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19.06.2017

Kneipp lebt in den Herzen weiter

Vor 59 Jahren stand Ellinor Jensen in Bad Wörishofen vor der Kamera. Damals wurde in der Kneippstadt der Film „Der Wasserdoktor“ gedreht. Zum 120. Todestag Kneipps war Jensen der Überraschungsgast einer Ehren–Vorstellung im Filmhaus Huber.
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Vor 59 Jahren stand Ellinor Jensen in Bad Wörishofen vor der Kamera. Damals wurde in der Kneippstadt der Film „Der Wasserdoktor“ gedreht. Zum 120. Todestag Kneipps war Jensen der Überraschungsgast einer Ehren–Vorstellung im Filmhaus Huber.

Festakt Zum 120. Todestag des Wohltäters steht dessen Vermächtnis im Mittelpunkt, auch bei einem unerwarteten Besuch aus vergangenen Tagen

Bad Wörishofen „Haltet mir meine Lehre rein!“ und „Vergesst mir die Seele nicht!“ Diese prägnanten Zitate von Pfarrer Sebastian Kneipp haben nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Beim Festakt zum 120. Todestag des Wohltäters wurde dies einmal mehr deutlich. „Wasserdoktor“ nennt man Kneipp liebevoll – und so hieß auch der Film, der einst von Kneipp erzählte. Ein besonderer Gast erinnerte daran, Ellinor Jensen. Sie spielte vor 59 Jahren die durchgehende Rolle der Schwester Sebastiana in dem Film. Das Publikum im Filmhaus Huber bot der hochbetagten Schauspielerin einen herzlichen Empfang.

Das Hochamt zum Kneipp-Todestag zelebrierte in St. Justina dessen neunter Nachfolger im Amt als Stadtpfarrer, Andreas Hartmann. Fünf weitere Geistliche und zehn Messdiener unterstützten ihn. Alles ganz im Sinne des auf der Gedenktafel geschriebenen Satzes „Gedenket eurer Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben.“ (Hebr.13.7.) Der Projektchor der Pfarreiengemeinschaft Bad Wörishofen unter der Leitung von Kirchenmusiker Karl Stepper sang die „Kneipp Messe“ des ungarischen Komponisten Ferenc Kersch.

Pfarrer Kneipp kam 1855 als Beichtvater nach Wörishofen und wirkte von 1881 bis zu seinem Tod 1897 als Pfarrer in St. Justina. Andreas Hartmann sagte: „Wir haben Pfarrer Kneipp nicht vergessen. Uns ist Pfarrer Kneipp wichtig!“ Dieser habe in seiner ersten Predigt 1852 in Ottobeuren gesagt: „Die Seele ist unser höchstes Gut.“ Pfarrer Hartmann betonte, Kneipp gebe „uns den Auftrag, sich um unsere Seele zu sorgen.“

In einer feierlichen Prozession zogen die zahlreichen Gläubigen nach dem Gottesdienst zum Kneipp-Mausoleum auf dem Bad Wörishofer Friedhof. Dort spielte eine große Abordnung der Stadtkapelle Bad Wörishofen. Für die Stadt Bad Wörishofen legte Bürgermeister Paul Gruschka gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Stamm-Kneipp-Vereins und Zweiten Bürgermeister Stefan Welzel, einen Kranz im Mausoleum nieder. Paul Gruschka sagte: „Wörishofen konnte es nicht fassen, als am 17. Juni 1897 Ortspfarrer Sebastian Kneipp im Alter von 76 Jahren starb.“ Er sprach davon, Pfarrer Kneipp sei die treibende Kraft gewesen, die die Wasserkur und die Kneipp-Medizin weiter entwickelte. Diese fand Zuspruch und habe Wörishofen weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht, was dazu führte, dass der Ort 1920 zum Bad ernannt wurde.

Gruschka betonte: „Pfarrer Kneipp ging es um das Wohl der Menschen im Ganzen und für dieses Ziel entwickelte er seinen Ehrgeiz, nahm viele Mühen auf sich und bewies ein bewundernswertes Durchsetzungsvermögen.“ Kneipp hätte gewiss keine Trauer an seinem Grab sehen wollen. Damit würde niemandem geholfen. Vielmehr riefe er den Anwesenden zu: „Jetzt habe ich Euch schon mit meiner Kneipp-Kur solch einen Schatz hinterlassen und mit den bescheidenen Mitteln meiner Zeit gezeigt, welche Möglichkeiten dieser Schatz bietet. Ihr müsst nur meine Lehre weiterführen mit den so viel besseren Möglichkeiten, die Euch Eure Zeit bietet.“ Statt in Trauer solle in Dankbarkeit und Liebe seine Lehre weitergetragen werden. Erinnerungen wurden auch beim Besuch der Schauspielerin Ellinor Jensen wach. Michael Scharpf hatte den Kontakt hergestellt und berichtet vom ersten Telefonat, bei dem Jensen noch Bedenken hatte. „Wie Sie sich ausrechnen können bin ich steinalt“, habe sie gesagt, berichtet Scharpf. Um so mehr habe sich Jensen über den freundlichen Empfang und den Applaus im Kino gefreut, wo Betreiber Rudolf Huber zu Ehren Kneipps den „Wasserdoktor“ zeigte. Jensen habe nach den Dreharbeiten in Bad Wörishofen die Kneippanwendungen zum festen Bestandteil ihres Alltags gemacht, sagt Scharpf.

Michael Scharpf steuerte in seinem Einführungsvortrag viele seltene, über Jahre gesammelte Fotos bei, die einen unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen ermöglichten. Drei Tage weilte Jensen in Bad Wörishofen, auf Einladung der Hoteliersfamilie Schneid. „Sie war begeistert über die Entwicklung des Kurorts“, berichtet Scharpf.

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