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Bad Wörishofen

11.01.2021

Klosterschwester: So gelingt das zurückgezogene Leben

Schwester Franziska Brenner, die Priorin der Bad Wörishofer Dominikanerinnen, kann sich vorstellen, dass gerade in diesen Tagen manche ihrer Lebens- und Glaubenserfahrungen auch einsamen, gestressten oder frustrierten Menschen helfen könnten.
Bild: Bernhard Ledermann

Plus Schwester Franziska Brenner vom Bad Wörishofer Dominikanerinnenkloster berichtet aus dem klösterlichen Leben. Die Corona-Pandemie veranlasst sie zu manchen Mahnungen.

Seit einigen Tagen steht es fest: der Lockdown wird verlängert. Bis Ende Januar. Mindestens. Von den Einschränkungen fühlen sich zunehmend mehr Menschen geplagt. „Ich habe Verständnis, wenn manche Menschen sagen, es ist hart und schwer“, meint Schwester Franziska Brenner, die Priorin der Bad Wörishofer Dominikanerinnen. Als Ordensfrau hat sie freiwillig ein Leben in Einfachheit und Zurückgezogenheit gewählt. Parallelen zum Leben im Lockdown, von dem gerade das ganze Land betroffen ist, will sie aber nicht ziehen. Möglicherweise würden sich die Ordensfrauen wegen ihrer über Generationen praktizierten Lebensform etwas leichter tun, mit der aktuellen Situation umzugehen, meint die Vorsteherin des Wörishofer Dominikanerinnenklosters, das in diesem Jahr sein 300-jähriges Bestehen feiern kann.

Die Klostergemeinschaft denkt in diesen Tagen viel über die von einer Pandemie schwer getroffene Welt, über ihre Mitmenschen und über ihr Kloster nach. „Im Kloster haben wir eine Tagesordnung. Jeder Tag ist strukturiert“, berichtet Schwester Franziska. Am Morgen beginnen die Schwestern mit der Laudes, dem kirchlichen Morgengebet, und der Feier der Heiligen Messe in der Früh um sieben Uhr. „Ich schätze die äußere Ordnung, die auch eine innere Ordnung schafft“, erläutert die Priorin.

Das klösterliche Leben fällt ihr manchmal einfach und manchmal schwerer

Sie kann sich vorstellen, dass gerade in diesen Tagen manche ihrer Lebens- und Glaubenserfahrungen auch einsamen, gestressten oder frustrierten Menschen helfen könnten. Schwester Franziska möchte allerdings nicht besserwisserisch auftreten. Schon gar nicht nach den Erfahrungen, die sie in den vergangenen Monaten machen musste. Manchmal falle ihr das klösterliche Leben einfacher, manchmal schwerer. „Wir sind doch alle Menschen.“

Im Kloster habe sie sich immer in einem geschützten Bereich gefühlt, sagt sie, „trotzdem ist das Virus hereingekommen“. Die dicken Klostermauern hätten eine falsche Sicherheit vorgegaukelt. Die Klosterfrau spielt auf die Covid-19-Erkrankungen in ihrem Konvent an, von dem gleich mehrere Dominikanerinnen und Klosterangehörige im Herbst betroffen gewesen waren (wir berichteten hier: Weitere Corona-Fälle im Kloster Bad Wörishofen und seinem Umfeld).

„Dass wir trotz dreier schwer Erkrankter die Infektionen gut überstanden haben ist wohl ein kleines Wunder“, sagt Schwester Franziska dankbar und denkt gleich wieder an die Mitmenschen außerhalb ihres Klosters: „Wir haben erfahren, was Familien und Einzelpersonen durchleiden müssen, wenn sie in Quarantäne sind und vielleicht sogar schwer erkranken.“

Das Gebet habe den Schwestern in der schwierigen Corona-Situation geholfen

Den Schwestern hätte in dieser Zeit das Gebet geholfen – gar nicht so sehr das eigene Gebet, vielmehr die Gebete und die Zuwendung vieler Menschen außerhalb des Klosters. „Das hat man gespürt. Man ist zwar alleingelassen und ist doch nicht allein.“

Schwester Franziska empfiehlt, den Mut nicht zu verlieren. „Wir sollten schon ein gewisses Vertrauen in unsere Politik haben. Unseren Politikern ist es alles andere als egal, wie es mit unserem Volk weitergeht. Wir müssen geduldig bleiben.“ Auch die Dankbarkeit trage zu einem zufriedenen Leben bei. Die Schwestern im Kloster verfügen über Zeit, die sie mit dem Gebet, mit Lesen oder mit Meditation und selbstverständlich mit häuslicher Arbeit verbringen.

„Über jeden Handgriff der älteren Schwestern bin ich sehr dankbar“, betont Schwester Franziska. Vorrangstellung habe das Gebet für die Welt und für die Menschen, sagt die Priorin. Oft trage sie folgenden Gedanken im Gebet vor Gott: „Herr, rette die Welt vor der Pandemie und gib uns Menschen die Erkenntnis und Einsicht für den Umgang mit der Schöpfung.“ Schwester Franziska bezeichnet die Pandemie als einen „Hilfeschrei der Natur.“

Die Ordensfrau betrachtet die Corona-Krise auch im Kontext der Klima-Krise. „Die Corona-Pandemie und ihre Folgen sind eine Herausforderung für jeden Menschen - egal, ob religiös oder nicht-religiös. Wir müssen uns deshalb auch mit der Frage auseinandersetzen, wie wir mit der Schöpfung umgehen“, mahnt die Dominikanerin.

Ganz bewusst hatte sie sich bei ihrer Einkleidung im Jahr 1989 ihren Ordensnamen mit Bezug auf den heiligen Franz von Assisi selbst gewählt. Schon immer fühlt sich die gelernte Landwirtin und Altenpflegerin der Natur verbunden.

Die Schwester glaubt, Corona ist eine Aufforderung, sich neu aufzustellen

In diesem Zusammenhang wagt die Ordensfrau eine kühne Feststellung: „Die Pandemie ist eine Aufforderung, sich nicht nach der alten Realität oder Normalität zurückzusehnen, sondern sich neu aufzustellen.“ Gemeint ist die vielfach verbreitete Maßlosigkeit. „Wir Menschen müssen wieder mehr unsere Grenzen erkennen, vor allem jene, die sich alles leisten können“, betont Schwester Franziska und schiebt in Bezug auf ihr Kloster gleich nach: „Wir nehmen uns da nicht aus. Wir sind gut begütert und als Kloster reich.“

Von den Gütern könnten und wollten die Schwestern aber nichts „mitnehmen.“ Mit Blick auf die Zukunft des Wörishofer Klosters, die derzeit noch „offen“ sei, meint die Dominikanerin: „Wir überlassen unsere Gebäude und Güter von Herzen gerne, sodass unser Ort einmal davon zehren kann.“

300 Jahre nach der Gründung des Klosters leben noch acht Dominikanerinnen im historisch und religiös bedeutenden Wörishofer Kloster. Dennoch wollen die Schwestern mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften ihr Haus pflegen und erhalten und weiterhin die Augen vor der Welt außerhalb der Klostermauern nicht verschließen.

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