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Bad Wörishofen

04.08.2020

Kneippstadt als Oldtimer-Paradies

Von Bad Wörishofen knatterten die Oldtimer bei der Stauden Rallye bis nach Bobingen. Dort wurden sie dann auf die Rückfahrt geschickt.
Bild: Bernd Feil

Plus Die chromblitzenden Schnauferl gehen von Bad Wörishofen auf die Fahrt. Coronabedingt galt es einige organisatorische Hürden zu nehmen. Doch am Ende stand die Freude an den schönen Automobilen im Mittelpunkt

Gleich zwei Mal standen am Wochenende chromblitzende Automobile im Mittelpunkt: Für die Stauden-Rallye und die „Chromjuwelen-Genussfahrten“ war die Kneippstadt die passende Kulisse.

Knapp ein Jahr Vorbereitungszeit investierten Bernd W. Dornach und sein Team zur Vorbereitung auf die dritte Auflage der Stauden Rallye. Ursprünglich war die Ausfahrt mit Start und Ziel in Bad Wörishofen Ende Juni geplant. Die Corona-Pandemie machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Doch so leicht lassen sich die Automobil-Liebhaber nicht entmutigen. Die Veranstaltung wurde kurzerhand auf Sonntag verschoben.

Zum Start der Stauden Rallye hatte der Wettergott ein Einsehen

Statt der geplanten 120 Autos konnten nur 50 teils historische Fahrzeuge mit Klassiker-Prädikat am Parkhotel Residence und in Bobingen (Kreis Augsburg) an der Start gehen. Eine Dreiviertelstunde bevor Bürgermeister Stefan Welzel die Teilnehmer auf den Rundkurs durch die Stauden schicken konnte, regnete es intensiv.

Doch Petrus hatte ein Einsehen, der Himmel klarte auf. Die Passanten, die mehr oder weniger zufällig vorbei kamen, staunten nicht schlecht über die Liebhaberkarossen, die alles andere als Alltagsautos sind. Statt Konfektionsware bestaunten sie Fahrzeuge mit gewissen Extras und kamen mit dem gebotenen Mindestabstand mit deren Besitzern ins Gespräch.

Eines der Höhepunkte waren die sechs Verona Automobile. Firmengründer Jürgen Warmuth erwarb 1984 die Rechte an einer Roadsterkarosserie von Apollo Motor Cars. Anschließend entwickelte er drei Jahre lang einen Gitterrohrrahmen und baute bis Herbst 1998 insgesamt 30 offene Zweisitzer, die für ihre markante lange Motorhaube bekannt sind. Aktuell sind jedoch nur noch 19 Exemplare registriert.

Bei den „Chromjuwelen“ ging Peter Reinold aus Heidelberg mit seinem Jaguar SS 100, Baujahr 1938, auf die Strecke.
Bild: Bernd Feil

Natürlich ließ es sich Warmuth, der in Mindelheim gelebt und vor 35 Jahren bei Ruf Automobile in Pfaffenhausen gearbeitet hat, nicht nehmen, nach „seinen“ Schätzchen zu sehen. Darunter war auch der Verona von Andrea und Fritz Brockmann, die bis aus Husum den 926 Kilometer langen Weg nach Bad Wörishofen auf sich nahmen, um beim 2. Internationalen Verona Treffen dabei zu sein.

Aus England importiert wurde das älteste Fahrzeug der diesjährigen Stauden Rallye - ein Standard Avon, Baujahr 1930. Das 35 PS starke Gefährt gehört seit 20 Jahren Günther Haus aus Reichling (Kreis Landsberg).

Für kommendes Jahr plant Dr. Bernd W. Dornach eine Neuauflage der Stauden Rallye. Start und Ziel soll am 20. Juni wieder die Kneippstadt sein - „aber dann bitte ohne Corona und ohne Regen“, so der Organisator.

"Chromjuwel-Genussfahrten" machen Station in Bad Wörishofen

Aus allen Ecken Deutschlands reisten Oldtimer-Fans an, um bei den „Chromjuwelen-Genussfahrten“ der Wörishofer Nobelherberge Wellness & Spa Hotel Fonteney teilnehmen zu können. Es war keine Ralley im üblichen Sinne. Die Teilnehmer erfuhren das Allgäu mit all seinen Sehenswürdigkeiten mit allen Sinnen.

Quasi als „Leithammel“ und „Lumpensammler“ fungierte Hotelier Hubert Holzbock, der sein Mercedes-Coupe aus dem Jahre 1952, auch als Modell „Adenauer“ bekannt, mit hübschen Frauen vollgeladen hatte, dem Tross der Oldies voraus fuhr und ihm zeigte, wo es lang ging. Um dieses Auto mit dem Stern rankt sich eine nette Geschichte. Als Bundeskanzler bevorzugte Adenauer dieses Fahrzeug als Limousine, weil er darin vorne mit Hut gut sitzen konnte.

Mehr Fotos von den Oldtimer-Fahrten:

Kneippstadt als Oldtimer-Paradies
66 Bilder
Bad Wörishofen als Paradies für Oldtimer
Bild: Bernd Feil, Franz Issing, Marcus Barnstorf

Star der „Genuss-Ralley“ war ein von Peter Reinold aus Heidelberg gesteuerter Jaguar SS 100, eine absolute Rarität. Wurde dieser Oldie anno 1938 doch nur etwa hundert mal gebaut. Reinold hat ihn seinem Vorbesitzer, dem Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone abgekauft. Nach dem Kaufpreis befragt, antwortet der Mannheimer vielsagend: „Den müssen sie selbst herausfinden“.

Bei schönstem „Oben-Ohne-Wetter“ starteten auch Inge und Matthias Böck aus Bad Wörishofen mit ihrem BMW-Cabrio Z 1 aus dem Jahre 1989. „Mit dem einzigen Auto, das man mit offenen (versenkbaren) Türen steuern darf“, war von dem Ehepaar zu erfahren. Bernd Brenner aus Dillingen rollte in einem weinroten Porsche 356 C des Baujahres 1964 an.

„Ein richtiger Mann braucht ein Spielzeug auf vier Rädern scherzte er und verriet, wie er dazu kam. Brenner hat sich in das rollende Schmuckstück in Kalifornien verliebt und es in Ungarn restaurieren lassen. Das der Wagen aus Originalteilen besteht, ist ihm wichtig. Ein anno 1973 gebautes Jaguar-Coupé der Modellreihe E V 12 ist des Mannheimers Rolf Bohrmann ganzer Stolz.

Sein Besitzer hat es vor 30 Jahren gekauft und teilweise selbst restauriert. „Mein Jaguar hat mich noch nie im Stich gelassen“, berichtet er voller Stolz. „Mit ihm die große Alpenstraße vom Genfer See bis zur Cote d‘Azur mit 18, teils 2700 Meter hohen Pässen zu befahren, war ein Kinderspiel“ resümiert er.

Wer stundenlang hinter dem Steuer sitzt, hat sich exquisite Gaumenkitzler redlich verdient. Die ließen sich die Teilnehmer der „Chromjuwelen-Genussfahrten“ im Hotel Fonteney bei flotter Musik buchstäblich auf der Zunge zergehen.


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