Mindelheim/München Im Freistaat enden die meisten E-Mail-Adressen mit der Landeskennung „.de“. Künftig soll auch „.bayern“ möglich sein. Das hat gestern der Bayerische Ministerrat beschlossen. Firmen und Privatleute sollen „.bayern“ als Endung dann nutzen können, wobei die Kosten noch nicht feststehen. „by“ übrigens schied aus. Diese Kennung hat sich bereits Weißrussland gesichert. Wir sprachen mit dem in Mindelheim wohnenden IT-Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Staatssekretär Franz-Josef Pschierer.
Was hat der Ministerrat gestern beschlossen?
Pschierer: Vor kurzem hat die amerikanische Internetorganisation ICANN neue Domain-Endungen beschlossen. 20 Jahre nach Start des Internets können jetzt zum ersten Mal in der Geschichte des Internets frei wählbare Begriffe – also zum Beispiel auch „.bayern“ – als Internetadress-Endung registriert werden. Voraussetzung dafür ist ein Empfehlungsschreiben des Freistaates. Wer das bekommt, wollen wir ab heute durch eine Ausschreibung ermitteln. Dazu hat das Kabinett den Startschuss gegeben.
Was erhoffen Sie sich von einer solchen Internetadresse?
Pschierer: Drei Aspekte: eine solche Internet-Kennung eröffnet konkrete Chancen für das bayerische Standortmarketing, sie stärkt die regionale Identität und wird sicher auch von der bayerischen Wirtschaft genutzt werden. Ich bin mir sicher, dass dies erheblich zur Stärkung der „Marke“ Bayern im weltweiten Netz beitragen wird.
Wir setzen außerdem auf ein privatwirtschaftliches Betreibermodell, das heißt, nicht der Freistaat wird die Domain unterhalten, sondern ein privates Unternehmen. Mit einem Betreibervertrag werden wir sicherstellen, dass mit dem Namen Bayern kein Schindluder getrieben werden kann.
Wieso macht das nicht der Freistaat selbst?
Pschierer: Der Betrieb einer Internet-Domain ist keine staatliche Kernaufgabe. Wir müssten zusätzliches Personal beschäftigen – Techniker, Juristen, Vertriebsleute – und Hardware anschaffen und unterhalten. Das kann ebenso gut – wenn nicht besser – ein zuverlässiges privates Unternehmen.
Aber: der Freistaat will sich bei der Verwaltung von „.bayern“ ein starkes Mitspracherecht vorbehalten. Eine missbräuchliche Verwendung unseres Landesnamens werden wir nicht zulassen. nazi.bayern soll es nicht geben.
Was kostet die neue Domain den Steuerzahler?
Pschierer: Das private Betreibermodell kostet den Steuerzahler gar nichts. Im Gegenteil: wenn der Freistaat sich um die Domain bewirbt, wären erst mal 185000 US-Dollar an Bewerbungsgebühren fällig – von den Kosten für Server ecetera ganz zu schweigen. Und: weil ohne unser Empfehlungsschreiben nichts geht, können wir uns sogar kostenfrei die Nutzung von Adressen wie finanzministerium.bayern sichern.
Ab wann kann ich mir eine Homepage mit der Endung .bayern reservieren?
Pschierer: Das Zeitfenster für die Bewerbung des privaten Bewerbers bei der ICANN startet im Januar 2012 und läuft bis April. Ich gehe davon aus, dass die ersten Domains mit der Endung „.bayern“ Anfang 2013 online gehen können. (jsto)