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19.03.2009

"Kniechen, Näschen, Öhrchen"

Loppenhausen (doro) - "Auch Verrückte habens nicht leicht" - so nennt sich das diesjährige Stück des Theatervereins Loppenhausen. Die Wahrheit des Titels wurde in dem turbulenten Dreiakter nur zu oft bewiesen.

Der Postbeamte Jonas Doppelstein (Manfred Gropper) hat die Nase voll. Mit 45 will er in Rente gehen und der Arbeitswelt endgültig den Rücken kehren. Die Frage ist nur: Wie? Ganz klar, er braucht ein Attest, das ihn für arbeitsunfähig erklärt. So zieht Jonas in die Rabenwaldklinik ein und tut alles, um für verrückt erklärt zu werden. Unterstützt wird er dabei von seinem besten Freund Stephan Heuler (Georg Götz). Neben dem Überzeugen der Fachärzte (Josef Schorer als Prof. Dr. med. Fabian Scheinheiler und Katharina Egger als Dr. Else Schoppenhauer) macht Jonas Doppelstein zusätzlich noch die Frauenwelt unsicher. Egal, ob es die depressive Patientin Tatjana Simmel (Kathrin Kleiber), Schwester Jasmin (Ramona Müller) oder die Masseurin Rita Greifmöller (Sonja Hampp) ist - Jonas macht vor keiner halt. Abgerundet wird das kuriose Personal durch Siegfried Maucher als Mehmet Özgül und Markus Kraus als Zivi Sven Ungetüm. Jonas werden auf seinem Weg in ein Leben ohne Arbeit viele Hindernisse gestellt. Das Erscheinen seiner Ehefrau Chantal (Martina Leinauer) schließlich scheint die Katastrophe perfekt zu machen.

Die Schauspieler fühlten sich in die Figuren hinein

Die Charaktere sind herrlich klischeehaft und überspitzt: Der Klinikleiter Fabian Scheinheiler, der immer an seinen finanziellen Vorteil denkt und deshalb stets nur Privatpatienten behandelt. Der Türke Mehmet Özgül, bestückt mit Goldkettchen und Rolex, der rauchend und teetrinkend um alles feilscht, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Zivildienstleistende Sven Ungetüm, der von seiner Arbeit wenig begeistert ist und nicht ganz unten in der Klinikhierarchie stehen will. Die herrische Ehefrau Chantal Doppelstein, die die Eskapaden ihres Mannes mühelos durchschaut.

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Diese Klischees machten es den Schauspielern möglich, sich richtig in die Figur hinein zu fühlen, wodurch das Stück lebendig wurde. Bei Josef Schorer hatte man den Eindruck, dass es ihm noch beim Schlussapplaus schwer fiel, die Mimik und Gestik des Dr. Scheinheiler wieder abzulegen.

Die Versuche des Jonas Doppelstein, als verrückt zu gelten, begeisterten den ganzen Saal. Während seiner Konzentrationsübung "Kniechen, Näschen, Öhrchen", bei der die jeweiligen Körperteile mit der linken und der rechten Hand berührt werden mussten, war unterdrücktes Kichern die vorherrschende Geräuschkulisse. Und bei Siegfried Maucher schielte so manch einer in das Programmheft, um noch einmal sicher zu gehen, dass es sich wirklich nicht um einen "echten" Türken handelte.

Die Wahl des Stücks war kein Fehlgriff. Die Dialoge sind gewürzt mit flotten und meist schreiend komischen Sprüchen ("Ein Singletreffen ist wie eine Fünf-Minuten-Terrine: Aufmachen, heiß machen und die Nudel rein tun.").

Der Standardspruch Mehmet Özgüls "Hast du gefragt, hab ich nur gesagt" kam so gut an, dass das Publikum zum Schluss im Chor mitsprach.

Alles in allem handelt es sich bei "Verrückte habens auch nicht leicht" um ein kurzweiliges Stück, dem der fehlende Kulissenwechsel kaum Abbruch tat.

Spieltage: Samstag, 21. und 28. März, Sonntag, 22. und 29. März, jeweils um 20 Uhr im Gasthof Schlössle. Kartenvorverkauf bei der Raiba Loppenhausen unter Tel.: 08263/386 oder abends (auch am Wochenende) unter 08263/274.

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