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Musical

08.05.2018

Kneipps Leben als Augen- und Ohrenschmaus

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4 Bilder
Bühnenbilder und Choreografie entfalten beim Kneipp-Musical mit wenig Mitteln eine große Wirkung. Hier empfangen die Ordensfrauen des Dominikanerinnenklosters in Bad Wörishofen ihren neuen Beichtvater mit gemischten Gefühlen.
Bild: Issing

Über 100 Laiendarsteller bringen die Geschichte des Wasserdoktors auf die Bühne. Begeisterung auch bei der zweiten Auflage des Volksmusicals

Rund eine Woche vor dem 197. Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp haben Komponistin und Texterin Sanni Risch und ihr Ensemble dem Wasserdoktor mit der Neuauflage des Volksmusicals „Kneipp“ ein musikalisches Präsent. Vom „Musical-Fieber“ ließen sich ganz schnell auch die Besucher anstecken. Sie feierten die mehr als 100 Laiendarsteller aus Wörishofen und Umgebung mit Zwischenapplaus und am Ende hielt es sie nicht auf ihren Sitzen. Außergewöhnliches Musiktheater mit bewegenden Szenen, authentischen Kostümen und schönen Bühnenbildern ließ Kneipps Leben und Wirken lebendig werden.

Wechselbad der Gefühle

Die Handlung erwies sich als Wechselbad der Gefühle. Im weißen Arztkittel mimte Florian Speyerer wieder den naturheilkundigen Seelsorger Kneipp ebenso überzeugend wie den Theologiestudenten, Kaplan, Beichtvater, Bauherrn und knorrigen Pfarrer, der dem Volk stets aufs Maul schaute. „Kaum zu glauben, dass kein Profi auf der Bühne steht“, schwärmte ein Kneipp-Fan während der Pause.

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„Heiße Wickel, kalte Güsse und für die Füße ein paar nasse Strümpfe“ wurden dem Publikum schon zum Entree nach Noten verordnet. Kneipp empfahl zudem die fünf Säulen seiner Therapie und proklamierte seinen Leitspruch: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Das mit Volksmusik, Jazz, schönen Balladen und informativen Texten und Alphornklängen gemixte Musical erzählt die Vita Kneipps als internationale Erfolgsstory, und verschwieg auch nicht, dass sein Leben auch schon mal aus den Fugen geriet. Als er von Schulmedizinern der Kurpfuscherei bezichtigt wurde und sich vor dem Landrichter in Türkheim verantworten musste.

Vorurteile allerorten

Kneipp musste gegen Vorurteile von Wörishofer Stammtischbrüdern ebenso kämpfen wie gegen die der Ordensfrauen im Kloster, die ihre Priorin gegen den Beichtvater aufwiegelten: „Wir sind doch kein Hotel und haben nur wenig Platz für Gäste“. Dessen unbeirrt hielt Pfarrer Kneipp seine Sprechstunden und behandelte Bäuerinnen ebenso, wie Adelige oder auch einen Maharadscha aus Indien. Im Sinne ganzheitlicher Heilkunde mahnte er. „Vergesst mir die Seele nicht“. „Dieser Song hat das Zeug, ein Ohrwurm zu werden“, freuten sich die Besucher. Auch Stadtpfarrer Andreas Hartmann war in ein Messgewand geschlüpft und begegnete mit viel Ehrerbietung seinem berühmten Vorgänger. Plausibel am Ende Kneipps Wunsch an die Wörishofer: „Erntet, was ich gesät habe, aber zertrampelt mir den Acker nicht“. Besonders erfrischend wirkte auf die Zuschauer der Auftritt der singenden und tanzenden Kinder. Ein besonderes Kompliment verdienen auch das Orchester, die Dance-Gruppe des Stamm-Kneippvereins und Claudia Sachon für die tolle Choreografie.

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