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Ettringen

24.12.2020

Ihr Kinderlein kommet nicht alle: Corona-Weihnachten in der Großfamilie

„Das macht keinen Sinn“Gabriele und Michael Hartner haben sechs Kinder. An Weihnachten werden nicht alle kommen können. Gabriele Hartner (Mitte) mit ihren jüngsten Kindern Carola und Simon.
Bild: jsto

Plus Wenn eine Großfamilie an Weihnachten plötzlich nur noch im kleinen Rahmen feiern darf. Ein Besuch bei Familie Hartner in Ettringen, die sieben Kinder hat.

Weihnachten ist das Familienfest schlechthin. Da kommen alle zusammen. Das galt schon für die Generation der Großeltern und Eltern. Nur diesmal ist das nicht so ohne Weiteres möglich. Maximal zwei Haushalte mit höchstens fünf Menschen über 15 Jahre dürfen sich in Bayern wegen der großen Corona-Ansteckungsgefahr an den Feiertagen treffen. Familie Hartner in Ettringen trifft das besonders hart. Gabriele und Michael haben sieben Kinder. Es können sich also nicht alle treffen, die das auch wollen.

Weihnachten vor einem Jahr: Da waren noch alle Kinder um den großen Tisch im Wohnzimmer versammelt, bis auf Bärbel. Sie lebt in Lünen bei Dortmund und ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet. Da verbieten sich Ausflüge in die bayerische Heimat. An Weihnachten sind Pfarrer generell im Dauereinsatz. Auch heuer kann sie erst vorbeischauen, wenn Weihnachten vorüber ist.

Würde die älteste Tochter nach Ettringen kommen, hätte sie in Quarantäne gemusst

Gerne gekommen wäre auch die älteste Tochter, die seit vier Jahren im Kanton Zug in der Schweiz lebt. Sie ist dort Braumeisterin. Um ihre Eltern in Ettringen besuchen zu können, hätte sie vorher in Quarantäne gemusst. „Das macht keinen Sinn“, sagt Gabriele Harnter, auch wenn sie ihre Tochter und ihren Schwiegersohn gerne gesehen hätte. Immerhin: Ein Sohn, der in Türkheim eine eigene Firma hat und viel unterwegs ist, will an Weihnachten mit den Eltern feiern. Und vielleicht bringt er ja selbst gemachten Weihnachtsschmuck mit, den er lasert.

Ein weiterer Sohn lebt in München, wo er das Fach Sportunterricht studiert. An Heiligabend wird er kommen, hofft Gabriele Harnter. Das fünfte Kind lebt noch im Haus. Er ist viel beschäftigter Elektromeister, und an Weihnachten natürlich daheim. Auch Carola, die Sechste im Bunde, wird Weihnachten mit ihren Eltern feiern. Sie ist Physiotherapeutin. Und dann ist da noch Simon, der Jüngste. Er geht in die Fachoberschule und macht nächstes Jahr seinen Abschluss. Danach möchte er am liebsten zur Polizei.

Im Haus der Hartners in Ettringen ist es über die Jahre immer stiller geworden

Im Laufe der Jahre ist es immer stiller im Haus geworden bei den Hartners. Von den sieben Kindern haben die meisten das Elternhaus bereits verlassen. Daran mussten sich die Eltern erst gewöhnen, die sich als wahre Familienmenschen beschreiben. Aber es gab auch schon in der Vergangenheit Weihnachtsfeste, an denen nicht alle nach Ettringen kommen konnten. „Unsere Große war vor ein paar Jahren in Kanada und hat dort gearbeitet. Da konnte sie an Weihnachten nicht kommen“. Auch eine der anderen Töchter war mal verhindert. Sie arbeitete damals als Kinderkrankenschwester in den USA. „Dann haben wir eben telefoniert“.

Und wie verläuft nun Weihnachten bei Familie Hartner? Das gemeinsame Essen war der Familie immer schon wichtig. Meist kocht die Mutter, aber auch einer der Söhne hat Freude am Herd. Als die Kinder noch klein waren, war natürlich die Bescherung an Heilig Abend wichtiger Teil von Weihnachten, erzählt die 62-jährige Gabriele Hartner. Seit zwei, drei Jahren schenken sie sich kaum noch etwas. Inzwischen ist es das Fondue, um das sich die Familie schart.

Am ersten Weihnachtsfeiertag lassen sie es erst einmal geruhsamer angehen. Gegessen wird da eher erst am späten Nachmittag.

Gesprächskreise und Gottesdienste fehlen Mutter Gabriele während Corona besonders

Aber auch die Kirche ist Familie Hartner wichtig, nicht nur an Weihnachten. Gabriele gehört dem Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Türkheim an. „Die Mitarbeit in der Gemeinde ist mir sehr wichtig geworden“. Sie ist da quasi hineingewachsen, je mehr ihre eigenen Kinder ihr Haus verlassen haben. Beim ersten Lockdown heuer im Frühjahr hat sie gespürt, wie sehr ihr die Gesprächskreise und die Gottesdienste gefehlt haben.

Übervolle Kirchen kann es auch jetzt nicht geben. Zu tun gibt es über die Weihnachtstage in der Kirchengemeinde aber trotzdem genug. An Heiligabend ist Gabriele Hartner mit ihrem Team bei vier Gottesdiensten gefordert. Ein Krippenspiel wie die Jahre davor wird es diesmal aber nicht geben. Corona lässt das einfach nicht zu.

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