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Mindelheim

10.01.2020

Künstliche Intelligenz - Bedrohung oder Chance?

Alexander Cavallaro sprach über künstliche Intelligenz.

Der Erlanger Medizinprofessor Alexander Cavallaro sprichtauf dem Neujahrsempfang der Stadt Mindelheim über das Thema künstliche Intelligenz.

Es ist gute Tradition beim Neujahrsempfang der Stadt Mindelheim, dass ein Festredner von außen Denkanstöße gibt. Diesmal hat Kulturamtsleiter Christian Schedler den Erlanger Medizinprofessor Alexander Cavallaro verpflichtet. Der 54-Jährige ging am Maristenkolleg zur Schule und ist mit Schedler befreundet. Sein Thema: künstliche Intelligenz – Chance oder Bedrohung?

Cavallaro spielte zunächst ein mit Musik untermaltes Gedicht ein. Beides hat kein Mensch geschaffen. Es sind Werke eines Computers. In China werde Software eingesetzt, die Gesichter innerhalb von zehn Sekunden identifizieren kann. Foto-Manipulationen seien durch künstliche Intelligenz Tür und Tor geöffnet. Der Redner wies auf ein Interview des früheren US-Präsidenten Obama hin, das nicht als Fälschung zu erkennen sei. Bei dem Video handelte es sich um keine bewusste Fälschung, sondern um ein Lehrvideo. Der Amerikaner Jordan Peele hatte es produziert, um zu zeigen, wie Videos heutzutage manipuliert werden können. Auf Youtube ist das Video unter „Obama fake news“ abrufbar.

Was ist Künstliche Intelligenz?

Was aber ist künstliche Intelligenz (KI) überhaupt? Cavallaro sprach von maschinellem Lernen, bei dem gigantische Datenmengen verarbeitet werden.

Das Fatale dabei: Man könne nicht kontrollieren, was am Ende herauskommt. Das mache hilflos. Computer fangen selbst zu lernen an. Und sie programmieren sich selber. Wie genau das vor sich geht, scheint niemand mehr zu überblicken.

Prof. Cavallaro ist Radiologe am Uniklinikum in Erlangen. Bei der Brustkrebserkennung leisteten die enormen Datenmengen inzwischen wertvolle Dienste. In 95 Prozent der Fälle könnten genaue Diagnosen gestellt werden. Dies sei aber nur möglich, wenn verlässliche Daten vorliegen. Hier wirkt die KI also sehr segensreich.

Eine Gefahr sieht er im gläsernen Patienten insofern, als geldgetriebene soziale Sicherungssysteme dieses Wissen nutzten. Das könne zum Nachteil von vorbelasteten Versicherten gehen.

Mit KI kann nichts mehr geheim gehalten werden

Zentrales Problem der KI sei der Kontrollverlust. „Sie können nichts mehr geheim halten“, sagte Cavallaro. Aus Überwachung werde Unterdrückung. Und es droht „unwiderrufbar Arbeitslosigkeit“, wenn Computer menschliche Tätigkeiten übernehmen. Der Physiker Stephen Hawking habe gesagt: Menschen könnten das nicht mehr kontrollieren. Und der US-Unternehmer Elon Musk befürchte sogar einen dritten Weltkrieg.

Hart ins Gericht ging Cavallaro mit dem Journalismus. 30 Prozent aller Nachrichten seien gefälscht. Journalisten seien nicht in der Lage, das zu erkennen. Medien seien nicht kritikfähig, behauptete er pauschal. Gerade über Migration und Flüchtlinge werde besonders viel Unwahres veröffentlicht, was die klassischen Medien oft weiter verbreiteten. Dass große Medienhäuser, die Nachrichtenagenturen und die Sendeanstalten längst Abteilungen für Faktenchecks aufgebaut haben, war dem Redner offenbar entgangen. Und dass auch Lokalzeitungen jeden im Netz behaupteten Übergriff nachrecherchieren, ist Standard. Auf einem Schaubild, das Cavallaro zeigte, war auch der Fall Schorndorf bei Stuttgart aufgelistet. Im Sommer 2017 hatte im Internet die Mär von einem tausendköpfigen Mob aus Flüchtlingen auf einem Stadtfest die Runde gemacht und für weltweite Aufwallungen gesorgt. Die Fakten hat dann die dortige Lokalzeitung aufgedeckt.

Von massenhaften Übergriffen konnte keine Rede sein. Der Siegeszug der KI sei nicht aufzuhalten. China, Russland und die USA „verarschen uns momentan“, so der Festredner. Die Europäer sollten dringend ihre Alleingänge bleiben lassen und zusammenarbeiten. Als Weg sieht er „Kontrolle, egal, was es kostet!“

Es gibt auch Kritik am Vortrag von Professor Cavallaro: Neujahrsempfang in Mindelheim: Nur die halbe Wahrheit

Hier kommen Sie zum Bericht über den Neujahrsempfang in Mindelheim: Darum steht Mindelheim 2020 so gut da

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