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Glaube

25.05.2019

„Ich bin ein anderer geworden“

„Ja!“„Warum bin ich hier?“ Nur eine von vielen Fragen, die sich Peter Franzen (rechts) beim Glaubenskurs mit dem evangelischen Pfarrer in Türkheim, Claus Förster, gestellt hat – und auf die er ganz individuelle Antworten gefunden hat. „Schade, dass es zu Ende ist“
Bild: Alf Geiger

Der 53-jährige Peter Franzen hat bei der evangelischen Kirchengemeinde in Türkheim bei Pfarrer Klaus Förster einen Glaubenskurs besucht. Seine Erwartungen waren gering, die persönliche Veränderung ist enorm

Aufgepasst: Wer sich mit Peter Franzen über Gott und die Welt unterhält, der muss mit einem wahren Sturm an positiver Ausstrahlung rechnen. Der 53-jährige sprüht geradezu vor Begeisterung und er redet genauso selbstverständlich wie ungebremst über sich, seinen Glauben und die vielen Erfahrungen, die er gerade in den vergangenen Monaten gemacht hat – und die ihn so nahe zu Gott gebracht haben, dass er am liebsten die ganze Welt umarmen und davon erzählen möchte.

„Gott ist zu mir gekommen“, sagt Peter Franzen – und wenn er das sagt, klingt das so gar nicht missionarisch, abgehoben oder gar aufgesetzt. Es klingt so, wie es gemeint ist: Ehrlich. Denn der 53-jährige Vater von zwei Kindern hat eine Entwicklung hinter sich, die ihn selbst immer noch staunen lässt. Noch im Sommer vor einem Jahr war er so, wie er halt immer war, sagt er.

Gläubig? „Schon“, sagt Peter Franzen. Ja, gebetet habe er immer, abends vor dem Schlafengehen. Weil er das halt schon von Kindesbeinen auf so gemacht hat, weil er so erzogen wurde. Aber er war nie ein besonders eifriger Kirchgänger, mit dem Laufe der Jahre sogar immer weniger. Er erinnert sich noch gut an seine Kinderzeit, als er in Ostwestfalen aufwuchs und den Gang zur Kirche immer mit etwas gemischten Gefühlen verband: Der Respekt vor den Traditionen, das Stillhalten-Müssen, das Gerade-Sitzen. Dann beten, wenn alle beten. Nur dann singen, weil alle singen.

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Das war ihm dann alles nicht mehr so wichtig, und auch als er vor gut 20 Jahren nach Bayern zog und in Irsee heimisch wurde, blieb er bei seiner Art, bei seinem Glauben: „Ich habe das alles lieber mit mir selbst ausgemacht und bin sehr introvertiert damit umgegangen“, erinnert er sich.

Klar, er war schon immer ein offener, spontaner und grundsätzlich positiver Mensch. Aber auch tough, wenn es sein muss – egal ob in seinem Job als Informatiker oder als passionierter Sportler. Als Bogenschütze nahm er sogar schon an Weltmeisterschaften teil, als Tennisspieler beim TV Mindelheim kennen und fürchten in seine Gegner als engagierten Kämpfer, der Niederlagen gar nicht mag.

Ob es den „einen Moment“ gab, an dem sich sein Leben so sehr verändert hat? Da grübelt der 53-Jährige und denkt sorgfältig nach. Vielleicht ein Gespräch mit einem Freund, an einem trüben, regnerischen Tag. Irgendwie zufällig sprachen die beiden Kumpels über Gott – und da tat sich, buchstäblich aus wolkenverhangenem Himmel, eine Lücke auf, ein Sonnenstrahl erleuchtete das Zimmer. Ein Zeichen? „Ja!“, sagt Peter Franzen überzeugt – und überzeugend.

Für ihn ganz persönlich war es ein Zeichen, was andere vielleicht als Zufall abtun würden. Doch erst später sollte er sich mit diesem besonderen, persönlichen Moment noch intensiver auseinander setzen.

Es war eine Freundin, die ihn davon überzeugte, in der evangelischen Pfarrei in Türkheim einen so genannten „Alpha-Kurs“ zu besuchen. Peter Franzen wusste erstmal nicht viel darüber, aber er hatte große Lust bekommen, sich auch mit anderen Menschen über das Thema Religion, Glaube, Gott und Jesus zu unterhalten. Warum?

Urplötzlich habe er sich ganz intensiv Gedanken über sich und sein Leben gemacht – ohne erkennbaren Anlass, ohne erkennbaren Grund. Wie geht es mit dem Leben weiter? War’s das? Was kommt noch? Er fand alleine nicht die für ihn passenden Antworten und da kam ihm die Idee: „Da fragst Du doch mal bei Gott nach...“

Also nach Türkheim, wo ein Alpha-Kurs stattfand. Warum ausgerechnet hier? Weil er schon etwas gehört hatte vom dortigen Pfarrer Claus Förster, den viele als „total cool“ beschreiben. „Das schau’ ich mir mal an“, dachte sich Peter Franzen, und ging zu dem Alpha-Kurs – einem Glaubenskurs in entspannter Atmosphäre für alle, die sich (wieder) neu mit den Kernthemen des christlichen Glaubens auseinandersetzten möchten, beschreibt Pfarrer Claus Förster.

„Wer einfach neugierig ist, eine Sehnsucht nach Mehr im Leben verspürt oder die Sache mit Gott nochmals neu für sich ausprobieren möchte, ist bei uns am richtigen Platz“. Auch für den Türkheimer Pfarrer war es das erste Mal, dass er so einen Kurs anbot und Förster war daher auch durchaus überrascht, dass sich nach nur einer kleinen Meldung in der MZ gleich rund 40 Interessierte gemeldet hatten. Nach der Konfession wird sowieso nicht gefragt. Mindestens einer war dabei, der schon vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten war. Frauen und Männer, Christen, Katholiken und Protestanten. Darunter auch einige Zweifler. Und eben: Peter Franzen.

Für den 53-Jährigen war es eine Erfahrung, die sein bisheriges Leben buchstäblich auf den Kopf stellen sollte: „Ich bin heute ein anderer Mensch, ich habe mich sehr verändert“, sagt Peter Franzen und fügt lachend hinzu: „Und hoffentlich zum Positiven...“

Für den Türkheimer Pfarrer Claus Förster war es eine Freude zu erleben, wie gut der Alpha-Kurs angenommen wurde und wie hilfreich er offensichtlich für viele Teilnehmer war – ganz unabhängig davon, wie viel man sich bisher mit dem Thema Glauben beschäftigt habe. Die rund 40 Teilnehmer bildeten kleinere Gruppen und fanden hier die Möglichkeit, ganz offen und dennoch geschützt über das zu sprechen, was sie bewegt. Das hat häufig mit Gott und Glauben zu tun – manchmal aber auch nicht.

Es sei ein Vertrauen bei den Gruppenmitgliedern entstanden, das seine Erwartungen übertroffen habe, sagt Förster. Man konnte ja jederzeit seine Fragen einbringen. Für den Seelsorger war es auch „schön zu erleben, wie die Teilnehmer sich auf die einzelnen Abende freuten“, erinnert sich Förster.

Als in der Faschingswoche eine Pause eingelegt wurde, konnten es die allermeisten kaum erwarten, bis der nächste Donnerstagabend und damit das nächste Treffen endlich gekommen war.

Schön für Förster waren auch die Rückmeldungen aus den Gruppen: „Ich habe die Gewissheit bekommen, dass Gott mich so nimmt, wie ich bin.“ Oder: „Meine Erwartungen wurden übertroffen.“ „Ich konnte meine langjährigen Fragen bezüglich des Glaubens offen stellen, ohne Angst haben zu müssen, verurteilt zu werden.“ „Schade, dass es zu Ende ist. Leider viel zu schnell.“ „Ich war überwältigt von der liebevollen Gestaltung der Abende mit Teelichtern am Wegrand, Abendessen im Candle-Light-Dinner-Stil und der Vielzahl der Menschen, die, genauso wie ich, nach Antworten suchten.“ „Einige meiner Fragen wurden beantwortet, neue aufgeworfen..., weshalb dieser Kurs nicht mein letzter gewesen sein wird.“

All das sind Aussagen einzelner Kursteilnehmer – doch sie könnten alle auch von Peter Franzen sein. All die Fragen, die er sich bislang so gar nicht gestellt hatte, wurden beantwortet. „Hat das Leben mehr zu bieten?“ Wie führt uns Gott? Wer ist der Heilige Geist? Welchen Stellenwert hat die Kirche?

Sich damit und mit vielem mehr so intensiv, offen und ohne Erwartungen in einer ansteckend herzlichen Gesprächsatmosphäre auseinandersetzen zu können – für Peter Franzen eine unglaublich positive Erfahrung, die für ihn zu der Erkenntnis reiften: „Gott liebt mich so, wie ich nun mal bin“. Und darüber dann auch noch mit anderen reden zu können, deren Erfahrungen zu hören, seine eigenen erzählen zu können – noch immer kann es Peter Franzen irgendwie kaum glauben, wie sehr ihn der Kurs in den vergangenen Monaten verändert hat.

Und so sprudelt es weiter aus ihm heraus, er schwärmt von den regelmäßig stattfindenden „Anderen Gottesdiensten“ in der evangelischen Pfarrgemeinde in Türkheim, wegen derer er ganz selbstverständlich von Irsee nach Türkheim fährt. Weil der Gottesdienst für ihn wirklich so ganz anders ist als alles, was er bislang erlebt hat. Immer wieder neu, überraschend, begeisternd, ergreifend undundund...

Oh ja, Peter Franzen trägt seine Begeisterung nicht nur im Herzen, sondern auch auf der Zunge. Mit dieser erfrischenden Art kann er auch andere mitreißen – und vielleicht sogar überzeugen, hofft er. Deshalb will er seine Überzeugung jetzt auch weitergeben, an Menschen, die – wie er noch vor wenigen Monaten – mit sich und ihrem Glauben am (ver-)zweifeln sind.

Der nächste Alpha-Glaubenskurs bei der evangelischen Kirchengemeinde in Türkheim beginnt am 13. Februar 2020 um 19 Uhr.

tuerkheim-evangelisch.de

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