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Mission

12.02.2015

Kampf den stillen Örtchen

Eingesessene Faschingsvereine bekehren ihre zurückhaltenden Nachbarn und tilgen damit weiße Flecken aus der Narrenkarte

So viel blaues Blut war nie: Ein dreifach Helau auf die Unterallgäuer! Überall leben Prinzessinnen, Prinzen und ganze Hofstaatereien, die dem Sonnenkönig Ludwig XIV. aber auch in nichts an Pomp und Glitzer nachstehen.

Und doch müssen wir betrübt vermelden: Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Faschingslandkarte des östlichen Unterallgäus – und zwar weit mehr, als die obige Karte zeigt. (Um an diesem ausgelassenen Tag nicht allzu sehr zu schockieren, haben wir von Vollständigkeit abgesehen.) Nur von Ferne dringen ein paar fröhliche Musikfetzen an die Ohren der armen Menschen in eben diesen Flecken, wenn im Nachbarort gerade der Krönungsball seinem Höhepunkt entgegensteuert. Dabei ist klar: Auch in den stillen Örtchen leben Unterallgäuer, die schon von ihrem innersten Wesen her Stimmungskanonen sind. Es merkt halt nicht gleich jeder.

Und so haben die Faschingsgesellschaften nun einen Geheimplan ausgetüftelt, dessen Ausmaße allenfalls an die Christianisierung des Abendlandes heranreicht. Am Ende des spätrömischen Reiches waren bekanntlich irische Mönche losgezogen und haben die finsteren Germanen dem Christentum zugeführt. Da wurde landauf, landab gepredigt und getauft. So ähnlich soll es jetzt mit der Missionierung aller Unterallgäuer Faschingsmuffel geschehen.

Geplant ist folgendes: Jede Faschingshochburg nimmt sich am heutigen Gumpigen Donnerstag einen Nachbarn vor, der bisher seine Fröhlichkeit sehr gezügelt hat ausbrechen lassen. Nehmen wir zum Beispiel Mattsies und Zaisertshofen. Die beiden Faschingsgesellschaften Mattsiesonia und Zaisonarria kommen rüber nach Tussenhausen. Jeder wird zu einem Tänzchen eingeladen und auf die neuen Faschingsjünger geht ein wahrer Konfetti- und Kamellenregen nieder. Zu vorgerückter Stunde gründet sich dann ganz spontan die Tussilonia.

Davon angestachelt, traun sich auch die Traunrieder und schleudern unter juchhe die Beine in die Höh. In Katzenhirn zermartert man sich derweil selbiges bei der Suche nach einem passenden höfischen Namen und auch in Ohnsang wird noch gehadert, weil insbesondere in der närrischen Zeit ja sehr wohl gesungen wird und die Verwendung des Ortnamens keine dem Feiern abholde Stimmung verbreiten soll.

In Egelhofen entbrennt eine Diskussion, ob ein Blutegel mit Pappnase und Hütchen wirklich ein adäquates Maskottchen für die soeben ins Leben gerufene Egelhofia ist. Die Höllberger sind da schon mindestens einen Schritt weiter und üben eifrig ihren Schlachtruf „Hölle, Hölle, Hölle“, der schon Jahrzehnte vor Gründung der Höllbergaria zum Pflichtprogramm eines jeden Faschingsballs gehörte und insofern – in der jetzt offiziellen Vereins-Version – längst überfällig war. In Mörgen stimmen die Faschingsfreunde ein dreifach donnerndes „Wir machen durch bis Mörgen früh und singen bumsfallera“ an und in Westernach ist sogar schon ein Motto für die Elferratseinlage gefunden, die bis Rosenmontag noch flugs einstudiert wird: Unter dem schmachtenden Titel „Western – ach!“ zeigen elf gestandene Mannsbilder in Frauenkleidern einen atemberaubenden Cancan – und viel haariges Bein. Daraus entsteht die Idee, in der nächsten Saison etwas mit Spinnen zu machen.

Die Missionare aus Breitenbrunn wagen sich zunächst nach Bedernau, wo sie sich genug Mut antrinken, um sich schließlich auch auf den Weg nach Loppenhausen zu machen. Von Rückkehrern wird allerdings nichts bekannt. Davon unbeeindruckt schnürt die Dirlewanger Narrwangia die Gardestiefel und marschiert nach Unter- und Oberegg. Eine berittene Staffel wird zudem nach Rappen entsandt.

Großes steht also bevor: Schon in wenigen Jahren wird das Unterallgäu den Titel Faschingshochburg endlich zu recht tragen.

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