Newsticker

Söder fordert bundesweit einheitliche Regeln für regionale Corona-Gegenmaßnahmen
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. "In der nächsten Runde bin ich für Deutschland"

02.07.2010

"In der nächsten Runde bin ich für Deutschland"

Argentinien vor! Die Argentinierin Cintia Dominguez-Franieck in ihrem Mindelheimer Garten zusammen mit ihren Söhnen Nicolas (li.) und Valentin. Heute drückt sie ihrer Heimat die Daumen. Sollte Deutschland gewinnen, freut sie sich aber auch. Foto: Eisele
Bild: Eisele

Mindelheim Argentinien, das ist laut. Das ist tösend, chaotisch und extrovertiert. Das könnte man denken, wenn man das Land als Erstes mit seinem derzeit wohl bekanntesten Staatsbürger, dem unberechenbaren Fußballstar Diego Maradona gleichsetzt. Dass "Diego" derzeit in aller Munde ist, hat einen guten Grund: Maradona tritt heute im WM-Viertelfinale um 16 Uhr als Trainer der argentinischen Nationalmannschaft gegen die DFB-Elf an.

Das Argentinien auch anders sein kann, zeigt sich, wenn man sich mit Cintia Dominguez-Franieck unterhält. Die zierliche 33-jährige Mindelheimerin ist zurückhaltend, höflich und freundlich - und damit und in vielerlei Hinsicht ein Gegenstück zu Maradona.

Wer ein Gespräch auf Deutsch mit ihr beginnt, bekommt zuerst fast entschuldigend von ihr zu hören, dass ihr Deutsch schlecht sei - und doch alle Antworten in einer tadellosen Aussprache. Eine Gemeinsamkeit haben Cintia und Diego jedoch trotzdem: ihr Heimatland. Auch Cintia Dominguez-Franieck ist Argentinierin, seit vier Jahren wohnt sie mit ihrem Mann Jürgen in dessen Heimat Mindelheim.

Und doch: Am Wochenende hält sie, die sich eigentlich nur am Rande für Fußball interessiert, natürlich zu Argentinien. Unterstützung bekommt sie dabei von ihren beiden Söhnen, dem vierjährigen Valentin und dem zweijährigen Nicolas, die beide schon jeweils ein Trikot der Südamerikaner haben. Die Begeisterung für den Fußball sei in ihrem Heimatland viel größer als in Deutschland. "Wenn die Leute sich schon beschweren, wie verrückt die Leute sich nach einem Deutschland-Spiel verhalten, ist das immer noch kein Vergleich zu Argentinien", sagt Cintia. Dies mache es zugleich auch etwas gefährlicher, zu einem Fußballspiel zu gehen - oft sei auch eine Portion Gewalt im Spiel.

"In der nächsten Runde bin ich für Deutschland"

Die Oma aus Argentinien hält zu Deutschland

Überhaupt seien die Unterschiede zwischen den beiden Ländern riesig, sagt sie. "Die Struktur in Deutschland ist viel größer - in der Wirtschaft, beim Sozialen und was die Technologie angeht. Argentinien ist eben keine Industrienation." Dafür sei in ihrer Heimat eben auch vieles spontaner. "Wenn man mit jemanden einen Kaffee trinken möchte, braucht man keinen Termin dafür - das ist in Deutschland anders." Wenn sie mit ihren Eltern in Mendoza in der Nähe der chilenischen Grenze reden will, muss sie eigentlich nur eine Regel beachten: die Zeitverschiebung. Fünf Stunden liegt Argentinien hinter Deutschland. Das Thema Fußball war in den vergangenen Tagen aber dennoch kein großes Thema. "Meinen Eltern ist Fußball auch nicht wichtig, nur mein Bruder ist ein fanatischer Fan. Aber meine Oma hält immer zu Deutschland - wegen meines deutschen Mannes", sagt Cintia lachend.

Ob ihre Oma bald wieder etwas zu Jubeln hat, wird sich heute nachmittag entscheiden. Das Spiel wird die Familie wohl bei Freunden verfolgen. Dass auch hier der Fußball nicht so verbissen genommen wird, zeigt die Nationalität der Gastgeber. Es sind teils Mexikaner - deren Mannschaft ist an Argentinien gescheitert.

Cintias eigener Tipp lautet salomonisch: "Ich würde mich über ein 1:1 freuen, das dann ins Elfmeterschießen geht." Und wenn Deutschland weiterkommt? "Dann bin ich in der nächsten Runde natürlich für Deutschland. Mir ist das ja nicht so wichtig." Und schon wieder ein Unterschied zu Diego. Dass er den Spielverlauf so locker sieht, darf stark bezweifelt werden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren