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Engetried

17.08.2020

Kapelle bei Engetried muss dem Hochwasserbecken weichen

Die Kreuzkapelle südlich von Engetried mit ihrem markanten Dachreiter wird im Zuge des Baus eines Hochwasserrückhaltebeckens abgebrochen und auf dem Dammbauwerk neu aufgebaut.
Bild: Franz Kustermann

Plus Das Gotteshaus mit historischen Wurzeln verschwindet aber nicht: Es wird abgebaut und auf einem Damm bei Engetried neu errichtet.

Im 17. Jahrhundert wurde südlich von Engetried nach der damals im Allgäu grassierenden Pest ein Flurkreuz aufgestellt. Im 18. Jahrhundert wurde das sogenannte „Pestkreuz“ dann mit einer Kapelle überbaut. Nachdem das Kleinod nach so langer Zeit stark verfallen war, wurde an diesem Standort im Jahr 1985 wieder ein neues Bauwerk errichtet: die „Kreuzkapelle“. Genau an dieser Stelle bis zur östlichen Hangkante soll nun ein bis zu zehn Meter hoher Damm für das Hochwasser-Rückhaltebecken Engetried errichtet werden, um den Ort und die umliegenden Gemeinden bei einem hundertjährlichen Hochwasser vor Überflutung zu schützen.

Das Inventar und die denkmalgeschützte Ausstattung wird gesichert

Die Kapelle muss laut Johannes Vetter, Projektleiter der Abteilung Neubau am Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kempten, im Zuge dieser dringend notwendigen Schutzmaßnahme merklich höher gesetzt werden. Die einst auf Grundlagen des Konstruktionsbüros Hans Boxler (Markt Rettenbach) erbaute Kapelle wird nun also im Zuge der Dammbaumaßnahme abgerissen und anschließend oben auf der Dammkrone wieder neu aufgebaut: Zuerst werden das Inventar und die denkmalgeschützten Gegenstände – Kruzifix, Altar, Bänke, Fenster und Türen – gesichert. Danach sollen das Dach zurückgebaut und der Dachstuhl mit dem Dachreiter samt Glocke eingelagert werden.

Nach dem Totalabbruch des restlichen Gebäudes wird die Kapelle fast am gleichen Standort unter Verwendung der gesicherten Bauteile auf dem neuen Höhenniveau (rund dreieinhalb Meter höher) wieder neu aufgebaut. Vetter freut sich: „Somit wird die Kapelle um dieses Maß nach oben verlegt und erhält zugleich einen sehr repräsentativen, neuen Standort auf der Krone des Damms, ist also weithin sichtbar.“ Die Kapelle werde dabei auf dem höchsten Punkt des Damms platziert. Von Westen her ist das Gotteshaus dann über den Dammkronenweg (mit direkter Anbindung zum Fuß- und Radweg) erreichbar. Da Fundament, Bodenplatte, Mauern und Dacheindeckung „noch recht junge Bauteile“ sind und „keinen großen historischen Wert“ darstellen, werden hierfür neue Baumaterialien verwendet. „Bestandsorientiert“ sollen die Wände jedoch, wie bisher, mit Betonsteinen und einer verputzten Innenseite gestaltet werden. Die Außen-Fassade wird weiterhin mit einer Holzdeckelschalung ausgestattet. Soweit dies möglich ist, soll das alte Dachgebälk wiederverwendet werden, allerdings mit neuen Dachziegeln belegt.

Ein Umsetzen der Engetrieder Kapelle als Ganzes wäre möglich aber teuer

Laut Vetter wird auf die „Anhebung im Ganzen“ bewusst verzichtet und das Bauwerk ganz abgebrochen und wieder neu aufgebaut. Eine Anhebung und Verlegung im Gesamten – eine sogenannte Translozierung – der etwa 95 Tonnen schweren Kapelle wäre laut Vetter „zwar möglich, aber sehr kostenintensiv, denn dies würde ein Vielfaches der Abbruch- und Neubaukosten verschlingen“. Da die Kapelle aufgrund ihres jungen geschichtlichen Hintergrunds nicht unter Denkmalschutz stehe, wäre eine Translozierung aber wirtschaftlich nicht vertretbar. Der Dachstuhl – sofern er wiederverwendet werden kann – soll eventuell mit einem kleinen Kran abgehoben werden. Der finanzielle Aufwand für „Abbruch und Wiederaufbau des alten Zustandes“ beträgt laut einer aktuellen Berechnung etwa 100.000 Euro. Sie fließen voll in das Dammprojekt ein und werden damit größtenteils vom Freistaat Bayern getragen. Von der Pfarrgemeinde sind nur kleine Anpassungen an der Verschalung der Außenseite und der Elektrik geplant, ohne das Gesamtbild maßgeblich zu verändern. Die Kosten hierfür müssen allerdings von der Pfarrei selbst getragen werden. Der Projektleiter rechnet für die Hauptarbeiten des Hochwasserrückhaltebeckens mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren.

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