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Bürgermeister

17.04.2014

Kurz vor der neuen Freiheit

Bürgermeister Georg Leinsle mit einer alten Chronik aus dem 18. Jahrhundert aus Oberrieden.
Bild: Johann Stoll

Georg Leinsle macht nach zwölf Jahren als Gemeindechef in Oberrieden nicht weiter und freut sich auf sein Leben mit der Natur und mit den Enkeln

Niemand war überrascht, die Leute wussten Bescheid. Schon vor drei Jahren hatte Georg Leinsle öffentlich gemacht, dass er 2014 nicht mehr zur Verfügung steht. Spätestens mit diesem Tag war klar: Oberrieden braucht einen neuen Bürgermeister. Leinsle hatte das Ehrenamt zwölf Jahre lang ausgeübt. Jetzt war er fertig.

Leinsle ist 67, und er findet das reiche. Was er schaffen wollte, das habe er erreicht, sagt er. Er war kaum fünf Wochen im Amt, als 2002 „das ganze Dorf unter Wasser gestanden war“. Für ihn stand damals fest: Das will ich ändern, der Hochwasserschutz für Oberrieden soll höchste Priorität haben.

Leinsle hat geschafft, was er sich vorgenommen hat. Zwei Dämme sind gebaut worden, nachdem er zahllose Gespräche mit Grundstückseigentümern geführt hat. Die Verhandlungen mit dem Wasserwirtschaftsamt in Kempten waren Chefsache. Ein Hochwasser sollte Oberrieden jetzt rechnerisch nur noch alle 100 Jahre heimsuchen. 1350 Einwohner zählt Oberrieden und gehört damit eher zu den kleineren Gemeinden im Landkreis. Als Bürgermeister allerdings ist man hier rund um die Uhr gefordert, wenn den Leuten danach ist. „Ich habe hier 24 Stunden am Tag Bürgersprechstunde“, sagt Leinsle. Das unterscheide das Bürgermeisterdasein in einem Dorf von jenem in der Stadt.

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Die Leute lernt man als Gemeindechef anders kennen. Viele Befindlichkeiten müsse er beachten. Vor allem, wenn man als Gemeinde etwas brauche, helfe nur Demut. „Man lernt sich zu verneigen“, sagt Georg Leinsle, der mit einer gehörigen Prise Humor gesegnet ist. Und drum sagt er, man müsse aufhören, sonst bleibe einem der Buckel vom vielen Dienermachen. Das Bürgermeisteramt sei nicht der dankbarste Job. Gerne gemacht hat er ihn trotzdem. Mit Ärger geht er um wie mit Schmutz unter der Dusche. Abwaschen, an sich abperlen lassen - Sache erledigt. Man könne schließlich nicht alles der Familie aufbürden.

Mit seinem Bürgermeisterstellvertreter Anton Herz hat sich Leinsle immer bestens verstanden. Termine hätten die beiden immer gut miteinander abgesprochen, sagt er. Sehr geschätzt hat er immer die Geburtstage und Hochzeitstage. Hier war der Bürgermeister immer gerne gesehener Gast bei den Leuten. Dass sie an anderen Tagen wieder nur ihren eigenen Vorteil gesehen haben - das scheint wohl überall so zu sein, meint Leinsle. Es menschelt eben überall, selbst in Ober- und Unterrieden.

Dass die Aufgabe so viel Zeit erfordert, war ihm anfangs nicht klar gewesen. „Aber ich habe Zeit“, sagt er, und die hat er sich dann eben auch genommen. Früher war Leinsle als Elektriker beschäftigt. Aber auch als ehrenamtlicher Bürgermeister war der ganze Mann gefragt. Schließlich muss ein Bürgermeister sich mit Behörden abstimmen, und die sind nun mal nur tagsüber anzutreffen.

Was er sich noch wünschen würde für seine Gemeinde? Eine Umgehungsstraße zusammen mit Kammlach. „Das wäre eine große Erleichterung für die Bevölkerung“, sagt er. Die Maut-Preller gebe es definitiv. Und natürlich hält er es für wichtig, dass weitere Bauplätze ausgewiesen werden, damit die Einheimischen günstig bauen können und so am Ort bleiben.

Leinsle hat sich nie einer Partei nahe gefühlt. Und selbst von den Freien Wählern hält er sich fern. „Ich brauche keine Vordenker“, sagt er selbstbewusst. In einer kleinen Gemeinde wie Oberrieden sei Parteidenken eher hinderlich.

Auf seine Nachbürgermeister-Zeit freut er sich schon sehr. Leinsle will wieder mehr raus in die Natur. Und drei Enkel wollen auch mehr von ihrem Opa haben. „Ich freue mich sehr auf meine neue Freiheit“, sagt er.

Und falls er doch einmal Langeweile verspüren sollte, könnte er sich vorstellen, sich intensiver mit der Chronik der Gemeinde Oberrieden zu befassen. Viele gibt es nicht mehr, die die alte Schrift noch lesen können. Georg Leinsle gehört zu dieser seltener werdenden Spezies.

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