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Justiz

29.11.2017

„Kreative“ Abrechnung bringt Geschäftsführer vor Gericht

Die betrogene Firma kam dem Schwindel mit gesplitteten Aufträgen und falschen Mengenangaben auf die Schliche

Die Wirtschaft boomt, der Dax springt von Rekord zu Rekord. Doch es gibt auch Schattenseiten. In einigen Branchen schlägt der digitale Umbruch brutal zu. Und so erwischte es auch einen Betrieb in der Medienbranche aus dem östlichen Landkreis. Die beiden Geschäftsführer standen nun vor Gericht, weil sie in Anbetracht der wirtschaftlichen Talfahrt dringend Geld benötigten.

Und so kamen sie auf die Idee, weniger Ware als bestellt zu liefern. Die Rechnungen waren aber dann auf die volle Summe ausgestellt. Zusammen mit einer Vorstrafe wegen Nichtabführens von Sozialbeiträgen erhielten beide eine Gesamthaftstrafe von 18 Monaten, die aber zur Bewährung ausgestellt wurde.

Der Betrieb lief über Jahre gut, wie die beiden Geschäftsführer unumwunden vor Gericht aussagten. Doch der digitale Umbruch in der Print- und Medienwelt habe ihnen immer mehr zugesetzt. Die Lage habe sich dann Anfang dieses Jahrzehnts dramatisch zugespitzt. Um die Kasse zu füllen und die Ausgaben zu senken, habe man einen Kunden über vier Jahre betrogen. Das System war ganz einfach. Der Großauftrag wurde gestückelt, die Teilmengen wurden falsch gezählt und am Ende eine Gesamtrechnung über die bestellte Menge abgeschickt.

Diese Methode war nach Ansicht der Staatsanwältin gewerbsmäßiger Betrug in 28 Fällen. Den Schaden für den Kunden bezifferte sie auf über 40 000 Euro. Die betrogene Firma kam dem Lieferanten auf die Schliche und erstattete Anzeige.

Der ermittelnde Kripobeamte bezeichnete die Angeklagten bei den Ermittlungen als kooperativ. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die beiden Angeklagten zum Teil in der Nacht vor dem Abtransport Etiketten und Paletten vertauscht hätten.

Die Aufträge wurden gesplittert, sodass am Ende niemand mehr einen Überblick gehabt habe, was geliefert wurde.

Die beiden Verteidiger hoben in ihrem Plädoyer hervor, dass die Angeklagten sich nicht bereichern, sondern das Geschäft retten wollten. Leider seien sie immer weiter in den Schuldenstrudel geschlittert. So wurden auch Sozialversicherungsabgaben nicht rechtzeitig abgeführt, was zu einer ersten Verurteilung vor dem Amtsgericht Augsburg geführt habe.

Beide hätten keinen persönlichen Gewinn aus dem Betrug gezogen – im Gegenteil: Beide hätten im Zuge der Insolvenz alles verloren und versuchten nun wieder, mit harter Arbeit auf die Beine zu kommen. Positiv müsse man auch die Tatsache werten, dass die Angeklagten alle Ansprüche abgeglichen hätten.

Die Staatsanwältin wertete das Geständnis positiv, die Taten seien aus wirtschaftlicher Not geschehen, allerdings müsse man doch den erheblichen Schaden als verschärfend bewerten. Sie forderte unter Einbeziehung der Vorstrafe eine Gesamtstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Vor der Beratung des Schöffengerichtes hatte Richter Nicolai Braun schon bekannt gegeben, dass es unter den Beteiligten, also Rechtsanwälte und Gericht, ein Vorgespräch gegeben habe. So ließ das Urteil nicht lange auf sich warten: 18 Monate auf drei Jahre Bewährung, wobei das Gericht das umfangreiche Geständnis zugunsten der Angeklagten wertete.

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