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Zukunft

24.10.2017

Kommt die bezahlte Kur zurück?

Bad Wörishofen will mit eigenem Lebensstilprogramm die Kassen locken

IGM Campus Bayern – Individuelles Gesundheits Management: Was sich hinter diesem Kürzel verbirgt, soll in Zukunft wieder die Kur in die Kurstadt bringen. Präventions-Kurort Bad Wörishofen heißt es deshalb, Vorsorge also. Fest steht: Zunächst einmal kostet das Geld. Ob und bis wann tatsächlich der Kurrubel wieder rollen könnte: dahinter stehen noch große Fragezeichen.

Das Bad Wörishofer Lebensstil-Programm ist ein in dieser Form einzigartiges Angebot zur Gesundheitsvorsorge. Durch die Zusammenarbeit mehrerer bayerischer Hochschulen wird es als Qualitätsinitiative „IGM-Campus“ zu einem „präventivmedizinischen Kompetenzzentrum“ fortentwickelt. Ziel ist es, ganzheitlich Gesundheit zu fördern und zu stabilisieren. Die Teilnehmer sollen durch Lebensstiltraining zum einen befähigt werden, aktiv die eigene Gesundheit zu fördern und zum anderen lernen, selbstbestimmt mit den Informationen über die persönlichen Risiko- und Schutzfaktoren umzugehen.

Das Ganze zieht sich über ein Jahr, wobei Präsenztage in Kurbetrieben ein Muss sind. Zweimal drei und einmal 15 Tage, der Rest ist Fernbetreuung auf Basis des Gesundheitssystems Viterio durch speziell dafür ausbildete Gesundheitscoaches in den Kurbetrieben. Dieses Lebensstilprogramm soll Kassenleistung werden. Und um das zu erreichen, versucht der Kur- und Tourismusbetrieb derzeit, bei der AOK Bayern ein Modellvorhaben, zugeschnitten auf die Kneippstadt, zu installieren.

Zwar gibt es eine Arbeitsgemeinschaft aller beteiligter Kurorte, doch tut sich da – wie Kurdirektorin Petra Nocker bedauert – wenig. Eher denkt jeder an sich und wie er den Nutzen aus dem Programm ziehen kann. So hat sie sich denn auch für den Vorstoß bei der Kasse entschlossen, schließlich sollen die bisher investierten 322 000 Euro nicht umsonst gewesen sein. Davon fielen übrigens auf Personalkosten 88 000 Euro, der Rest sind Sachausgaben. An Eigenmitteln hat Bad Wörishofen dazu bislang 152000 Euro beisteuern müssen. Der Rest sind Fördermittel. Für heuer muss die Stadt nochmals 8000 Euro zuschießen.

Doch das tut sie, um nicht all das bisher Investierte völlig abschreiben zu müssen. Einmal aus dem Programm aussteigen, heißt für immer aussteigen. Zudem ist die Kurdirektorin davon überzeugt, dass das neue Projekt Gesundheitsgäste in den Ort bringt. Schließlich haben von 129 Betrieben immerhin noch 54 ein Kneippsiegel, also Badeabteilung, Fachpersonal und mehr. Und deren Zukunft mit Kneipp gilt es zu sichern.

Im Ausschuss für Kur-, Tourismus- und Veranstaltungswesen war man jedoch unterschiedlicher Meinung ob der hohen Ausgaben. Daniel Pflügl (Grüne) sträuben sich nach eigenen Worten die Haare, weil 322000 Euro ausgegeben worden seien ohne zu wissen, ob es Bad Wörishofen etwas bringt. Geradezu tragisch findet er es, dass die Kurstadt auf der einen Seite Probleme habe, Kneipp zu vermarkten, weil das Geld fehle, auf der anderen Seite wisse man aber nicht, ob überhaupt ein Haus das Lebensstilprogramm anbieten wolle. Geradezu „grauenvoll“ nennt er es, dass die Stadt nun selbst ein Konzept erarbeiten müsse. Pflügl: „Die Teilnahme an IGM Campus war ein Fehler.“

Anders sieht dies Hotelier Christian Förch (CSU), der sich mit seinem Haus an dem Programm beteiligt und hierfür schon einiges investiert hat: „Ich bin froh, dass wir damit angefangen haben. Wir entwickeln uns als Haus auf jeden Fall weiter. Wenn es wirklich klappen sollte, wäre das an Wert nicht zu überbieten: Das wäre wieder eine bezahlte Kur.“ Denn mit Blick auf die Zukunft sieht er die bisherige ambulante Kur in Gefahr: „In fünf Jahren wird die gar nicht mehr bezahlt werden.“ Nun gelte es, die Betriebe, die sich am IGM beteiligt haben, abzusichern, damit nicht andere, die bisher nichts investiert haben, auf den Zug aufspringen, wenn er losfährt, so Nocker.

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