, sagt Lisa Hölzel. Für sich persönlich hat sie sich für die nächste Monate zwei große Ziele gesetzt: Zum einen will sie den Ausbilderschein machen, zum anderen an Schulen gehen, sobald das wieder möglich ist: „Den Tierschutzgedanken bringt man ja am besten schon den Jüngsten nahe“, ist sie überzeugt.

Und wie sieht es finanziell aus beim Tierheim Beckstetten? Geldspenden hätten deutlich abgenommen, da merke man halt, dass sich die Menschen in diesen schwierigen Zeiten jede Ausgabe zweimal überlegen. Futterspenden hätten dagegen erfreulicherweise zugenommen, hat Hölzel beobachtet.

Informationen Wer sich für ein Fundtier interessiert, sollte sich zunächst unter 08241/3912 mit dem Tierheim in Verbindung setzen. Weitere Infos und Spendenkonten unter www.tierheim-beckstetten.de

Was Tierhalter in Corona-Zeiten sonst noch wissen müssen:

Mit Haustier durch die Corona-Krise

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