Fest

01.10.2018

Immer in Bewegung

Sohn Herbert, Ehemann Hermann (von rechts) und Bürgermeister Peter Wachler (links) gratulierten Anna Fleschutz zum 90. Geburtstag. <b>Foto: Reinhard Stegen</b>
Bild: Reinhard Stegen

An ihrem 90. Geburtstag erzählt Anna Fleschutz aus Markt Wald, warum sie damals nicht Lehrerin wurde

Markt Wald Anna und Hermann Fleschutz aus Markt Wald haben schon so manche Jahrestage und Jubiläen absolviert, da macht ihnen so leicht keiner was vor. Erst vor zwei Jahren erreichten sie mit ihrer Eisernen Hochzeit die Höchststufe der (ge)trauten Zweisamkeit. Dass man in einem solch großen Zeitenlauf „nicht ganz taufrisch“ bleibt, wie Anna Fleschutz es bei Kaffee und Kuchen anlässlich ihres 90. Geburtstages ausdrückt, ist nur eine Randerscheinung – und man merkt ihr diese vielen Jahrzehnte – offen gestanden – auch nicht wirklich an.

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Sie wuselt umher zwischen Küche und Wohnzimmer, tischt auf und erzählt von den Erlebnissen, die ihr Leben prägten. In Uttenhofen bei Ziemetshausen ist sie geboren und wuchs dort auch mit zwei Schwestern und einem Bruder auf. In der kleinen Volksschule fiel sie bald als gescheites Mädel auf, das auch den älteren Mitschülern bei kniffeligen Hausaufgaben helfen konnte. So kam es, dass ihre Lehrer meinten, sie müsse studieren, um dann auch Lehrerin zu werden.

Tatsächlich besuchte Anna nach ihrem Schulabschluss im Alter von 14 Jahren ein Lehrerseminar in Donauwörth. Doch hier befiel sie das Heimweh mit solcher Macht, Tränen flossen, dass an ein zielgerichtetes Studium nicht zu denken war. Als nächstes besuchte sie die städtische Haushaltungsschule in Augsburg und arbeitete dann während des Krieges in der Küche einer Unternehmerfamilie mit sechs Kindern. Zu kochen hatte sie zudem für die im Betrieb beschäftigten Zwangsarbeiter.

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Nach dem Krieg lernte sie ihren Mann Hermann auf dem Faschingsball der Handelsschule kennen. 1950 wurde geheiratet. Es war eine Doppelhochzeit zusammen mit ihrer Schwester. Und dann wurde von beiden – noch vor dem Nachwuchs –die Idee vom eigenen Nest geboren, aus dem Nichts gewissermaßen. Und so griffen sie selbst zu Hacke, Schaufel und Kelle und bauten sich mit eigenen Händen ein bescheidenes Reihenhaus in Neusäß. Der einzige Sohn Herbert wurde acht Jahre später geboren.

1993, da war Hermann schon in Rente, startete das Ehepaar dann noch einmal ein neues Projekt und kaufte sein heutiges Haus in Markt Wald, das seit Jahren leer stand und heruntergekommen war. Die Idylle, die den Besucher hier heute umfängt, verrät nichts von den Anstrengungen, die das Unterfangen begleiteten. Ruhig sitzen kann Anna Fleschutz auch heute nicht, wenn die Sonne scheint, die Gartenarbeit ruft oder die Zwetschgen reif zum Pflücken sind. Ihr vier Jahre älterer Mann Hermann muss es inzwischen etwas ruhiger angehen lassen; das Gehen fällt ihm schwer. Er liest gerne und ausdauernd – und nicht zuletzt die Mindelheimer Zeitung. (stn)

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