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Allgäu

08.04.2021

Im Allgäu wurden in einem Jahr fast 1000 Menschen vermisst gemeldet

Bei groß angelegten Vermisstensuchen kommen auch Helikopter zum Einsatz.
Foto: Ralf Lienert (Symbol)

Plus Die meisten Gesuchten tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Doch es gibt Ausnahmen: Beispielsweise das Paar aus China, das vor mehr als vier Jahren am Märchenschloss Neuschwanstein verschwunden ist.

Die Zahl überrascht: 981 Vermisstenfälle haben die Beamten des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten im Jahr 2020 bearbeitet. In den allermeisten Fällen tauchten die Menschen, die vorübergehend gesucht wurden, nach mehr oder weniger kurzer Zeit wieder auf. Doch von 38 der fast 1000 Vermissten ist der Aufenthaltsort bis heute unbekannt. Und auch aus früheren Jahren gibt es Gesuchte, die nie mehr aufgetaucht sind.

Im Juli 2016 verliert sich die Spur des Paares

Bekanntestes Beispiel: Seit dem Sommer 2016 wird ein chinesisches Ehepaar (er damals 37, sie 39 Jahre alt) vermisst. Zuletzt gesehen wurden die beiden am 2. Juli 2016 bei einer Besichtigungstour von Schloss Neuschwanstein, als sie dort mit einer Reisegruppe aus dem Bus stiegen. Seitdem verliert sich ihre Spur.

Haben sie sich möglicherweise ganz bewusst abgesetzt? Und wenn ja – wohin? Für die Länder, die dem europäischen Schengen-Abkommen beigetreten sind, liegt in diesem Fall eine polizeiliche Fahndung vor. Lange Zeit sah es so aus, dass der Fall nie geklärt wird. Jetzt überrascht Polizei-Pressesprecher Dominic Geißler mit einer Aussage: „Wir stehen in dieser Angelegenheit in Verbindung mit ausländischen Behörden.“ Man sei „da wieder dran“.

Dass die Zahl der Vermisstenfälle in den vergangenen Jahren „gefühlt zugenommen hat“ und der Polizei viel Arbeit bereitet, sagt Pressesprecher Holger Stabik. Gehäuft treten demnach Fälle von gesuchten Senioren auf, die ihr Zuhause oder ein Heim mit unbekanntem Ziel verlassen haben – beispielsweise, weil sie dement sind. Auf der anderen Seite gibt es das Phänomen der „jugendlichen Streuner“.

Ein Blick in die Vermisstenakte der Allgäuer Polizei

  • Bereits seit 17. Februar vergangenen Jahres wird Skitourengeher Stefan Ziechnaus vermisst. An jenem Tag hatte er seine Unterkunft in Oberstdorf verlassen. Es gibt Hinweise, dass er sich im Bereich Nebelhorn/Schneck oder auch im Ifen-Gebiet aufgehalten haben könnte. Ist er verunglückt?
  • Die 35 Jahre alte Birgit Messlin wird seit dem 5. April 2020 gesucht. Damals verließ sie eine Pflegeeinrichtung in Grünenbach im Kreis Lindau.
  • Der 62 Jahre alte Walter Fink machte sich am Morgen des 14. September vergangenen Jahres auf eine Gratwanderung vom Fellhorn zum Söllereck. Er kehrte von dieser Tour nie zurück.
  • Renate Riegg gilt in Kaufbeuren als vermisst – und das bereits seit dem 13. Dezember. An diesem Dritten Advent verließ die 74-Jährige abends gegen 22 Uhr ihre Wohnung. Niemand weiß, wohin sie sich begeben hat. Eine groß angelegte Suchaktion blieb erfolglos.

Nicht in jedem Fall geht die Polizei bei Vermisstensuchen an die Öffentlichkeit. „Nicht selten haben sich die Gesuchten in derartigen Fällen bewusst aus ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis abgesetzt, ohne eine Erreichbarkeit zu hinterlassen“, heißt es vom Bundeskriminalamt (BKA), das seit 1951 als Zentralstelle für die Vermisstenfälle in der Bundesrepublik Deutschland zuständig ist. Am 1. März vergangenen Jahres waren in der bundesweiten Datei „Vermisste/Unbekannte Tote“ etwa 11.500 Fälle gespeichert.

Täglich kommen bundesweit bis zu 300 Fahndungen hinzu

Täglich werden nach BKA-Angaben etwa 200 bis 300 Fahndungen neu erfasst oder gelöscht. Erfahrungsgemäß klärt sich etwa die Hälfte aller Vermissten-Fälle innerhalb der ersten Woche nach dem Verschwinden. Binnen Monatsfrist liegt die Klärungsquote bei über 80 Prozent. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewegt sich bei etwa drei Prozent.

Und auch das geht aus der Statistik hervor: Mehr als zwei Drittel der Vermissten sind männlich, etwa die Hälfte aller Gesuchten sind Kinder oder Jugendliche.

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