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Kammlach

07.07.2020

Kunstpause: Einfach zurück zur Natur

Die Künstlerin Alexandra Vogt (links) lebt und arbeitet mit ihren Pferden. Die Tiere gaben ihr auch in der Corona-Zeit Kraft und Inspiration. Das Bild zeigt sie bei einem Distanzritt.
Bild: Gerhard Hinz

Plus Die Corona-Krise hat die Kammlacher Künstlerin Alexandra Vogt in ihrem Schaffensdrang eingebremst. Die Pandemie hat sie aber in ihrer Einstellung eher bestärkt.

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen. Diesmal: Alexandra Vogt aus Kammlach.

Ob Maler, Musiker, Bildhauer oder Schauspieler – viele Künstler hat die Corona-Krise hart getroffen. Nicht wenige sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Auch für die international anerkannte Malerin Alexandra Vogt, die seit 17 Jahren im früheren Milchwerk in Kammlach lebt, hat die Krise Folgen. Noch das geringste Problem war die Absage einer geplanten Ausstellung in Lüneburg, die erst einmal verschoben wurde.

Im Februar wollte sie eigentlich mit ihrem neuen Projekt bei der Galerie Riedmiller in Thal bei Bad Grönenbach durchstarten. „AV Ride Aid“, Reiterhilfe, nennt sie ihre Idee, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert wird. „AV Ride Aid“ ist Teil des Land-Kultur-Projekts des Ministeriums von Julia Klöckner, CDU, und landete bei einem bundesweiten Wettbewerb auf den vorderen Rängen.

Kunstpause: Einfach zurück zur Natur

Im vorigen Jahr hat Vogt damit begonnen und wollte das Ganze in Bad Grönenbach mit Unterstützung der dortigen Gemeinde größer ins Laufen bringen. Dabei bekommen Kinder über die Malerei Kontakt zu Pferden, die damit Kraft tanken und selbstbewusst werden.

Es geht um "Pferdegestützte Kunstpädagogik"

„Pferdegestützte Kunstpädagogik“ nennt die promovierte Künstlerin Vogt das. Dabei lernen die Kinder zunächst die Pferde kennen und entwickeln ein Gespür für die Tiere. Sie dürfen sie streicheln und unter Aufsicht auf ihnen sitzen. Später malen die Kinder gemeinsam mit der Künstlerin Pferdemotive. Vogt spricht von einem „Heilungsformat“ in Zeiten, in denen viele Menschen den Kontakt zur Natur verloren haben. Dabei ist sie immer wieder begeistert von der Kreativität der Kinder. Es sei definitiv Kunst, was hier entsteht.

„Bei mir geht es nicht um Homeschooling“, sagt sie, „sondern um Auswildern“. Kinder und Jugendliche will sie weg vom Handy bringen hin zu einem achtsamen Umgang mit der Natur. Ihr Umfeld nennt sie „reizarm“. Lieber lebt sie bescheiden als sich von Bequemlichkeit verführen zu lassen. Das will sie weitergeben.

In den Sommerferien soll das Projekt mit Kindern in Bad Grönenbach unter Einhaltung der Abstandsregeln laufen. Wer Interesse hat, kann sich mit Alexandra Vogt per Mail in Verbindung setzen: alexandra@luniks.net.

Es sind teils düstere Bilder, welche Vogt den Betrachtern präsentiert

Die anfänglich strengen Kontaktbeschränkungen haben all die Ideen im Frühjahr erst einmal über den Haufen geworfen. Auch ein Café, das in der Galerie Riedmiller in Thal eröffnet werden sollte, blieb erst einmal Wunsch. Parallel dazu war eine Fotoausstellung von Alexandra Vogt über den Fasching im Unterallgäu geplant, die erst verspätet aufgebaut werden konnte. Vogt hat das Beste aus dieser misslichen Lage gemacht. Sie nutzte die Zeit, um Ordnung in ihre Werke zu bekommen. Sie lebt sehr bescheiden und hält sich schon seit 20 Jahren vom elitären Kunstmarkt fern. Mit ihren teils düsteren Bildern spricht sie Menschen an, die daraus Erkenntnisse ziehen, die sie in sich tragen.

Im Milchwerk mit seinen großen Hallen ist es ohnehin kein Problem, die Distanz zu Menschen einzuhalten. Dort hat sie ein paar neue Bilder gemalt und mit einer Praktikantin an einer Fotoserie gearbeitet. Diese war am Ende so gut, dass die junge Frau damit die Aufnahme in eine Kunstschule geschafft hat, was Alexandra Vogt besonders gefreut hat.

Ein großer Teil ihres Lebens nehmen Pferde ein, mit denen sie oft stundenlang durch die Natur reitet. 20 Pferde besitzt sie. Dabei nimmt sie auch an Wettbewerben im Distanzreiten teil. In Marbach auf der schwäbischen Alb war sie mit einem 13-Jährigen unterwegs. 30 Reiter nahmen teil und meisterten die 84 Kilometer lange Strecke. Vogt und ihr Begleiter lagen am Ende weit im Spitzenfeld. „Da muss man wirklich sattelfest sein“, sagt sie. Trab und Galopp durchs Gelände wechseln sich da ab. Auch im Pfälzerwald hat sie kürzlich an einem solchen Ritt teilgenommen.

In diesen Momenten, wenn sie die Natur eintauchen kann, fühlt sich Alexandra Vogt rundum glücklich. Dass der Mensch Teil dieser Natur ist und mit ihr in Einklang leben sollte, dafür will sie werben.

Was andere Künstler aus dem Unterallgäu in der "Kunstpause" machen:

Gedichte und Geschichten vom „Gemeinen Feldhamster“

Der Künstler Michael Bahr machte Entdeckungen im Unspektakulären

Was der Mindelheimer Künstler Markus Brinker mit seinen Werken ausdrückt

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