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Unterallgäu

11.12.2020

Kurioses zum Welttag des Berges: So viele Berge gibt es im Unterallgäu

An föhnigen Tagen scheint Mindelheim am Fuße der Alpen zu liegen.

Plus Eigentlich wollten wir zum heutigen „Welttag des Berges“ mit Wissenswertem rund um die Berge im Unterallgäu aufwarten. Doch das ist gar nicht so leicht – und endet mit einer ernüchternden Erkenntnis.

Zugegeben, es ist fraglich ob man den „Welttag des Berges“ unbedingt kennen muss. Aber er wäre ein schöner Anlass gewesen, einmal über die Berge im Unterallgäu zu schreiben und herauszufinden, wie viele es hier eigentlich gibt, welcher der höchste ist und ähnliches mehr. Wäre, weil die Sache leider so einfach nicht ist. Bei der Recherche türmt sich – um im Bild zu bleiben – geradezu ein ganzer Berg von Problemen auf.

Erste Anlaufstelle ist das Vermessungsamt, das praktischerweise ja sogar einen Amtssitz in Mindelheim hat. Weil, so der kühne Gedanke, wer hauptberuflich die Landschaft vermisst, bestimmt auch Bescheid weiß über die Erhebungen, die dort zu finden sind. Wie sich nach mehrmaligem Verbinden und einer gewissen Ratlosigkeit ob des Anliegens der MZ herausstellt, ist dem aber nicht so. Das Telefonat endet jedenfalls mit dem Rat, das Ganze doch einfach mal zu googeln.

3,82 Millionen Google-Ergebnisse für "Berg Unterallgäu"

Und siehe da: Die Suche nach „Berg Unterallgäu“ ergibt sage und schreibe rund 3,82 Millionen Ergebnisse. Bloß: Eine Antwort auf die eingangs aufgeführten Fragen findet sich da nicht, zumindest nicht auf den vorderen Seiten. Dafür aber – und das ist ja auch nicht zu verachten – ist zu erfahren, welche die höchsten Skigebiete im Unterallgäu sind. Sie wussten gar nicht, dass es hier überhaupt welche gibt? Macht nichts, dafür ist skiresort.de im Bilde und setzt als höchste von zwei Unterallgäuer Skigebieten die Schwabenwiese in Mindelheim und den Kirchdorfer Hügel mit jeweils 635 Metern gleichberechtigt auf Platz eins. Fans von Ranglisten sei allerdings gesagt, das Mindelheim oben steht, vermutlich, weil die Abfahrt hier mit 400 Metern doppelt so lange ist wie die in Kirchdorf. Außerdem beträgt der Höhenunterschied zwischen Berg- und Talstation des Lifts in Mindelheim 25 Meter und damit vier mehr als in Kirchdorf.

Möglicherweise hat auch eine Rolle gespielt, dass die Schwabenwiese am Fuße des Mindelbergs liegt, während es sich in Kirchdorf dem Namen nach nur um einen Hügel handelt. Auch wenn das eine reine Vermutung ist, wirft das die Frage auf, wann man bei einer Erhebung überhaupt von einem Berg spricht. Muss sie vielleicht eine bestimmte Höhe haben? „Nein, muss sie nicht“, sagt Tobias Klöck, Projektleiter der Abteilung Tourismus am Landratsamt Mindelheim. „Das ist fast schon eine philosophische Frage, weil eine richtige Definition gibt es eigentlich nicht.“ Werde von einem Berg gesprochen, sei das in der Regel eine recht subjektive Einschätzung: Für einen Norddeutschen mag der fünf Meter hohe Deich bereits ein Berg sein, für einen Süddeutschen, der anderes gewohnt ist, wohl eher nicht. Und auch der Trainingsgrad kann eine Rolle spielen: Während einem ungeübten Radler das Wort „Berg“ recht schnell über die Lippen kommt, spricht der durchtrainierte Mountainbiker an gleicher Stelle allenfalls von einem leichten Anstieg.

Ein Berg muss über Prominenz und Dominanz verfügen

Zum Glück aber gibt es die Geographie, die sich doch eine Definition hat einfallen lassen: Um einen Berg handelt es sich laut Klöck demnach dann, wenn er über Prominenz und Dominanz verfügt. Prominenz hat dabei allerdings nichts mit Berühmtheit zu tun, sondern heißt im Grunde nur, dass es einen Gipfel geben muss. Ist das Gelände ringsum ungefähr genauso hoch, handelt es sich nämlich bestenfalls um einen Höhenrücken, nicht aber um einen Berg. Der Kohlberg, als inoffizielle Grenze zwischen den Altlandkreisen Mindelheim und Memmingen einer der bekanntesten Berge des Unterallgäus, ist damit ungeachtet seiner 680 Meter Höhe gar kein Berg, sondern ein sich in Nord-Süd-Richtung erstreckender Höhenzug. Also das ist doch der Gipfel.

Doch damit nicht genug, wartet Tobias Klöck mit einer weiteren ernüchternden Erkenntnis auf: „Laut der geographischen Definition haben wir im Unterallgäu keine richtigen Berge.“ Es fehle nämlich nicht nur an Gipfeln, sondern auch an den Tälern, die die Dominanz beschreiben: Um von einem Berg sprechen zu können, muss man vom Gipfel als höchstem Punkt eine gewisse Strecke ins Tal zurücklegen können – und das sollten halt nicht bloß ein paar läppische Meter sein.

Es gibt Hoffnung: Wir werden höher und damit "bergiger"

Aber: Ein bisschen Hoffnung gibt es noch. Weil sich die Alpen aufgrund tektonischer Verschiebungen bis zum heutigen Tag von Süden nach Norden weiter auftürmen, wird auch das Alpenvorland Jahr für Jahr ein winziges Stück angehoben. „Dadurch werden auch wir etwas in die Höhe gehoben“, so Klöck. Wenn es dann am Fuße der Erhebung noch einen Bach gibt, der sich immer tiefer eingräbt und so ein Tal schafft, könnte es schon noch etwas werden mit den Bergen im Unterallgäu.

Immerhin wurde hier vor rund 150 Jahren die Vergletscherung der deutschen Alpen nachgewiesen und zwar am Falken bei Ittelsburg, das wiederum gar nicht so weit entfernt ist vom höchsten Punkt des Unterallgäus. Der ist nicht in Ober-, sondern ausgerechnet in Unterwarlins zu finden, das mit 845 Metern über Normalnull der höchstgelegene Ort im Unterallgäu ist.

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