1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Im Rathaus dreht sich das Personalkarussell rasant

Wechsel

07.03.2018

Im Rathaus dreht sich das Personalkarussell rasant

Manchmal hat es auch Vorteile, wenn die Mühlen im Rathaus etwas langsamer mahlen: Auf der Info-Stele im Foyer steht noch immer der Name von Werner Würstle als Hauptamtsleiter. Der ist zwar seit Herbst 2017 in Ruhestand, doch demnächst muss ohnehin ein neuer Name eingesetzt werden: Nachfolgerin Martina Moersch hat nach zehn Monaten gekündigt. „Ich finde ihre Entscheidung sehr bedauerlich, aber ich kann das menschlich schon verstehen.“
Bild: alf

Nach zehn Monaten nimmt Hauptamtsleiterin Martina Moersch ihren Hut. Jetzt muss nicht nur diese Stelle besetzt werden. Der Bürgermeister spricht von einer „schwierigen Situation“

Im Rathaus dreht sich derzeit das Personalkarussell mit solcher Geschwindigkeit, dass manchen fast schwindelig wird: Gleich mehrere Schlüsselstellen in der Verwaltung müssen neu besetzt werden und jetzt kam mit der überraschenden Kündigung von Hauptamts- und Geschäftsleiterin Martina Moersch (50) gleich der nächste Hammer. Bürgermeister Paul Gruschka (FW) zeigte sich gegenüber der Mindelheimer Zeitung gestern überrascht und geschockt von dieser Nachricht: „Das ist eine schwierige Situation“, gibt er zu.

Denn nicht nur die Nachfolge von Moersch muss jetzt schleunigst geklärt werden – auch die Position eines Wirtschaftsförderers wurde ausgeschrieben und soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt besetzt werden.

Zu allem Überfluss komme auch noch ein krankheitsbedingter Ausfall im Sekretariat hinzu, was die Personalsituation in seinem Rathaus zusätzlich verschlimmere. Und dann ist da ja auch noch der Posten des Kurdirektors, der vakant ist und derzeit von Petra Nocker kommissarisch erledigt wird. „Das sind dicke Bretter, die wir da bohren müssen“, so Gruschka. Und der Markt für „gute Verwaltungsleute ist nahezu leer gefegt, weiß Gruschka.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Von der Entscheidung von Martina Moersch wurde auch Gruschka Ende der vergangenen Woche überrascht und er habe gleich auch die Stadtratsmitglieder darüber informiert. „Ich finde ihre Entscheidung sehr schade, aber ich kann das menschlich schon verstehen“, so Gruschka.

Gegenüber der MZ machte Martina Moersch deutlich, dass sie sich ihren Entschluss nicht leicht gemacht habe, die Kneippstadt und ihre Position als Hauptamts- und Geschäftsleiterin nach nur zehn Monaten wieder zu verlassen. Sie nannte familiäre Gründe für ihren Entschluss, sich wieder als Amtsleiterin in ihrer Heimatstadt Scheiden/Eifel zu bewerben. In der 13 000-Einwohner-Stadt hatte sie schon vor ihrem Wechsel nach Bad Wörishofen 20 Jahre lang in dieser Funktion gearbeitet. Ab 1. Mai werde sie dort wieder eine adäquate Position übernehmen.

Moersch betonte mehrfach, dass ihr Wechsel nichts mit der Arbeit im Bad Wörishofer Rathaus zu tun habe. Es habe sich einfach heraus gestellt, dass der Umzug von Nordrhein-Westfalen nach Bayern Bayern aufgrund der unterschiedlichen Schulsysteme und Lehrpläne nicht so reibungslos geklappt habe wie sie sich das gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn (13) gewünscht hätte.. Unterm Strich sei die Familie daher zu der Erkenntnis gekommen, diese „Lebensentscheidung“ wieder zu korrigieren und zurück in die Eifel zu ziehen.

Für Bürgermeister Paul Gruschka ein schwerer Schlag, handelt es sich bei dieser Position doch um eine der wichtigsten Schlüsselstellen der gesamten Verwaltung. Als Schnittstelle zwischen der Kommunalpolitik und der Verwaltung kommt der Leitung von Hauptamt und Geschäftsstelle in jeder Rathausverwaltung eine tragende Rolle zu.

Wie wichtig diese Position ist, zeigte sich schon bei der Suche nach einer Nachfolge für Werner Würstle, der zuvor jahrelang hier tätig war. Mehr als 20 Bewerber hatten sich auf diese Stelle gemeldet und wollten diesen Job, der zum 1. Juli des vergangenen Jahres ausgeschrieben war, weil Würstle wenig später in den Ruhestand ging. Und jetzt schon wieder ein Wechsel?

Prompt gab es Gerüchte, der überraschende Abschied von Moersch habe auch mit der Amtsführung ihres Vorgängers zu tun. Moersch wollte sich dazu auf Anfrage der MZ nicht äußern. Sie hoffe jetzt, dass die Stelle bald neu besetzt werden könnte. Ihre potenziellen Nachfolger erwarte jedenfalls eine „Stadt mit viel Potenzial“ und ein „tolles Team im Rathaus“.

Auch Bürgermeister Paul Gruschka wollte gegenüber der MZ die Gerüchte, Moersch habe beim Amtsantritt ein „Chaos“ vorgefunden, nicht kommentieren. Nur soviel wollte Gruschka dazu sagen: „Ich will den Amtsvorgänger nicht in Misskredit bringen und sage daher dazu nichts.“

Die Stelle werde jetzt schnell ausgeschrieben, doch einige Monate werde es wohl schon dauern, bis wieder ein geeigneter Kandidat gefunden und dann vom Stadtrat entschieden werden könne, wer die Nachfolge von Moersch antreten soll. Bis dahin werden die Aufgaben im Rathaus aufgeteilt – zumindest einen Teil sollten Jan Madsack und Robert Strodl vom Ordnungsamt abfangen können, hofft Gruschka.

Noch eine weitere Schlüsselposition im Rathaus soll möglichst bald besetzt werden: gesucht wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Wirtschaftsförderer, der entsprechende Qualifikationen vorweisen muss. Für Gruschka ist dies Voraussetzung, um eine „möglichst enge Verzahnung und Zusammenarbeit“ des Wirtschaftsförderers mit dem Bürgermeister zu gewährleisten. Daher werde es sich laut Gruschka auch um eine „Stabsstelle“ handeln, die direkt dem Büro des Rathauschefs zugeordnet werden soll.

Laut Stellenausschreibung soll sich der Wirtschaftsförderer unter anderem um Ansiedlung und Akquisition von Unternehmen, Entwicklung einer wirtschaftsorientierten Standortstrategie, Maßnahmen zur Standortentwicklung (Gewerbe, Industrie, Einzelhandel), Maßnahmen zum Standortmarketing und ein Gesamtstädtisches Flächenmanagement und Grundstücksbeschaffung kümmern.

Die Stadt Bad Wörishofen hat mit Gruschkas Parteifreund Alwin Götzfried von den Freien Wählern bereits einen ehrenamtlich tätigen Wirtschaftsreferenten – und daran werde sich laut Gruschka auch „nichts ändern“. Doch angesichts der enormen Bedeutung der Wirtschaftsförderung in Bad Wörishofen sei es überfällig, eine „richtige Vollzeitstelle mit der fachlichen Qualifikation“ zu besetzen, so Gruschka, denn: „Echte Wirtschaftsförderung kann man nicht ehrenamtlich machen“, so der Rathauschef.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

08.03.2018

Ein Chef - in diesem Fall Bürgermeister Gruschka - disqualifiziert sich meiner Meinung nach für ein Führungsamt, wenn es sich öffentlich so über einen ehemaligen oder aktuellen Mitarbeiter äußert. "Kein Kommentar" wäre in Ordnung, „Ich will den Amtsvorgänger nicht in Misskredit bringen und sage daher dazu nichts." ist eine negative Bewertung. Sieht so Fürsorgepflicht gegenüber (ehemaligen) Mitarbeitern aus? Nein, das ist übles Nachtreten! Vielleicht will er damit von anderslautenden Gerüchten ablenken, dass er möglicherweise der Grund für das sich schnell drehende Personalkarussell ist?

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_3118.tif
Bad Wörishofen

Eine Stadt nimmt Abschied von ihrem Gönner

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen