Unterallgäu

15.07.2015

Kein Herz für Tiere?

Das Tierheim Beckstetten fordert, Gemeinden müssten es finanziell unterstützen. Für deren Fundtiere wie Coco wäre sonst kein Platz mehr.
Bild: Matthias Wild (Archiv)

Nur drei Gemeinden in der Region beteiligen sich an der Finanzierung des Tierheims. Das kann sie teuer zu stehen kommen.

Es ist der nächste Akt einer langen Geschichte. Diesmal waren drei Kaninchen der Auslöser für eine erneute Diskussion um die finanzielle Unterstützung von Gemeinden für Tierheime.

Gefunden wurden die Tiere bereits im Februar in Mörgen, einem Ortsteil der Gemeinde Eppishausen. Da kein Besitzer ausfindig gemacht werden konnte, wurde das zuständige Tierheim Beckstetten um Hilfe gebeten. Die Pfleger holten die Kaninchen ab und brachten sie unter. Es stellte sich heraus, dass die Tiere an einem Schnupfen litten, berichtet der Eppishauser Bürgermeister Josef Kerler, der damit einverstanden war, dass die sie im Tierheim Beckstetten zur Behandlung untergebracht wurden. Das Problem: Die Gemeinde Eppishausen beteiligt sich nicht an den laufenden Kosten des Tierheims, muss also die entstehenden Kosten voll tragen. Im Falle der drei Kaninchen sollte Josef Kerler 624,95 Euro überweisen. Der konnte seinen Augen nicht trauen und verlangte eine detaillierte Auflistung der Kostenpunkte.

Tierschutzbund empfiehlt Gemeinden, pauschale Abmachungen zu treffen

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Die konnte ihm der Vorsitzende des Tierheims Beckstetten, Stefan Mitscherling, auch vorzeigen. „Die Tiere waren schwer krank. Der Großteil der Rechnung setzt sich aus Behandlungskosten durch den Tierarzt zusammen“, erklärt er. Der Rest sei für Verpflegung und Unterbringung.

Um bösen Überraschungen wie dieser zu entgehen, empfiehlt der Tierschutzbund den Gemeinden, pauschale Abmachungen mit den zuständigen Tierheimen zu treffen. Einen Euro pro Einwohner im Jahr sollen der Empfehlung nach gezahlt werden. Das würde die finanzielle Situation der Unterkünfte erheblich verbessern. Weil man stets eine gewisse Anzahl an Plätzen vorhalten müsse, habe man auch hohe Kosten zu tragen, wenn gerade keine Tiere gefunden werden, so Mitscherling.

Momentan gibt es jedoch nur drei Gemeinden beziehungsweise Städte im Unterallgäu, die die Finanzierung mittragen: Mindelheim, Bad Wörishofen und Türkheim. Die übrigen Gemeinden, die in den Zuständigkeitsbereich von Beckstetten fallen, würden die Fundtier-Problematik schlichtweg ignorieren, klagt Stefan Mitscherling. Auf der Bürgermeisterdienstbesprechung hat er erneut versucht, die Gemeindevertreter zu überzeugen. Ohne Erfolg.

Kerler: Für die Kommunen rechnet sich die Abgabe nicht

Für die Kommunen würde sich die Pauschalabgabe nicht lohnen, rechnet Josef Kerler vor: „Wir müssten pro Jahr 1850 Euro zahlen. Während meiner siebenjährigen Amtszeit gab es aber nur drei oder vier Fälle.“ Akzeptieren will das Tierheim das nicht. Gemeinden seien gesetzlich verpflichtet, die Kosten für Fundtiere zu tragen, sagt Mitscherling, dazu gehöre auch eine angemessene Unterbringung. Als der neue Leiter seinen Posten vor zwei Jahren angetreten hat, blieb das Tierheim jährlich auf 80000 Euro sitzen. Mittlerweile würden sich die Gemeinden im Ostallgäu mit 60 Cent pro Einwohner beteiligen. Auch Kaufbeuren zahle bereits.

Immerhin ging die Geschichte für die drei Kaninchen gut zu Ende: Josef Kerler konnte für die mittlerweile gesunden Tiere ein neues Zuhause finden. Die Rechnung hat er natürlich auch bezahlt.

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