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Mindelheimer Stadtzgeschichte

09.12.2017

Kein alltägliches Haus

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5 Bilder
So hat es einst in dem alten Haus ausgesehen. 2009 wurde im Heimatmuseum eine Schau mit den Schätzen von Krippele-Rosa gezeigt.
Bild: Haber

Genau 300 Jahre alt ist das Gebäude, das mittlerweile das Café K beherbergt

Stolz prangt die verschlungene Jahreszahl am Giebel des türkisen Hauses in der Dreerstraße: 1717. Stolz ist auch Elke Knöller- Lutz auf ihr 300 Jahre altes Häuschen, in dem sie wohnt. „Ich habe viele Jahre lang schon hier um die Ecke gearbeitet und mich damals schon in dieses Haus verliebt“, gibt sie zu. Dass sie, die im Schwarzwald aufgewachsen ist und der Liebe wegen nach Mindelheim kam, jetzt als Café-Betreiberin auch hier zur Miete wohnen kann, das ist für sie die Erfüllung eines Traums. „Natürlich ist ein Altbau nicht pflegeleicht, aber ich kann mir schon gar nicht mehr vorstellen in einem neuen Haus zu wohnen. Da fehlt einfach der Charme.“

Doch nicht nur das Gebäude liegt ihr am Herzen, auch die jüngere Geschichte des Hauses bewahrt sie in Bildern und Zeitungsausschnitten auf. Sie weiß: „Die Krippele-Rosa gibt dem Haus einen Namen und ist den Mindelheimern einfach ein Begriff. “ Sie kennt auch den Film von Donat Waltenberger über das Mindelheimer Original, das so viele Krippen auf den drei Stockwerken gesammelt hat, dass ihr selbst nur noch ein einziger Raum zur Verfügung stand, in dem sie wohnte.

Lange Liste der Besitzer und Bewohner

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Weiter zurück als bis zur Krippele-Rosa reicht ihr Wissen über die alten Mauern jedoch nicht. Dafür hat sich Stadtarchivar Andreas Steigerwald für die Mindelheimer Zeitung auf die Suche gemacht und konnte die Besitzer und Bewohner bis ins Jahr 1811 zurückverfolgen. Leider nicht bis 1717: „Davor gab es das Steuerverzeichnis der Häuser von 1750, in diesem sind jedoch die Gebäude gänzlich anders nummeriert als in dem Rustikal- und Häuser-Steuer-Kataster von 1810“, so Steigerwald.

Er vermutet, dass aufgrund der Lage in der Innenstadt wahrscheinlich schon ein Vorgängerbau viel früher errichtet wurde. Dieser könnte beim Rathausbrand im Jahr 1658 beschädigt worden sein. „Das Haus in seinem jetzigen Aussehen dürfte also in der Zeit der kurfürstlichen Herrschaftspfleger der Freiherren von Zündt zu Kenzingen erbaut worden sein“, tippt der Stadtarchivar. Bauliche Änderdungen sind im Archiv nicht nachweisbar, erst Anfang des 20. Jahrhunderts ist in einer Bauakte belegt, dass Toiletten und eine weitere Wohnung im Haus eingebaut wurden. Der Besitzer war zu diesem Zeitpunkt Dismas Scheitle, ein Maurer.

Vor ihm wohnte Bernhard Kerker, ein Bräuknecht (1829 bis 1868), und vor diesem der Drechsler Alois Hölzle (1811 bis 1828) in dem Haus. Die Familie Xaver Maier wohnte ab 1911 in der Dreerstraße 13. Der Vater von Rosina wurde im Ersten Weltkrieg verwundet und starb als Kriegsversehrter im Jahr 1917. Bereits ab 1914 ist seine Frau Viktoria Maier als offizielle Besitzerin eingetragen, und von 1963 bis 1992 dann Tochter Rosina Maier, die alle später als Rosa kannten. Nachdem die Krippele-Rosa gestorben war, hat die Stadt das Haus erworben, später kaufte Wilfried Rampp das heruntergekommene Gebäude und sanierte es im Jahr 1997 gründlich. Auch diese Jahreszahl ist an der Fassade verewigt.

Abgeblätterter Putz und heruntergekommene Räume

Die Bilder, die Elke Knöller-Lutz von der Zeit vor der Sanierung besitzt, zeigen abgeblätterten Putz und heruntergekommene Räume. Rampp gefiel die Idee des Cafés sehr und er unterstützte sie. Trotzdem benötigte die heutige Betreiberin fast ein Jahr, bis sie das Café 2005 eröffnen konnte. Auch eine Hauswirtschaftslehre machte sie, um für ihre Gäste gerüstet zu sein. „Ich komme ja aus der Verwaltung beziehungsweise aus der Bank und hatte zu diesem Zeitpunkt eigentlich wenig Ahnung vom Gastgewerbe“, gibt sie zu. Doch während sie die Behördengeschichten erledigte, sanierte sie und richtete sie gleich noch die Räume so ein, bis diese ihren Wünschen entsprachen. Alte Stühle, antike Bilder, dazu freigelegte Stellen mit der früheren Wandbemalung: Vor allem die Räume im ersten Stock sind ein tolles Beispiel ihres individuellen Einrichtungsstils.

Das Cafe wird in einem Buch erwähnt

„Ganz besonders freut es mich, dass ich im Buch „111 Orte die man im Allgäu gesehen haben muss“ auftauche“, gesteht Knöller-Lutz. Wohl auch durch diese Empfehlung kehren immer mal wieder ganze Gruppen von Touristen bei ihr ein. Trotzdem sind die hauptsächlichen Kunden im kuschligen Café K die treuen Stammgäste. Auf diese ist die Inhaberin auch in der nächsten Zeit dringend angewiesen. Die große Baustelle gleich neben dem historischen Gebäude hat die Zahl der Gäste spürbar schrumpfen lassen. Vor allem die Besucher, die im Spätsommer und Herbst an den warmen Tagen noch gerne an den Tischen draußen saßen, konnten dies wegen des fehlenden Platzes rund um die Baugrube in diesem Jahr nur äußerst beschränkt tun.

Was kommt, wird sich zeigen, meint Knöller-Lutz geduldig. Sie hofft jedoch, dass die selbst gemachten Köstlichkeiten und frisch hergestellten Speisen auch in Zukunft noch viele Gäste in die Dreerstraße locken. Oder aber Menschen, die sich noch an die Krippele-Rosa und ihre große Sammelleidenschaft erinnern.

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