Zaisertshofen

02.06.2015

Kühe im Mini-Format

Die Dexter-Rinder von Sonja Seidel leisten dem 27-jährigen Pferd Charly auf der Weide bei Zaisertshofen Gesellschaft. Im Bild ist gut zu erkennen, wie klein die ausgewachsenen Kühe sind.
Bild: Manuela Frieß

Dexter-Rinder sind kleine, robuste Rasenmäher - und können noch viel mehr. In Zaisertshofen lebt eine Herde.

„Ich hatte eigentlich keinerlei Erfahrung mit Kühen, nur mit Schafen, Ponys und natürlich Pferden“, erzählt die gelernte Physiotherapeutin. Pferde und Rinder ergänzen sich allgemein auf der Weide sehr gut, in der Biologie spricht man dabei auch von Symbiose. Dieses symbiotische Zusammenleben ist dabei nicht nur für die Tiere besser, auch die Weiden werden dabei optimal abgefressen und das war für Sonja Seidel eines der Argumente für diese seltenen Tiere, deren Rasse in den 70er Jahren schon kurz vor dem Aussterben stand. „Das sind meine lebendigen Rasenmäher und Weidenpfleger“, lacht sie.

Sie hat sich gerne auf diese sehr seltene Rasse eingelassen und es nicht bereut. Denn diese kleinen Kühe, die ausgewachsen eine Risthöhe von ungefähr einem Meter haben, können das ganze Jahr über draußen auf der Weide bleiben. „Im Winter haben sie sich glatt einschneien lassen“, schildert sie ihre Lieblinge. Außerdem kalben sie allein und leicht, weshalb sie nicht rund um die Uhr da sein muss. Natürlich benötigen sie einen Unterstand und frisches Wasser, aber im Vergleich zu den normalen Milchkühen gerade mal ein Drittel der Fläche. Auch Kraftfutter brauchen sie nicht, sie sind mit Gras und Heu völlig zufrieden und fressen bei Bedarf auch Blätter von Bäumen und Büschen. Dazu kommen die Trittsicherheit und das geringere Gewicht, was sie mittlerweile auch in bergigen Regionen zu sehr gefragten Landschaftspflegern macht.

Sonja Seidel hatte eigentlich vor, maximal drei Kühe zu halten, kann sich momentan aber nicht entscheiden, welche der Mutterkühe sie weggeben soll. Am liebsten würde sie sich von keinem der Tiere trennen. Aber spätestens wenn die jetzigen Kälber geschlechtsreif sind, muss sie die Kleinen aus der Herde nehmen, um Inzucht zu vermeiden. Dexter-Kühe können übrigens bis zu 30 Jahre alt werden und in dieser Zeit an die 25 Kälber bekommen. Künstliche Befruchtung funktioniert bei dieser Rasse jedoch nicht, weshalb sich die Zaisertshofenerin entschied, den gutmütigen und sehr umgänglichen Bullen „Iggy“ zu kaufen und aus Kiel hierher transportieren zu lassen. Bei den Dexter- Rindern sind nämlich trotz der vielen Vorteile für steile und bergige Landschaften immer noch mehr Tiere im Norden Deutschlands anzutreffen als im Süden.

Die Milch der Dexter-Kühe kann auch verwendet werden, aber üblicher sind die Mutterkuhhaltung und die Vermarktung des Fleisches. Die Fachmänner sagen zu solchen Rassen Zweinutzungsrinder. Trotzdem sind die Züchter und Halter dieser sehr seltenen Rasse eigentlich hauptsächlich Liebhaber und meist nicht auf den Verkauf von Fleisch oder Milch angewiesen. Sonja Seidel hat noch nie Dexter-Fleisch gegessen, sie hat nur gehört, dass es äußerst delikat sein soll. Sie weiß auch, dass dies auf Dauer ein recht teures Hobby ist, aber die konventionelle Landwirtschaft mit ihrem Trend zum „immer mehr“ und „immer größer“ sieht sie skeptisch. Ihr ist wichtig, dass sie wenigstens ein bisschen im Einklang mit der Natur leben und ein wenig an sie zurückgeben kann. Die gutmütigen Dexter-Rinder sind ein Teil dieser Philosophie und für sie eine runde Sache. Und auch Pferd Charly findet seine kleinen Mitbewohner richtig toll. Er ist das Alphatier auf der Weide und hat das Sagen dort. Aber die kleinen Kälber behandelt er wie seinen eigenen Nachwuchs, die dürfen sogar aus seinem Futtertrog fressen. Ein stolzer großer Freund für die Kleinsten der kleinen Rinder.

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