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Bad Wörishofen

02.07.2019

Jäger der bedrohten Schätze

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4 Bilder
Manfred Kast in Aktion. Etwa 200 Pflanzen hat der Naturfreund in Bad Wörishofen und den Stadtteilen bereits fotografiert und dokumentiert. Am Ziel ist er noch lange nicht, denn das Projekt ist enorm.
Bild: Franz Issing

Manfred Kast geht täglich auf Foto-Safari in Bad Wörishofen. Sein Ziel ist ambitioniert. Es geht um das Artensterben.

Das Arten- und Bienensterben ist derzeit in aller Munde und nimmt auch im Allgäu dramatische Formen an. Botaniker sprechen gar vom größten „Floraschwund“ aller Zeiten. Wie ist die Situation in Bad Wörishofen? Das wollen der Förderverein „Sebastian-Kneipp-Museum“ und der Verschönerungsverein Bad Wörishofen deshalb nun ganz genau wissen. Sie erstellen eine Bestandsaufnahme für das Gemeindegebiet Wörishofen und die Ortsteile. Dies dürfte ganz im Sinne des Kur- und Tourismusbetriebes sein, der die Kneipp‘sche Säule „Heilkräuter“ als Jahresmotto gewählt hat. Die große Aufgabe übernommen hat Manfred Kast aus Bad Wörishofen. Er wird eine „botanische Datenbank“ für das Gemeindegebiet Wörishofen anlegen und darin alle im Jahreskreis vorkommenden Pflanzen im Bild fest halten.

Mit einer speziellen Makro-Kamera bewaffnet – „mit der kann ich überall herumkriechen“ – ist Kast nahezu täglich auf seinem „Drahtesel“ rund um Wörishofen und auch in den Ortsteilen unterwegs. Er spürt seltene und selten gewordene Gewächse auf. Kast dokumentiert aber auch, was sonst noch so auf grünen Wiesen, an Bahndämmen, Wegrändern oder in Gärten wächst.

Bei seiner Pirsch ist er sowohl in den Wertachauen, wie auch entlang des Haldenbaches zwischen Dorschhausen und Kirchdorf unterwegs. Etwa 200 Pflanzen, Blumen und Sträucher hat Kast bereits fotografiert und dabei mit Winkeln und Persektiven gespielt. Sein Ziel ist es, bis zum Abschluss des Projektes im Spätherbst 300 Arten zu dokumentieren.

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Die Standorte der seltensten Entdeckungen verrät der Wörishofer nicht

Manfred Kast geht bei seinen Exkursionen mit wachen Augen durch die Natur und spürt mit jeder Aufnahme auch der Seele der Pflanzen und Blumen nach. „Der Duft ihrer Blüten ist das Parfüm der Schöpfung“, bemerkt er und auch dass der aus ihrem Kelch strömende Geruch besondere Heilflüssigkeit verrät. Auf seinen Foto-Safaris hat sich der Naturfreund auch schon so ausgefallene Orchideen-Arten wie „Frauenschuh“ oder „weißes Waldvögelein“ aufgespürt. Doch die Standorte der seltenen und exotischen Blüher verrät er nicht. „Sonst sind dort bald nur noch Löcher zu finden, weil vermeintliche Naturschützer glauben, die Blumen retten zu müssen“, begründet er sein Schweigen.

Gerne hält sich Naturbursche Kast im Duft- und Aromgarten des Kurparks auf. „Das ist meine zweite Fundgrube, weil dort auf den Hügeln Pflanzen und Kräuter wachsen, die in der freien Natur nicht mehr vorkommen“, erklärt er. Der Hobbybotaniker hat sich in relativ kurzer Zeit großes Wissen angeeignet und dokumentiert, was ihm an seltenen Arten vor die Linse kam. Und auch seine fieberhafte Suche nach dem „Fieberklee“, der Standorte an klaren Gewässern liebt, war erfolgreich. Kast weiß eben, wo er suchen muss.

Einer kennt sich im Kurpark von Bad Wörishofen besonders gut aus

Auf dem Weg fachsimpelt Naturfreund Kast mit Armin Kasperl. Der Stadtgärtner ist ein echter Kenner der Flora im Kurpark, insbesondere der Gewächse im Duft- und Aromagarten. Von ihm kann auch Manfred Kast noch lernen. Und während er eine vom Weg abgekommene Häuslesschnecke – „damit sie in der prallen Sonne nicht vertrocknet“ – zurück in Gras befördert, lädt der Stadtgärtner zu einer Entdeckungstour ein, die unter anderem ins Unterholz oder dichte Gebüsche führt.

Kasperls Nachhilfe erweist sich als sehr interessant und aufschlussreich. Von ihm ist zu erfahren, dass die Gewürzpflanze Borretsch gerne von Insekten angeflogen wird und die „Spanische Schwarzwurzel“, wegen ihres Duftes auch „Schokoladenblume“ genannt, besonders bei Kindern beliebt ist. Der Stadtgärtner zupft an der „Kolchischen Pimpernuss“ und verrät, dass mit dem Mehl dieser Pflanze Speisen gewürzt werden können und das „Falsche Alraunenkraut“, der magischen Zauberwurzel zum Verwechseln ähnlich sieht.

Kasperl weist auch auf eine Rose hin, deren Blätter nach grünem Apfel riechen und schwärmt von der „Zaubernuss“, die im Winter blüht und animiert zum Riechen an den Blättern des „Winterschneeballs“, die im Sommer den Duft von Mohnbrötchen verströmen.

Das Pflanzen- und Heilkräuterprojekt des Förderkreises Sebastian-Kneipp-Museum und des Verschönerungsvereins kann sich sehen lassen. Es soll einen Vergleich zwischen früheren Pflanzenbeständen und noch vorhandenen Arten ziehen, aber auch neu hinzugekommene Pflanzen vorstellen. Die von Manfred Kast mit der Kamera dokumentierten Bilder sollen auch im Zuge der Neugestaltung das Kneipp-Museum bereichern und insbesondere die Säule „Heilpflanzen“ des Wasserdoktors ins rechte Licht rücken. Ob die Fotos einmal digital oder gedruckt erscheinen, ist noch nicht entschieden.

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