Newsticker

NRW will bei Verstoß gegen Maskenpflicht Sofort-Bußgeld von 150 Euro einführen
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. In Salgen wird es „schlüpfrig“

Umwelt

16.02.2018

In Salgen wird es „schlüpfrig“

Tausende von Baby-Bachforellen sorgen für großes Gewusel. Doch die Enge ist gut für die Jungfische, denn durch den herrschenden Futterneid, fressen die Tiere besser und wachsen heran. Und an Futter mangelt es ihnen im Fischereihof gewiss nicht.
3 Bilder
Tausende von Baby-Bachforellen sorgen für großes Gewusel. Doch die Enge ist gut für die Jungfische, denn durch den herrschenden Futterneid, fressen die Tiere besser und wachsen heran. Und an Futter mangelt es ihnen im Fischereihof gewiss nicht.
Bild: Ulla Gutmann

Im Fischereihof in Salgen herrscht jetzt Hochbetrieb. Es kommen Millionen von Fischen zur Welt.

An die tausend Besucher waren im vergangenen Juni beim „Tag der offenen Tür“ im Schwäbischen Fischereihof in Salgen auf den Beinen, um dort die „wunderbare Welt der Fische“ kennenzulernen. Man könnte also meinen, dass dort im Sommer Hochsaison herrscht. Doch weit gefehlt.

Denn tatsächlich geht es im Winter in der Einrichtung des Bezirks Schwaben ziemlich rund. Für die Fischereiberater ist jetzt „Erbrütungssaison“: Der Fischereihof wird gewissermaßen zur Geburtsstation. In Becken und Behältern, die aussehen wie auf dem Kopf stehende Flaschen, liegen nicht nur Tausende, sondern rund acht Millionen orangfarbener Fischeier dicht an dicht. Aus ihnen werden Saiblinge, Bach- und Seeforellen sowie Rutten schlüpfen. Bereits im Spätherbst haben die Mitarbeiter des Fischereihofs die Eier aus den Weibchen abgestreift, mit dem Samen der Männchen befruchtet und ins Bruthaus gebracht – künstliche Befruchtung in ganz großem Stil also.

Mit der natürlichen Fortpflanzung hapert es gewaltig

In Salgen wird es „schlüpfrig“

Sobald unter der Eihülle zwei schwarze Punkte zu sehen sind, die Augen der künftigen Fische, stellt der Fischereihof einen Gutteil der Bachforelleneier der Fischerjugend zur Verfügung: In wasserdurchlässigen Brutboxen setzen die Jugendlichen die Eier in verschiedene Bäche ein. Dort schlüpfen schließlich die Larven und schwimmen entweder selbst aus der Box oder werden aus dieser entlassen, erklärt Fischwirtschaftsmeister Guido Neumann. Denn mit der natürlichen Fortpflanzung hapert es gewaltig bei dem einstigen Allerweltsfisch, der eigentlich in jedem sauerstoffreichen, kühlen und klaren Bach heimisch ist.

Und deshalb helfen die Fischereiberater nach: Regelmäßig kontrollieren sie, ob alle Fischeier gesund sind. Nehmen sie eine gelblich-weiße Färbung an, ist das ein Zeichen dafür, dass sie abgestorben sind und aussortiert werden müssen. Sind die Fische und ihr Nachwuchs schließlich gut versorgt, heißt es für die Mitarbeiter des Fischereihofes wieder Siebe putzen, Teiche säubern und sich um den neuen Schulungsraum kümmern, der gerade entsteht.

Der Rohbau stand innerhalb von zwei Tagen, jetzt ist der Innenausbau dran: Es wird der Boden verlegt, die Elektrizität eingerichtet und die Heizung eingebaut. „Wir kommen zügig voran“, so der Leiter des Fischereihofs und der Fachberatung, Oliver Born.

Spektakuläre Unterwasseraufnahmen

Länger wurde an einem Film gearbeitet, der vor kurzem auf der Messe „Jagen und Fischen“ Premiere hatte. Ein Jahr hat es gedauert, bis das Werk des bekannten Naturfilmers Florian Guthknecht fertig war. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es sind spektakuläre Unterwasseraufnahmen unserer heimischen Gewässer entstanden. In dem 45-minütigen Film geht es um den „Donaulachs“, dem bis zu eineinhalb Meter langen Huchen. Wer ihm hilft, rettet die bayerischen Flüsse. Denn der Huchen ist auf sauberes, kaltes und sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Und er braucht naturbelassene Flüsse mit flachen Kiesbänken und tiefen Gumpen. Welche Bemühungen Oliver Born und seine Kollegen vom Schwäbischen Fischereihof für dieses Ziel unternehmen, kann man in dem Film „Der Donaulachs kehrt zurück“ sehen, der im Auftrag des Bayerischen Fernsehens entstand.

Der Film sei ein wichtiger Beitrag, um für den Natur- und Gewässerschutz zu sensibilisieren, so Born. Denn viele Bäche und Flüsse in der Region sind kanalisiert und deshalb extrem strukturarm. Die meisten einheimischen Flussfischarten benötigen jedoch lockeren Kies auf dem Gewässergrund, um ihre Eier erfolgreich ablegen zu können. Weil bei Regen aus ufernahen Äckern außerdem Oberflächenboden in die Gewässer geschwemmt wird, verschlammt das Kiesbett. Die zunehmende Verdichtung des Gewässergrundes beeinträchtigt eine natürliche Laichablage immer mehr und verhindert sie schließlich ganz. Folge: Bereits 90 Prozent der kieslaichenden Fische stehen auf der bayerischen „Roten Liste“ der bedrohten Arten.

Der Fischereihof in Salgen setzt alles daran, um die Lebensräume der Fische in den schwäbischen Gewässern zu verbessern, ihre Artenvielfalt zu erhalten und die Bevölkerung zu sensibilisieren – im Winter und im Sommer, wenn dann auch schon wieder der „Tag der offenen Tür“ am Sonntag, 17. Juni auf dem Programm steht. (mz, baus)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren