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Bodenschätze im Unterallgäu

22.08.2017

In Egg könnte bald Öl gefördert werden

Rhein Petroleum sucht im Unterallgäu nach Erdöl.
Bild: Gernsbeck/Rhein Petroleum

Die Firma Rhein-Petroleum möchte in einem Gebiet, das auch die Gemeinde betrifft, auf schwarzes Gold stoßen. Die Räte haben Bedenken

Ein nicht alltäglicher Punkt stand jetzt bei der Sitzung des Egger Gemeinderats auf der Tagesordnung: das Thema Ölförderung. Grund war ein Antrag der Firma Rhein-Petroleum. Darin geht es um eine bergrechtliche Bewilligung für die Ölförderstätte „Lauben 7“ – und damit um eine Genehmigung für die Gewinnung von Kohlenwasserstoffen für die Dauer von 24 Jahren.

Erhält das Unternehmen die Bewilligung, so wird die dauerhafte Ölförderung in Gang kommen. Die Förderstelle und das betreffende Areal umfassen eine Fläche von 9,8 Quadratkilometern Umfang – teilweise auch auf dem Gebiet der Gemeinde Egg. Ein Teil des sogenannten Bewilligungsfeldes schließt sogar bebautes Gebiet in Egg mit ein und soll nach Meinung der Räte aus der bestehenden Planung herausgenommen werden.

In 1500 Meter Tiefe

Man werde das Plangebiet auf der Skizze verkleinern und der Stellungnahme der Gemeinde beilegen, betonte Bürgermeister Franz Morath. Da weitere Siedlungen in Egg nur im Süden und Westen möglich sind – wie zuletzt beim Baugebiet „Am Wasserwerk“ – sollen die angrenzenden Gebiete nach Auffassung des Gemeinderats nicht in die Bewilligung mit einbezogen werden. Morath erläuterte, dass zudem darauf geachtet werden sollte, dass die Produktionsanlagen in angemessener Distanz zur Wohnbebauung angesiedelt werden. Eine von der Gemeinde geforderte Verkleinerung des Bewilligungsfeldes hat nach Auffassung des Bergamts Südbayern keine Auswirkung auf das Fördergebiet. Ähnlich dem Grundwasser fließt das Erdöl in einer Tiefe von circa 1500 Metern aus allen Richtungen der Lagerstätte zu. Oberirdische Festlegungen haben darauf keinen Einfluss.

Klärungsbedarf sah die Gemeinde auch, was das Abfackeln von Gasen betrifft. Im Raum stand die Frage nach möglichen Auswirkungen, etwa Geruchsbelästigung, und danach, ob die Verbrennung ohne Rückstände verläuft. Der Bürgermeister verlas eine Stellungnahme des Bergamts Südbayern, wonach das Gas in der Fackel vollständig verbrannt werde und eine Gesundheitsgefährdung nach Kenntnis des Bergamts ausgeschlossen werden könne. Morath sprach sich dafür aus, dass überschüssiges Gas nicht verbrannt, sondern verwertet werden sollte: beispielsweise zum Antrieb der Fördertechnik.

Da größere Mengen Öl aus dem Plangebiet gefördert werden, wollte das Ratsgremium wissen, ob es durch diesen Prozess in rund 1500 Metern Tiefe zu Setzungen oder Hohlräumen kommen könne. Laut Bergamt ist es in der Fördergeschichte in Oberbayern, die bis etwa 1960 zurückreiche, bislang nicht zu Setzungen gekommen. Auch aufgrund der geringen Förderrate sei damit nicht zu rechnen.

Bis 1985 wurde bereits gefördert

Das Thema Erdöl ist generell nicht neu im Unterallgäu: Schon zwischen 1958 und 1985 wurden auf dem Ölfeld, das zwischen Lauben und Egg liegt, insgesamt rund 13400 Tonnen Erdöl gewonnen. Die Produktion wurde damals allerdings eingestellt, weil die Ölpreise gesunken waren. Mittlerweile gewinnt das schwarze Gold in der Region wieder an Bedeutung. So wurden beispielsweise in Bedernau und Lauben Erdölprobebohrungen und sogar Probeförderungen durchgeführt. Ausführendes Unternehmen ist in beiden Fällen die Firma Wintershall aus Kassel, eine Tochter des Chemiekonzerns BASF. Das Bergamt Südbayern hat erst im Januar die Erlaubnis bis 2018 verlängert, dass an diesen beiden Standorten Erdöl gefördert werden darf.

In Egg berichtete Morath nun, dass ein bis maximal zwei Tanklastzüge pro Tag abgefüllt werden sollen. Durch das künftige Fördergebiet verläuft auch die einzige Leitung zur Trinkwasserversorgung. Das Bergamt sieht hier keine Gefährdung, sei die Wasserleitung doch mehrere Kilometer von der Förderstätte entfernt. Ein besonderer Schutz für die Leitung sei also nicht erforderlich. Dass sie durch das Gewicht der Tankzüge beschädigt werden könnte, ist nach Ansicht des Bürgermeisters nicht zu befürchten. Er machte jedoch klar: Die Quellleitung zum Hochbehälter verlaufe nur wenige hundert Meter nördlich von der Förderstelle entfernt und dürfe nicht beschädigt werden. Die Räte stimmten zu, die geäußerten Bedenken in einer Stellungnahme weiterzuleiten – außerdem eine Skizze mit verkleinertem Bewilligungsfeld, das Baugebiete und „Potenzialflächen“ der Gemeinde Egg ausnimmt.

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