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Auftritt

14.11.2019

Kabarett mit Herz, Sinn und Verstand

Die drei Well-Schwestern Burgi, Bärbi und Moni begeistern mit ihrem musikalisch-politischen Kabarett. Im Mindelheimer Stadttheater gab es für die Wellküren wieder großen Beifall.
Foto: Schlegel

Die Wellküren bringen in ihrem Programm Humor und Haltung unter einen Hut

Sie können einfach alles, die drei Schwestern aus dem 17-köpfigen musikalischen Well-Haushalt aus Günzlhofen. Dabei hatte man den Schwestern immer erzählt, Stubenmusik sei die beste Empfängnisverhütung. Ja, die Eltern müssen es ja wissen. Jetzt waren sie im Stadttheater in Mindelheim zu Gast. Die Schwestern kommen aus der traditionellen Stubenmusik und sind ihr treu geblieben, haben sie aber erweitert – um Instrumente, um musikalische Ideen und vor allem um ein abendfüllendes Kabarettprogramm.

Die Wellküren boten dabei mehr gesellschaftlich relevante Themen als alle Kabarettisten, die im Herbst Mindelheim heimgesucht hatten, zusammen. Durchaus eine Wohltat, ein Programm mit Herz, Sinn und Verstand, herrlichem Humor und begeisterndem musikalischen Ideenreichtum.

Seit mittlerweile über 30 Jahren touren die Wellküren schon, seit 2004 in der aktuellen Formation mit Moni, Burgi und Bärbi Well. Sie besetzen für die Show ihre Rollen: Moni, die so gerne flucht und ausrastet und sich auch durch die Globuli ihrer Schwester Bärbi, der Amateur-Homöopathin, nicht beruhigen lässt. Burgi ist die große Schwester der Runde, die ruhende Mitte, der auch der herrlich-sonderbare Klang der Nonnentrompete zu verdanken ist. Sie spielen verschiedene Instrumente, von Harfe über Hackbrett hin zu Posaune, jener Nonnentrompete und diversen Percussioninstrumenten und singen natürlich in herrlichstem Dreigesang: etwa über die Orte, an denen sie schon aufgetreten sind, die Frühjahrsmode und den Irrsinn im Internet zu bestellen – „so ein special offer, da brauch ich für das ganze Klump an neuen Koffer“ –, und über die Sehnsucht nach Ruhe vor den sozialen Medien. „Teilen als sozialer Trend, ja hat denen denn keiner g’sagt, dass man nix nicht teilen kann?“

Herrlich und kraftvoll wird es auch, wenn Moni mal so richtig „ausflippen“ darf. Den Verein Stugida hätten sie gegründet: Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes, denn man halte es nicht mehr aus mit Trump, Seehofer, Söder und Co. Der opportunistische und miauende Wendehals Söder sei ein harter Kandidat, den bekäme man nicht einmal mit Stubenmusik klein, aber sie geben nicht auf. Auch „Drehhofer“ sei auf ihrer Liste zur Bekehrung zur Vernunft, Trump, oh weh, da werde es schwierig, und Moni Well läuft zum Schnellfeuer-Fluchen auf. Wie gut es wäre, die würden einfach alle Stubenmusik lernen, Putin etwa Harfe, dann wäre auch der aufgeräumt, bei Trump reicht es wohl nur zur Triangel. Und diese Weidel erst. „Während manche Menschen Haare auf den Zähnen haben, hat die Weidel auf jedem Zahn ne eigene Frisur.“ Menschenfeindliches Verhalten wird gnadenlos aufgezeigt, Moni Well nimmt da kein Blatt vor den Mund. Gut so. Die Wellküren haben das, was vielen Kollegen abzugehen scheint: Sie haben neben ihren vielen großartigen musikalischen Talenten noch richtig Euphorie und Feuer im Herzen, ihr Auftritt wirkt voller Energie und der Hoffnung, die Menschen zu unterhalten, aber dennoch eine ganz klare Haltung zu transportieren. Besser kann man das nicht machen.

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