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Imitator

26.10.2017

„Ich halte nichts von Belehrungen“

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Diese Frage stellt sich angesichts der zahlreichen Personen, die Wolfgang Krebs in seiner „Watschenbaum-Gala“ verkörpert.
Bild: Gregor Wiebe, Carsten Bunnemann

In seinem Programm „Die Watschenbaum-Gala“ parodiert Wolfgang Krebs 20 Personen. Nun kommt er auch nach Mindelheim.

Er hat sie alle drauf: bekannte und unbekannte, seriöse und unseriöse Personen des öffentlichen Lebens. Besonders bekannt ist Wolfgang Krebs für seine Parodie des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Im Interview verrät der Kabarettist, warum er auf Belehrungen von der Bühne herab verzichtet und worauf er sich stattdessen konzentriert.

Herr Krebs, wer verdient denn zur Zeit die größte „Watschen“?

Wolfgang Krebs:(lacht) Das ist eine sehr gute Frage. Angesichts der Diskussion von vor einigen Tagen, wo man denn die künftigen Parlamentarier der AfD im Bundestag hinsetzen sollte, glaube ich, dass einige der Damen und Herren in Berlin das Wahlergebnis immer noch nicht richtig verstanden haben. Deswegen kann es sein, dass es im Bundestag ein paar Leute gibt, die einen Watschenbaum verdient hätten.

Watschenbaum? Was ist denn das?

Krebs: Na ja, Ohrfeigen verteilen und die Leute abwatschen möchte ich nicht. Ein Watschenbaum ist sozusagen ein satirischer Preis, den man mit einem Augenzwinkern verleihen kann. Natürlich auch an Politiker. Darum geht es in meinem aktuellen Programm.

Wie politisch ist denn Ihre Gala?

Krebs: Das Programm ist selbstverständlich schon auch politisch, aber in erster Linie soll es einfach lustig und unterhaltsam sein. Klar spielt die Politik eine Rolle, aber die Watschenbaum-Gala ist kein rein politisches Programm. Ich bin kein Freund von Moralapostelei und moralinsaurem Kabarett, bei dem die Leute mit erhobenem Zeigefinger belehrt werden. Da gehöre ich, übrigens genau wie mein guter Freund Django Asül, einer neueren Bewegung des Kabaretts an. Die Menschen brauchen keine Belehrungen, denn sie sind ja nicht dumm.

Wie stark sind Sie als Kabarettist vom aktuellen Zeitgeschehen abhängig?

Krebs: Manche Leute sagen bereits zu mir, ich müsste mit Kabarett aufhören, sollte Horst Seehofer sein Amt als Ministerpräsident abgeben (lacht). Das ist natürlich aberwitzig. Die Themen auf der Bühne richten sich zwar auch nach aktuellen Ereignissen, aber meine Imitation von Edmund Stoiber beispielsweise kommt nach wie vor sehr gut bei den Leuten an. Und der ist bereits seit zehn Jahren außer Dienst. Ob Seehofer auch nach seiner Amtszeit noch als Imitation funktioniert, wird sich zeigen. Bei Günther Beckstein war das eher nicht so, mit neun Monaten war er auch nur sehr kurz im Amt. Nur in Franken kann man ihn noch bringen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie denn von denjenigen, die Sie imitieren?

Krebs: Ganz unterschiedlich! Der ehemalige CSU-Parteivorsitzende Erwin Huber hat sich beispielsweise mehrmals persönlich bei mir über meine Stoiber-Imitationen beschwert, während ich mit Stoiber selbst ein beinahe freundschaftliches Verhältnis gepflegt habe. Aber um Kritik oder Lob der politischen Vorbilder geht es mir als Kabarettist nicht, da muss ich eher arbeiten wie ein Landtagskorrespondent. Genau beobachten, gut informiert sein und die Dinge auf den Punkt bringen.

Worauf achten Sie beim Einstudieren?

Krebs: Vor allem auf die Sprachmelodie. Ich spiele zwar kein Instrument, aber immerhin habe ich ein musikalisches Gehör, sonst würden die Imitationen nicht funktionieren. Beim ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude habe ich etwa drei Wochen gebraucht und mir unzählige seiner Reden angehört, bis ich seinen Sound verinnerlicht hatte. Aber auch mit anderen Kabarettisten wie Stephan Zinner und Chris Boettcher habe ich mich schon über Charakteristika einzelner Personen ausgetauscht.

Im aktuellen Programm sprechen Sie 20 verschiedene Figuren. Wie kommen Sie da nicht durcheinander?

Krebs: Also ich könnte jederzeit einen Satz als Edmund Stoiber beginnen, als Horst Seehofer weitersprechen und ihn als Günther Beckstein beenden. Das Umschalten selbst ist dann eine Sekundenleistung und geht ohne Probleme. Im aktuellen Live-Programm treten die Figuren auch hin und wieder miteinander ins Gespräch, besonders wenn ich die Rollen wechsle. Dafür trete ich für wenige Sekunden hinter die Bühne und komme im nächsten Moment als jemand anders heraus. Interview: Jens Reitlinger

„Die Watschenbaum-Gala“ von und mit Wolfgang Krebs ist am Samstag, 28. Oktober, im Mindelheimer Forum zu sehen. Beginn ist um 20 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse oder im Vorverkauf – beim MZ-Ticketservice, Telefon 08261/991375 und 08247/35035.

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