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Unterallgäu

31.08.2020

Kurzarbeit und weniger Umsatz bei der Lebenshilfe Unterallgäu

Betrieb der Lebenshilfe Memmingen-Unterallgäu in Memmingen.
Bild: Brigitte Hefele-Beitlich

Plus Wie die Corona-Krise auch die Einrichtungen der Lebenshilfe trifft - und was für Mitarbeiter und Bewohner bedeutet.

Die Corona-Krise trifft auch die Einrichtungen der Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu. In den Werkstätten verzeichne man seit März einen Umsatzrückgang von rund zehn Prozent, berichtet der Geschäftsführer Wolfgang Beuchel. Er war Teilnehmer einer Gesprächsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke ( CSU), Geschäftsführerin Katharina Sinz, dem Gesamtbetriebsleiter Richard Hack, der Vorsitzenden der Lebenshilfe, Jutta Maier, sowie anderen Mitarbeitern.

Sehr zufrieden sei man mit dem Krisenmanagement durch Bund und Land, betonte Beuchel. Oberste Prämisse war zu Beginn des Lockdowns, die Menschen mit Behinderungen, die zu den Risikogruppen zählen, umgehend zu ihrem eigenen und zum Schutz anderer aus den Werkstätten zu nehmen, berichtete Hack. Sie wurden nach Hause oder in die zur Lebenshilfe gehörenden Wohneinrichtungen geschickt.

Nach dem Vorbild der Kliniken und Altenheime hatte man die Wohngruppen regelrecht „abgeriegelt“, erläuterte Sinz. Für die Mitarbeiter sei dies zweifelsohne eine herausfordernde Zeit gewesen. Sie mussten nicht nur andere Aufgabenbereiche übernehmen, sondern trugen auch das Infektionsrisiko.

Zulage für Mitarbeiter, die in der Corona-Hochzeit ein besonderes Risiko eingingen

„Für die Bewohner der Wohngruppen selbst war dies trotz der Tatsache, dass sie von der Außenwelt weitgehend abgeschottet waren, eine schöne Zeit, denn sie erhielten sehr viel Aufmerksamkeit“, so Sinz. Als sichtbares Dankeschön für ihren außerordentlichen Einsatz erhielten die Mitarbeiter, die sich dem besonderen Risiko in den Wohnheimen ausgesetzt haben, eine Belastungszulage von 15 Prozent für jede eingesetzte Stunde in den Monaten Mai, Juni und Juli.

Vom Virus betroffen sei bei den Menschen mit Behinderung bis heute keiner, bei den Mitarbeitern habe es im Bereich der Schule zwei Infizierte gegeben, so Sinz und Beuchel. Die Aufträge in den Werkstätten konnten dennoch weiter abgewickelt werden. Hier sprangen Mitarbeiter aus anderen Bereichen ein, wie beispielsweise Therapeuten und Pädagogen aus der pandemiebedingt geschlossenen Frühförderung.

So hoch ist der Umsatzrückgang in den Werkstätten der Lebenshilfe Unterallgäu

Wie Beuchel berichtete, habe man seit März in den Werkstätten einen Umsatzrückgang von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nun sei aber spürbar, dass in manchen Bereichen die Folgeaufträge für die Werkstätten nicht kämen, sodass sich der Blick in die Zukunft etwas unsicherer darstelle. Vom 1.Mai bis zum Ende der Pfingstferien habe man im Bereich des Lebenshilfe-Vereins Kurzarbeit angemeldet. Auch damit war viel Druck herausgenommen worden.

Herausfordernd war die Situation auch für die Eltern, wie Herz und Maier erklärten. Sie hatten einen erhöhten Betreuungsaufwand zu Hause. Um dort die Situation abzufedern, waren rasch Notgruppen eingerichtet worden.

Wichtig sei nun, bald wieder möglichst viele Menschen in die Werkstätten und damit in einen geregelten Tagesablauf zu bringen, erläuterte Hack. Für Menschen mit Behinderung sei die Beschäftigung in den Werkstätten mehr als nur ein Arbeitsplatz, „für viele ist sie das zweite Zuhause“. Dass sie mit den Hygienemaßnahmen gut umgehen könnten, habe man in der Phase der ersten Lockerungen festgestellt.

Um die nötigen Abstände einhalten zu können, habe man sich entschieden, ein Schichtmodell in den Werkstätten einzuführen, erklärte Beuchel. Für den September plane man, auf einem noch freien Grundstück zwei große Zelte aufzustellen. Hier wird für 60 weitere Menschen mit Behinderung, die momentan noch zu Hause sind, ein Arbeitsplatz nach den neuen Abstandsregelungen eingerichtet.

Die Lebenshilfe rechnet damit, dass alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen mindestens bis zum ersten Quartal 2021 bestehen bleiben. Aufwand und Mehrkosten seien aufgrund der Pandemie nicht unerheblich. So beliefen sich die laufenden Kosten für jede zusätzliche Gruppe, die eingerichtet werden müsse, auf rund 18.000 Euro pro Monat. Nun hoffe man, dass der Bezirk die Finanzierung der Mehrkosten weiterhin aufrechterhalten könne.

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