1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Ironische Pinselstriche

Fasching

20.02.2014

Ironische Pinselstriche

Eine Werkstatt, vier Männer, eine Idee: Erwin Heiler, Hermann Mautz, Manfred Mayer und Thomas Müller vom Theaterverein Zaisertshofen gestalten ein Teil der Aufbauten ihres traditionellen Faschingswagens. Am Sonntag ist beim närrischen Umzug in Zaisertshofen das Gesamtkunstwerk zu sehen.
Bild: Axel Schmidt

Die Mitglieder des Theatervereins Zaisertshofen zählen zu den fleißigsten Wagenbauern in der närrischen Zeit. In diesem Jahr war die Themenfindung zwar schwer, aber nicht unmöglich

Zaisertshofen Noch sind es nur einzelne Holz- und Papptafeln, die in einer Werkstatt mit niedriger Decke in Zaisertshofen an der Werkbank lehnen. Manche sind bereits fertig bemalt und beschriftet, auf einem Holzteil ist noch der Schriftzug „Holetschek packt’s an“ zu lesen – ein Überbleibsel aus der vergangenen Faschingssaison, als sich der Theaterverein Zaisertshofen des Umzugs der Firma Tricor nach Bad Wörishofen annahm.

Für den Faschingsumzug am kommenden Sonntag in Zaisertshofen wird aber auch das Schild noch übermalt werden. Mit einem griffigen Spruch zum diesjährigen Motto der „Blau-weißen Komödie“. So nennt der Theaterverein seit Jahren seinen Faschingswagen. „Wir nehmen uns immer ein Thema aus Mindelheim, Bad Wörishofen oder dem Landkreis als Vorlage“, sagt Hermann Mautz. Er ist einer der kreativen Köpfe des Theatervereins, die sich Thema, Sprüchlein und Aufbau des Wagens überlegen. Auch Manfred Mayer, Erwin Heiler und Vereinsvorsitzender Thomas Müller gehören dazu. „Es ist einfach eine Tradition, die wir fortführen“, sagt Müller, der selbst wenig mit Fasching am Hut hat, wie er zugibt. „Wir sind die treuesten Wagenbauer“, sagt Mautz stolz. Seit die örtliche Faschingsgesellschaft Zaisonarria den Umzug in Zaisertshofen organisiert, sind die Theaterfreunde mit einem eigenen Wagen dabei. Früher waren sie dabei eine Zugnummer unter mehreren, die Politik und Lokalgeschehen aufs Korn nahmen. Heute sind es nur noch zwei Gruppen, die sich ans Wagenbauen machen. Der Theaterverein und der Schützenverein. Letzterer nimmt sich traditionell der Bundespolitik an, die Theaterfreunde suchen sich ein lokales Thema. Heuer wurden sie in Mindelheim fündig, so viel sei schon verraten.

„Viele Vereine, die früher einen Wagen gebaut haben, stellen mittlerweile Fußgruppen. Sie sind also weiterhin beim Umzug aktiv dabei, aber eben nicht mehr mit einem eigenen Faschingswagen“, sagt Mautz. Doch es gibt auch andere Ursachen für das Verschwinden der Faschingswagen. Die strengen Auflagen, die fehlende Zeit, der TÜV: „Sogar wir mit unserem Hupferle müssen jedes Jahr beim TÜV vorstellig werden“, sagt Manfred Mayer. Das „Hupferle“ ist ein 15 PS-starker Eicher-Bulldog. „Wenn wir mit dem am Umzug in Mindelheim teilnehmen wollten, müssten wir einen Tag vorher losfahren und in Mattsies übernachten“, sagt Erwin Heiler und lacht.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Früher seien sie schon ab und zu in Mindelheim zu Gast gewesen. „Wir haben auch schon Preise gewonnen“, erinnert sich Mautz. Doch der Termin, der Donnerstag, sei mittlerweile einfach ungünstig. Sämtliche Mitfahrer müssten extra Urlaub nehmen, um beim „Gumpigen“ in Mindelheim dabei zu sein.

Aufwendige Vorbereitungen

Doch auch für diesen einen Auftritt am Sonntag im eigenen Dorf nehmen die Theaterfreunde eine Menge auf sich. Im Vorfeld trafen sie sich drei, vier Mal, um das Thema und die passenden Sprüche und Motive festzulegen. Der nächste Arbeitsschritt ist das Malen und Beschriften der Schilder. „Da sind wir immer zu zweit, zu dritt“, sagt Mautz. Beim eigentlichen Aufbau wenige Tage vor dem großen Auftritt sind dann zwischen 15 und 20 Personen im Einsatz. Gerade in diesem Jahr ist dies eine besondere Herausforderung für den Verein, schließlich stecken die Laienschauspieler wieder mitten in den Proben. Weil sich ein Hauptdarsteller im November beim Fußball verletzt hatte, mussten einige Vorstellungen abgesagt werden. Diese sollen nun nach dem Fasching nachgeholt werden. „Trotzdem haben wir uns die Zeit für den Wagenbau genommen“, so Mautz.

So, wie in früheren Jahren, als das neue Parkhaus am Ochsenareal in Mindelheim („Da Ochsa kennt a jeder Depp, bloß des Parkhaus find ma ned.“) oder der selten auf dem Land anzutreffende Landrat („Weirather kommt nid.“) Thema waren. Letzteres Motto, das 2009 durch Zaisertshofen rollte, verfehlte seine Wirkung nicht, wie Hermann Mautz lachend feststellt: „Seitdem ist der Landrat Stammgast bei uns.“

Umzug Der traditionelle Faschingsumzug in Zaisertshofen findet am kommenden Sonntag, 23. Februar, statt. Beginn des närrischen Spektakels ist um 13.33 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren